
Der Zusammenklang von Orgelpositiv, Blockflöte und Barockgeige ergab ganz besonders zarte und duftige Interpretationen der Werke, die zum Teil als Triosonaten für Melodieinstrumente, zum Teil als Orgelwerke komponiert und für die Besetzung umgeschrieben wurden.
Mit einer Sonata à tre in F nach der Orgelsonate BWV 529 boten die Musiker einen Auftakt voll Intensität und Leuchtkraft, in dem aus ganz leisen Tönen eine ganze Fülle freudvollen Jubels strömte: So verschwenderisch quollen die Melodien aus dem herrlichen Allegro wie der Lindenduft aus den blühenden Bäumen.
Das Largo wurde zwischen Flöte und Violine zum zärtlichen Duett zweier gleich gestimmter Seelen. Viel forscher und energiegeladener war der Schlusssatz gestaltet, in dem wieder die unerschöpfliche Fülle allerschönster musikalischer Einfälle Staunen machte.
Doch obwohl sich das Wetter und das Konzertprogramm an Schönheit überboten, war dem Publikum kein ungetrübter Genuss vergönnt: Draußen auf dem Anita-Augspurg-Platz gab es einen ausgedehnten Soundcheck für das "Public Viewing" zum EM-Spiel Deutschland-Italien, so dass sich wummernde Bässe und extrem laute Partymusik in die zartbesaitete barocke Schönheit mengten.
Zuerst ließen die Soundchecker noch ein wenig Raum zwischen ihren lautstarken Emissionen, so dass eine Sonate in F für Orgel und Flöte und eine besonders schöne Triosonate von Telemann weitgehend ohne unerwünschte Klangkonkurrenz passieren konnten. Sehr leise formten sich die herrlichen Harmonien der Sonate BWV 1036, die selbst so zart und flüchtig wie ein Duft schienen.
Eine Sonate in a von Telemann – wohl eine von Hunderten ähnlicher Werke des gar so fleißigen Bach-Zeitgenossen – war ideal ausgesucht, da ihre auserlesene Schönheit so gar nichts von der Gleichförmigkeit und Gesetztheit vieler ihrer Geschwister hatte. Eine Largo-Fuge mit sich umwebender und umkreisender reicher Melodik und ein Vivace voll ausgelassener schnellender Sprünge und Triller stellten enorme virtuose Anforderungen an die Musiker und waren dabei völlig mühelos und federleicht gestaltet. Diese sehr empfindsame und ausdrucksvolle Musik – der dritte Satz trug sogar den Titel "Affettuoso" – schien eine bemerkenswert persönliche und intensive Seite des Musikers zu beleuchten. Mit meisterhaft gearbeitetem gegenläufigem Einherströmen der Violine und Flöte beschloss ein ausgelassenes Allegro diese bemerkenswert vielschichtige und taufrische Musik.
Zugabe kurz vom Anpfiff
Nun war die Violine an der Reihe, sich solistisch zu präsentieren. In der Sonata in A BWV 1015 erhielt Schwidessen ein schwesterlich helles Orgelregister zur Seite, mit der er das Fugenthema des Allegro in jubilierender Gesanglichkeit, das Andante mit lieblicher Innigkeit und ein rasantes Presto mit virtuoser Perfektion gestaltete.
Das Concerto á tre in C für Flöte, Violine und B.c nach BWV 1032 schließlich wurde dann vollends zu einem Concerto á quattro, denn das Bassgewummer des Soundchecks war nun zum kakophonen Orgelton geworden. Mit äußerster Konzentration schafften es das Publikum und die Musiker, darüber hinwegzuhören und im herrlichen Largo et dolce dennoch die tiefe innere Ruhe zu erspüren. Ganz leise triumphierte da der Geist über das allzu Diesseitige und Banale, und das begeisterte Publikum holte sich auch noch seine Zugabe: Obwohl nun der Anpfiff schon gefährlich nahe war, sah man niemanden eilig aus dem Dom rennen!
Wetter und Konzertprogramm überbieten sich an Schönheit
Triosonaten für Violine, Blockflöte und Orgel beim Sommerkonzert im Verdener Dom / Bass-Gewummer vom Public Viewing







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