
Es ist das erste gemeinsame Projekt der vier großen Museen des Ortes, das sich in thematischen Segmenten dem vielschichtigen Künstler Heinrich Vogeler widmet. Schlaglichtartig werden im Barkenhoff, im Haus im Schluh, in der Großen Kunstschau und in der Kunsthalle Netzel Akzente gesetzt, die die unterschiedlichen Werk- und Lebensetappen des Künstlers in neuen Kontexten visualisieren. Die Anstrengungen der vergangenen Monate haben sich offensichtlich gelohnt, so dass schon im Vorfeld der Ausstellung zahlreiche Fernsehteams den Künstlerort ansteuerten und auch die anderen Medien ein überregionales Interesse bekunden.
"In jedem der vier Häuser steht jeweils ein bedeutendes Gemälde Vogelers im Mittelpunkt", erläutert Beate Arnold, Kuratorin der Ausstellung, das Konzept der Schau, die mit über 300 Exponaten nicht nur das Gesamtwerk des Künstlers beleuchtet, sondern auch Einblicke in die facettenreiche Persönlichkeit und sein spannendes Leben liefert. Um die zentralen Bilder der jeweiligen Ausstellung präsentieren die einzelnen Häuser ihre thematischen Schwerpunkte, die nicht zwingend einer chronologischen Reihenfolge unterliegen, jedoch durch zeitliche Überschneidungen immer wieder den Bogen zu anderen Ausstellungssegmenten herstellen.
Der Frühzeit des Künstlers widmen sich das Haus im Schluh und der Barkenhoff, beide mit neuen Ausstellungsräumen. Exemplarisch für Vogelers vom Jugendstil geprägtem Lebensgefühl steht das Gemälde der "Frühling", der Vogelers Ehefrau Martha in einer von filigranen Birken umgebenden Landschaft zeigt, im Mittelpunkt der Ausstellung im Haus im Schluh. Eindrucksvoll wird dem romantischen Zauber, dem Vogeler in seinen zarten gestalteten Darstellungen erlegen war, Raum gegeben. Martha, als Muse, Modell oder als Sinnbild für den Frühling oder die Liebe: Der Rückzug in die idealisierte Welt der Märchen wird nicht nur in Gemälden, Buchillustrationen und Radierungen spürbar.
Neu ist, dass einzelne Themenschwerpunkte Heinrich Vogelers auch in den Einzelsegmenten der vier Häuser klar, präzise und umfangreich dargestellt werden und so für den Besucher des Ortes gut zu erschließen sind. So ist im Barkenhoff, der für fast 30 Jahre das geliebte Domizil für Vogeler bildet, die idealisierte Lebens- und Arbeitswelt des Künstlers thematisiert. Zahlreiche Gemälde seines Hauses, des Gartens und der Teichanlage verdeutlichen die Bedeutung des als Gesamtkunstwerk angelegten Barkenhoffs. Das wohl bekannteste Bild Vogelers "Der Sommerabend" rückt hier ins Zentrum der Präsentation und verweist zugleich auf die sich wandelnde Idylle.
Mit dem Ausklingen des Jugendstils, der Trennung von seiner Frau und den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges ändert sich auch das Leben auf dem Barkenhoff. Der Wandel vom romantischen Schwärmer zum überzeugten Kommunisten in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wird angerissen und lädt den Besucher ein, sein Leben und Werk in der Großen Kunstschau und in der Kunsthalle Netzel weiter zu verfolgen. Die Präsentation in der Großen Kunstschau, die sich mit Vogelers Leben in der Sowjetunion auseinandersetzt, nimmt den Besucher mit auf die Reise nach Moskau, wo sich der 58-jährige Vogeler 1931 endgültig niederlässt.
Anschaulich wird dieser neue Weg auch im künstlerischen Werk nachvollziehbar. Als eines der ersten Komplexbilder stellt die Kunstschau das "Winterkulturkommando", in dem sich Szenen des Alltags mit politischer Agitation verknüpfen, in den Mittelpunkt des Bilderreigens und lässt auch nicht die stalinistische Ära aus, in der Vogeler dem sozialistischen Realismus verpflichtet ist. Höhepunkt der Präsentation ist eine in der zentralen Halle angelegte und mit Musik untermalte Diapräsentation. Für Vorträge über den Aufbau im Auftrag der Roten Hilfe in der Sowjetunion hatte Vogeler seine Werke auf Glasdias ablichten lassen und sie per Hand koloriert.
Eine Rekonstruktion der Diaschau, die erstmals zu sehen ist, führt den Besucher auf eindringliche Weise in die Arbeitsmethoden des Künstlers ein. Auch in der Kunsthalle Netzel geben neue Medien und Präsentationsformen den Ton an, für die der Ausstellungsgestalter Björn Herrmann verantwortlich zeichnet. Thema dieses Ausstellungssegmentes ist die Politisierung Vogelers, die für seine Kunst in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bestimmend wird, sei es die Suche nach einer menschengerechten Welt im Kommunismus als auch im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Ausgehend von dem Gemälde "Das Leiden der Frauen im Kriege" werden Dokumente, Lebenszeugnisse und Tonaufnahmen den Weg Vogelers von der Barkenhoff Kommune bis zu seiner Zwangsevakuierung nach Kasachstan nachvollziehen lassen. Ein auf vier Meter vergrößertes Komplexbild verdeutlicht die Bestrebungen des politisierten Künstlers.
Die unterschiedlichen Blickwinkel aus denen Vogelers Leben betrachtet wird, zeigen nur umso deutlicher, dass er in frühen als auch in späten Jahren bestrebt war, Kunst in alle Bereiche des Alltags zu integrieren, ob als märchenhafter Träumer einer idealisierten Welt, als Utopist überzeugt von einer klassenlosen Gesellschaft oder gar als engagierter antifaschistischer Kämpfer gegen das Hitlerregime.
Begleitend ist ein umfangreicher Katalog erschienen. Für Besucher gibt es die Möglichkeit, Vogeler mobil zu erleben: als App oder als Audioguide in den Museen.
Die Vogeler-Ausstellung ist ab heute täglich bis zum 30. September in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Worpsweder haben an diesen Pfingstwochenende freien Eintritt.







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