
Ottersberg. Es ist Montagabend, ein ungewöhnlicher Konzerttermin, den "Ma Valise" auf der Heimreise von einem Berliner Auftritt für ihre Ottersberger Freunde vom KuKuC eingeschoben haben. Freundschaft verbindet und ready, steady, go: Noch bevor der erste Takt des ersten Songs zu Ende gezählt ist, wird auch den Novizen eines Ma Valise-Konzerts klar, dass die jungen Männer aus Frankreich wissen, wo Bartel den Most holt. Dort nämlich, wo der Rhythmus zu Hause ist, wo sich Balkan-Folk, Afro-Sound, Mestizo mit Ska und Reggae zu einem unwiderstehlichen Appell an das menschliche Bewegungsbedürfnis formieren. Ein bestuhltes Ma Valise-Konzert? Undenkbar. Das wäre wie Schwimmen ohne Wasser oder wie Tanzen ohne Musik. Tatsächlich aber lassen es die Musiker an diesem Abend vergleichsweise verhalten, um nicht zu sagen etwas müde angehen. Was einfach den Umständen einer langen Tournee geschuldet sein mag, in deren Verlauf die Band am Abend zuvor vor viertausend Leuten in der Hauptstadt gespielt hat. Vielleicht hat man sich im Lauf der Jahre, in denen sich die Gruppe zu einem international gefragten Live-Act entwickelt hat, auch ein wenig entfernt vom juvenilen Pogo-Schwung, der dem folkloristischen Konglomerat des Programms vormals seinen Speed verliehen hat.
Keine Zeit zum Ausruhen
Um nicht missverstanden zu werden: Wenn Ma Valise Tempo wegnimmt, heißt das nicht, dass sich der Konzertgast ausruhen kann. Mitreißend und druckvoll ist die Musik der Franzosen in jeder Sekunde. Auch im gediegenen Midtempo-Bereich von Reggae und Zeitlupen-Ska zu Anfang des Konzerts funktioniert diese Symbiose aus ethnologischen und rockmusikalischen Elementen bestens. Ma Valise singen mehrstimmig in spanischer, englischer, französischer, creolischer und rumänischer Sprache. Sie singen von der Liebe der Menschen aber auch von Unterdrückung, Verfolgung und sozialer Anklage. "Guns of Brixton" – jene Hymne der Gruppe Clash zu den Aufständen im sozialen Londoner Brennpunkt Brixton der achtziger Jahre ist so ein Song, in dem sich ein politischer Aufschrei in unbändige Tanzwut verwandeln lässt. Mit diesem Song schließlich dreht Ma Valise energisch an der Temposchraube und legt im zweiten Teil des Konzerts alle Müdigkeit ab. Eine diskante Elektrogitarre schneidet die Luft in Scheiben – aggressive Töne, die aber immer wieder vom besänftigenden Klang des Knopfakkordeons konterkariert und in eine folkloristische Schleife geleitet werden. Ma Valise vermag all das mit heißem Herzen zu mischen und überträgt das mit selbstverständlicher Spielfreude und Intensität auf die Zuhörerschaft. Hier ist über die bloße Konzertshow hinaus eine beiderseitige Sympathie spürbar. Wer beobachtet hat, wie sich die Musiker in der Pause mit Ottersberger Konzertbesuchern wie mit alten Bekannten unterhalten haben, kann das nachvollziehen.







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