Verden. Die Nachricht vom plötzlichen Tod Holger Schmezers ging gestern wie ein Lauffeuer durch die Reiterstadt. Die Todesursache stand zunächst nicht fest. Dem Vernehmen nach ist Schmezer aber einem Herzinfarkt erlegen. Er litt in den vergangenen Jahren an Krebs, hatte die Krankheit nach eigenen Worten zuletzt jedoch "glücklich überwunden". Umso größer der Schock.
Holger Schmezer hinterlässt seine Ehefrau Martha (31) und die inzwischen sechsjährige Tochter Olenka. Beide waren stolz dabei, als Schmezer sich im Dezember 2008 im Rathaus ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Mit seinen "Dressur-Mädels" Isabell Werth, Heike Kemmer und Nadine Capellmann hatte Schmezer gerade wieder bei den Olympischen Reiterspielen in Hongkong Triumphe gefeiert.
Freunde und Weggefährten des als absoluter "Horseman" bekannten Dressurmeisters, ein Mann der leisen, nur notfalls energischen Töne, hatten Holger Schmezer noch am Dienstag bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung im Deutschen Pferdemuseum getroffen. "Umso unfassbarer ist sein Tod", sagte Museumsleiterin Gisela Fürle. "Ich habe ihn als kompetenten Ansprechpartner geschätzt. Er war in menschlicher wie fachlicher Hinsicht ein außerordentliches Vorbild".
Burkart Fischer, bis vor einigen Jahren Vorsitzender des Kreisreiterverbandes Verden, war ein sehr guter Freund Holger Schmezers. Er hat von dessen Tod in den Niederlanden schon früher als viele andere erfahren. "Schmezer war ein Großer der Szene, selbst ein ausgezeichneter Reiter, aber auch ein Lehrmeister und Trainer mit herausragender Kompetenz und der Fähigkeit zur Teamarbeit".
Schmezer habe seit Mitte der 80er Jahre wesentlich zur Wiederbelebung des Verdener Turniergeschehens beigetragen. "Er hat wichtige Impulse gegeben und sich sehr engagiert". Ähnlich äußerte sich Rainer Kiel, Ex-Auktionschef des Hannoveraner Verbandes und Cheforganisator der Stadionturniere: "Wir haben ihm viel zu verdanken. Schmezer hat nie aus eigenem wirtschaftlichen Interesse gehandelt, sondern vollkommen unabhängig und immer zielgerichtet. Ich ziehe meinen Hut!"
Holger Schmezer hatte die Dressur-Nationalmannschaft nach vierjähriger Tätigkeit als Nachwuchscoach 2001 von Klaus Balkenhol übernommen. In seiner Amtszeit gewannen deutsche Teams unter anderem zwei olympische Mannschafts-Goldmedaillen und vier Titel bei Weltmeisterschaften.
Ein Mensch ohne Eitelkeiten
Schmezer galt nicht nur als hervorragender Trainer, sondern auch als eine immer integere Person ohne Eitelkeiten. Die Erfolge seiner Mannschaften schrieb er nicht sich selbst zu, sondern seinen Reiterinnen und Reitern. "Ich kann denen nichts mehr beibringen, ich kann ihnen nur beratend zur Seite stehen. Alles andere müssen sie selber hinbekommen", sagte er einmal.
1947 in der Nähe von Heidelberg geboren, kam der Sohn eines Marineoffiziers über den Modernen Fünfkampf zur Reiterei. Nach einer Bereiterlehre arbeitete er vier Jahre bei dem legendären Dressurausbilder Willi Schultheis und leitete danach acht Jahre einen Privatstall in Thedinghausen. 1979 machte sich der achtfache Niedersachsenmeister beruflich selbstständig und eröffnete in Borstel seinen eigenen Turnier- und Ausbildungsstall. Der Betrieb florierte und war bald weit über die Region hinaus als "Hochschule für die Hohe Schule" und Talentschmiede bekannt.
Nach den Olympischen Spielen im Sommer in London wollte der nach eigenen Worten "stolze Borsteler" Schmezer als Bundestrainer in den Ruhestand treten und sich mehr seiner kleinen Familie widmen. Es sollte nicht mehr sein.







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