
Im Zuge der Sparmaßnahmen für den Haushalt der Stadt wird in Achim auch über die Kürzung der Zuschüsse an Vereine und Verbände nachgedacht. Einige, wie den Wirtschaftsbeirat, traf es bereits im laufenden Jahr, andere, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, könnten ab 2013 weniger Zuschüsse bekommen. Bislang hatte die Stadt die komplette Kaltmiete für das Vereinsheim der DLRG bezahlt – rund 5000 Euro im Jahr. Künftig könnten es nur noch 2500 Euro sein.
Einen konkreten Ratsbeschluss hierzu gibt es zwar noch nicht, doch die Stadtverwaltung wurde bereits aktiv. "Ich habe einen Änderungsvertrag von der Stadt zugeschickt bekommen", berichtete Karsten Dinklage am Dienstag im Ausschuss für Sport und Kultur. "Den sollen wir unterschreiben. Tun wir das nicht, müssten wir mit einer Kündigung rechnen."
Er werde den neuen Vertrag auf keinen Fall unterschreiben, stellte der DLRG-Chef gestern im Gespräch mit unserer Redaktion klar. "Das können wir nicht, und das wollen wir auch nicht." Etwa 200 Mitglieder haben die Lebensretter in Achim. Deren Mitgliedsbeiträge würden samt und sonders für die Nebenkosten des Vereinsheimes ("Die Stadt zahlt nur die Kaltmiete!"), für die Instandhaltung der beiden Boote sowie für Ausbildung und Aktionen des Vereins benötigt. "Was sollen wir also tun, um das Geld zusammenzubekommen? Bei der Ausbildung der Kinder sparen oder ein Rettungsboot verkaufen...?"
Viel selbst gebaut
Aber Dinklage kritisiert die angedachte Kürzung auch aus grundsätzlichen Überlegungen heraus: "Wir sind vor ein paar Jahren von Embsen nach Achim umgezogen, weil es hieß, dass wir hier gleichwertige Räume zu gleichwertigen Bedingungen bekommen." Seither habe die DLRG das Vereinsheim samt Nebengebäude in Eigenleistung in mehr als 2000 Arbeitsstunden aus- und dort auch Inventar für rund 20000 Euro eingebaut.
"Und wir sind ein ehrenamtlicher Rettungsdienst, keine Spaß- und Freizeitsportler", betonte Dinklage im Fachausschuss. Seinem Ärger über Politik und Verwaltung machte er dort abschließend mit der Rückgabe seiner Ehrenamtskarte Luft. Darauf könne er verzichten, wenn die Stadt an anderer Stelle ihre Wertschätzung des Ehrenamts durch Kürzung von Zuschüssen zum Ausdruck bringe.
Die Ehrenamtskarte vergibt die Stadt an ausgewählte Achimer, die ehrenamtlich tätig sind. "Als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für langjähriges und intensives bürgerschaftliches Engagement." Die Karte sichert ihren Besitzern in ganz Niedersachsen vergünstigte Eintritte in Museen oder bei Veranstaltungen. In Achim gibt’s dafür unter anderem den Leseausweis der Stadtbibliothek umsonst, und der Eintritt ins Hallenbad wird günstiger.
Im Ratssaal herrschte nach den Äußerungen von Dinklage spürbar Betroffenheit. Es gab Zuspruch von allen Seiten für die DLRG und deren Arbeit. Ansonsten aber herrschte Ratlosigkeit über den Änderungsvertrag der Stadt. "Wir haben doch noch gar keinen Beschluss für Kürzungen", erklärte Karl-Heinz Lichter (CDU). "Es sollten doch zunächst Gespräche mit allen Vereinen stattfinden." Was Fachbereichsleiterin Wiltrud Ysker bestätigte: Die Verwaltung arbeite an einem umfassenden Konzept für alle Vereine. In diese Gespräche werde auch die DLRG mit einbezogen.
Gespräche mit allen Vereinen
Bürgermeister Uwe Kellner betonte, dass niemandem gekündigt würde. "Wir kürzen nur Zuschüsse." Gemeinsamer Wille sei es, den Haushalt der Stadt auszugleichen, und dafür gebe es Vorschläge für alle Bereiche. Er habe keine Problem, davon abzuweichen, wenn sich eine Sparmaßnahme im Einzelfall als nicht durchführbar erweise. "Aber jetzt peu à peu alles wieder aufzuweichen", sei keine Lösung. "Auch andere Vereine sind wichtig."
Gemeinsamer Nenner im Fachausschuss war schließlich, die Gespräche mit den Vereinen abzuwarten. Vorher soll nichts geschehen. Karsten Dinklage kann damit wenig anfangen. "Für uns hat sich überhaupt nichts geändert. Wir hängen weiterhin in der Luft." Geredet werden könne viel. Er halte sich lieber an die Fakten, die ihm in schriftlicher Form vorliegen: Ein Änderungsvertrag, verbunden mit der Aufforderung, ihn zu unterschreiben, und der Androhung, ansonsten gekündigt zu werden.









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