Die beiden 46 und 54 Jahre alten Männer zeigten den Lkw-Fahrer an, doch der ging vor Gericht in die Gegenoffensive. Nicht er sei es gewesen, der auf der Autobahn jemand genötigt habe, sondern der Pkw-Fahrer. Der nämlich habe den Lkw in der Baustelle überholt, sei unmittelbar vor ihm eingeschert, habe abgebremst und sei dann mit nur noch 60 bis 70 km/h vor ihm hergefahren.
Er selbst, so der Lkw-Fahrer, hatte seinen Tempomaten auf 83 km/h eingestellt gehabt. "Ich musste also bremsen und bin zurückgefallen." Als er schließlich wieder näher an den Pkw herangefahren war, habe dieser erneut gebremst. Das üble Spiel habe sich in der Baustelle mehrfach wiederholt. Dabei habe es vor ihm wenig Verkehr gegeben. "Da war mindestens 300 Meter alles frei."
Die beiden Zeugen lieferten übereinstimmend einen anderen Hergang des Geschehens. Sie seien - ebenfalls mit eingestelltem Tempomaten - mit den erlaubten 80 km/h in der Baustelle gefahren. Der Lkw sei extrem dicht aufgefahren und habe sie mehrfach mit der Hupe aufgefordert, schneller zu fahren. Die gesamte Baustelle lang hätte er an ihrer Stoßstange gehangen. "Der Abstand war manchmal weniger als ein Meter." Erst nach der Baustelle sei man dann schneller von dem Lkw weggezogen.
"Fünf Kilometer lang mit dem Lkw drücken...? Ich bin doch nicht bescheuert!," entgegnete der 53-jährige Angeklagte, der seit 35 Jahren unfallfrei und ohne Punkte als Fahrer arbeitet. Die Staatsanwältin beeindruckte dies nicht. Sie glaube den Zeugen. "So eine Anzeige macht man nicht einfach so. Warum sollte man sich so eine Geschichte ausdenken?" Allenfalls über eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage ließe sich reden.
Was der Angeklagte schließlich akzeptierte. Er muss 900 Euro bezahlen, bleibt aber straffrei. Eine Verurteilung wegen Nötigung hätte sechs Punkte für den Berufskraftfahrer bedeutet.







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