Glücklicherweise ist all das nur ein erdachtes Szenario, beim Gemeindepokalwettbewerb wird ein Löscheinsatz simuliert. Die acht angetretenen Ortswehren und eine Gastwehr aus Oyten nahmen die ihnen gestellte Aufgabe ernst und stellten sich den Augen der kritischen Punktrichter und der ihnen zujubelnden Gäste und Zuschauer.
Zunächst legt der Angriffstrupp der jeweils neunköpfigen Formationen eine Wasserleitung zwischen Fahrzeug und Verteiler, dann stellen Schlauch- und Wassertrupp die Wasserversorgung zwischen dem Fahrzeug und dem offenen Gewässer her, erläutert Cornelius Drewes, Ortsbrandmeister von Schwanewede.
Das "offene Gewässer" ist in diesem Fall ein selbst zusammengeschweißter, 500 Liter Wasser fassender Behälter. Im Anschluss gilt es, eine sogenannte B- und zwei C-Leitungen zu verlegen, bevor die Wettkampf-Teilnehmer auf einen Turm klettern und insgesamt drei Kanister Wasser verspritzen.
Unterdrückte Flüche
"Vorsicht Leine", "Wasser marsch!" beziehungsweise "Wasser halt!": Minutiös abgestimmt sind nicht nur die Befehle der Gruppenführer, auch die Bewegungsabläufe der Kameraden sind einem strengen Regelwerk unterworfen. Werden während der einzelnen Zeittakte wertvolle Sekunden verplempert und die angesetzten zehn Minuten überschritten, drohen von den 500 Ausgangspunkten genauso gnadenlose Abzüge wie beim Verletzen der Unfallverhütungsvorschriften.
Trägt ein Kamerad die Schläuche etwa nicht vorschriftsgemäß senkrecht, sondern schräg wie einen Rammbock, kann es durch die herumwirbelnde Blindkupplung Knieverletzungen geben. "Im Zweifelsfall lieber langsamer und gründlich arbeiten", rät deshalb Kreiswettbewerbsleiter Werner Meyer, der mit seinen Kollegen nach jedem Durchgang in seinem "Schaltzentralen-Zelt" die aktuellen Wertungen in den Computer eingibt.
Plötzlich plärrt eine Stimme aus dem Lautsprecher: "Aus verkehrstechnischen Gründen müssen alle das B-Rohr auf den Anhänger halten!" Obwohl der Maschinist den Pumpendruck nicht höher als acht Bar einstellen darf, hat der Wasserstrahl die Straße Langenberg erreicht – er hätte Passanten treffen können. Dann ist ein unterdrücktes Fluchen bei den mit zwei Gruppen angetretenen Neuenkirchenern zu hören: Beim Aufbau der Wasserversorgung hat sich ein Verteiler gelöst. Im Nu machen die Kameraden den kleinen Zeitverlust wett, sprinten am Anhänger vorbei und erklimmen mit dem Schlauch den Hochsitz. Selbstredend ist dabei selbst der Winkel, in dem die Leiter aufgestellt und angelehnt wird, genauestens vorgeschrieben.
"Zuerst hat man ziemliches Muffensausen und einen Adrenalinkick, dann arbeitet man einfach seine Takte ab", beschreibt der 19-jährige Angriffstruppführer Julian Weichert seine Gefühlslage während der Übung. Während Julian als Zusatzprüfung einen Zimmermannsstich knoten muss, beantworten seine Kollegen Theoriefragen und lokalisieren zusätzlich auf einer Karte einen Brandort.
Stärken und Schwächen austesten
Eine der wenigen weiblichen Mitstreiterinnen ist Gwendolyne Manek, die seit Jahresbeginn als Gruppenführerin der Schwaneweder Ortsfeuerwehr ihre Frau steht. "Man muss schon einen kleinen Dachschaden haben, um in dieser Männerdomäne mitzuhalten und auch mal eine Frotzelei auszuhalten. Die klassische ,Handtaschentussi‘ ist hier eher fehlbesetzt", meint die 25-Jährige grinsend.
Bei einer Übung wie dem Gemeindewettbewerb, ist sich Gwendolyne Manek mit Cornelius Drewes einig, könnten die Mitglieder austesten, wo die Stärken und Schwächen liegen. Wenn auch eigentlich "jeder alles" können müsse. Trotz des recht jungen Durchschnittsalters in der Schwaneweder Schwerpunktwehr vermeide man bei schweren Einsätzen allerdings, Anfänger an vorderster Front einzusetzen, sagt Drewes.
Während die Jugendwehren sich zwischendurch in einem Spaßwettkampf messen konnten, die Kleinen sich mit einem Feuerlöscher austobten und die Erwachsenen sich an Bier- und Wurstständen labten, zogen sich die Wettkämpfe noch bis zum Abend hin.
Am Ende stand fest: In der Wertungsgruppe FPN (Pumpe mit Tank) waren die beiden Neuenkirchener Gruppen vor Leuchtenburg siegreich, in der Wertungsgruppe 2 (Fahrzeuge mit Tragkraftspritze) führte Hinnebeck vor den Brundorfer Kameraden.








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