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Rock-im-Torf-Festival in Worpswede
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The Folks erobern die Südweder Herzen

23.07.20120 Kommentare
Die Berliner Band The Folks konnte beim achten Rock im Torf-Festival Besucher jeden Alters überzeugen. Sänger und Gitarr
Die Berliner Band The Folks konnte beim achten Rock im Torf-Festival Besucher jeden Alters überzeugen. Sänger und Gitarrist Leon und seine drei Kollegen verbinden in ihren Songs akustische Momente mit Rootsrock. (Laf·fotos: Lars Fischer)

Worpswede. Auch im achten Jahr ging das Rock im Torf-Festival mit bewährtem Konzept über die Südweder Bühne. Mit den Lokalmatadoren Wantonness am Anfang, der Thin Lizzy-Coverband Vagabonds zur besten Zeit und Best Kept Secret als Abschluss sowie dazwischen Auftritten von Blunt, Gift, Eyevory und den Publikumslieblingen, der Gruppe The Folks aus Berlin, war das Open Air qualitativ besser besetzt als jemals zuvor.

Sowohl regionale Bands, die auf klassischen Rock zurückgreifen, als auch junge Truppen, die hoffnungsfroh in ihre musikalische Zukunft blicken – diese Mischung wird vom Publikum beim Rock im Torf honoriert. Zwar etwas schleppend strömen die Festival-Besucher am Nachmittag auf die Südweder Dorfgemeinschaftsanlage, doch zu späterer Stunde ist das Areal mit insgesamt 1000 Besuchern gut gefüllt.

Blunt mit Sängerin Bella Berlina legten die Messlatte schon früh sehr hoch.
Blunt mit Sängerin Bella Berlina legten die Messlatte schon früh sehr hoch. (Laf)

Zuvor haben Blunt, die direkt nach dem notorischen Eröffnungsauftritt der einheimischen Wantonness als zweite Gruppe spielen, die Messlatte für die nachfolgenden Shows hoch gelegt. Was das Bremer Quartett an guten Songideen, ausgereiften Sounds und Bühnenpräsenz mitbringt, ist aller Ehren wert. Sie haben ihren Rocksongs eine sehr groovige und vom Funk infizierte Spielweise verpasst und auch einen Reggae-Ausflug mit untergebracht. Vor allem aber haben sie mit Bella Berlina eine Sängerin mit prägnanter Stimme, die Akzente setzen kann und die Zuhörer mitreißt.

Mangel an Konturen

Als Gegenbeispiel in beinahe allen Bereichen dazu kann die nächste Formation, kann Gift gelten. Deutlich merkt man der Band ihre Vergangenheit als Top 40-Act an. Sie mischen zwar einige eigene Stücke in ihren Cocktail, aber dieser wird recht konturlos und so gar nicht giftig serviert, oft werden die Originale gerade ihre prägnantesten Momente beraubt. Durch ein stark in den Vordergrund gemischtes E-Piano schaffen sie es, selbst einen Hardrock-Song wie Whitesnakes "Here I go again" wie eine Nummer von Billy Joel oder Supertramp klingen zu lassen. Immerhin einige Tänzer lassen sich davon nicht abschrecken.

Das Warten hat sich gelohnt

Der Umbau für die folgenden Eyevory dauert ungewöhnlich lang, aber das Warten lohnt. Das Quartett, in früheren Jahren in Fünfer-Besetzung und unter dem Namen Pink Mercury schon einmal in Südwede zu Gast gewesen, überzeugt mit einem detailreichen und vielschichtigen Sound. Mit allerlei Effekten und großer Spieltechnik bringen sie eigene Stücke, die beim Progressive Rock der 70er-Jahre anknüpfen, auf die Bühnenbretter. Diese garnieren sie mit vielen Facetten wie Querflötensoli, elektronischen Percussions oder Synthesizerflächen genauso wie mit gesunder Härte. Mit Kaya Fischer und Jana Frank verfügt die Band darüber hinaus über zwei starke Vokalistinnen.

Erstaunlich für ein Festival ist es allemal, wenn es bis zur fünften Band dauert, ehe einmal keine weibliche Stimme mehr zu hören ist. Die vier Jungs von The Folks eröffnen den Teil des Programms, der von rein männlichen Bands dominiert wird. Das Quartett aus Berlin, das von allen sieben Gruppen die weiteste Anreise auf sich nahm, ist die überraschendste Neuentdeckung im diesjährigen Programm und wird zu recht als Publikumsliebling gefeiert. Mit ihrem halbakustischen Rootsrock können sie sowohl jüngere wie ältere Besucher erreichen. Ganz offensichtlich sind viele Besucher auch gezielt wegen dieser Band nach Südwede gekommen

Souverän und sympathisch

Zwei Coverversionen von Otis Redding und J.J. Cale zeigen die Wurzeln der Musik von The Folks, den Rest machen eigene Songs auf bestem Niveau aus. Zwischen leichten Folk-Anklängen und subtilen Parallelen zum Spätwerk der Doors haben The Folks ihren Stil gefunden, darüber hinaus präsentieren sie sich äußerst souverän und sympathisch.

Auch The Vagabonds machen einen absolut überzeugenden Eindruck. Sie erweisen im wahrsten Sinne des Wortes dem Werk Thin Lizzys Ehre. Dabei sind sie eine der wenigen Coverbands, die genau das reproduzieren, was die Fans hören wollen, ohne dabei Abstriche machen zu müssen. Die typischen doppelten Lead-Gitarrenläufe klingen absolut originalgetreu. Als Referenzgröße gilt den Bremern offensichtlich das grandiose "Live and dangerous"-Album von 1978, dessen Lieder sie nahezu ausnahmslos spielen. Von "Jailbreak" bis zu "The boys are back in town" sind alle Hardrock-Klassiker dabei, ebenso die Balladen wie "Still in love with you". Spätere Solostücke von Bandleader Phil Lynott sind nicht nötig, um das Repertoire aufzufüllen. Stattdessen endet das Set mit einer gefeierten Version von "Whiskey in the jar".

Für die Ausdauerndsten unter den Besuchern im Südweder Torf geht es dann nochmal zurück in die Zukunft. Mit der Tarmstedt-Rotenburger Gruppe Best Kept Secret stehen vier junge Musiker aus der Region zum Abschluss auf der Bühne. Bis tief in die Nacht verpassen sie dem Festival einen stilvollen Abgang mit wildem Alternative Rock und einer Show, die auch nach über zehn Stunden die Musikfans bei der Stange hält. Sie reihen sich damit ein in ein Festival-Line Up, das das beste in acht Jahren Rock im Torf darstellt. Höchsten Respekt verdienen die "musikverrückten" Veranstalter dafür, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln ein solches Niveau realisieren zu können.


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Leserkommentare
djhg am 18.08.2017 07:27
@Werderland: Ich denke eher, dass Nouri und Baumann auch ihren Aussagen aus der letzten Saison gelernt haben und es deshalb eher intern ...
abrakadabra am 18.08.2017 07:26
Der Betrag ist ja wohl lächerlich ... Warum gibts da nicht wenigstens einen Punkt in Flensburg? Für Taxifahrer als angebliche Profis darf es auch ...