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Vor 38 Jahren schrieb der Berner Dirk Lüken sein 3. Streichquartett Ein Leben für die Musik

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Berne. Es ist nur eines von vielen Werken des Dirk Lüken, das am Sonnabend in Warfleth zur Uraufführung gelangt. Warum sich das Skiron-Quartett mit Musikern des Oldenburgischen Staatsorchesters just für Lükens Streichquartett Nr. 3 entschieden hat und nicht für irgend ein anderes, weiß der Komponist nicht zu sagen. Fest steht, dass Reinhard Rakow, ehrenamtlicher Organisator von "Berne bringt" und "Berner Bücherwochen", 38 Jahre nach Entstehung des Streichquartetts Musiker gefunden hat, die an einer Aufführung interessiert sind. Fest steht auch, dass Lüken auf Rakows Gehör und seine Auswahl der Musiker vertraut.

Sein Gefühl wenige Tage vor der Uraufführung beschreibt Lüken als "Freude, dass es endlich soweit ist, und Neugierde, wie es wird. Das alles ist für mich aufregend und interessant." Dabei handelt es sich um alles andere als seine einzige Komposition. Mit zehn habe er begonnen, Klavier zu spielen, erzählt Lüken, mit etwa 13 seine erste Musik komponiert. Das war in Jever. Bei seiner Geburt am 1. November 1932 lebte die Familie noch in Emden, wo sie später "ausgebombt" wurde. So wuchs Dirk Lüken in Jever auf, machte dort das Abitur, wurde Lehrer und Wein-Liebhaber. Seine große Leidenschaft war immer die Musik, vor allem das Werk des Johann Sebastian Bach. Am liebsten spielte er Bach auf jenem Instrument, das der Orgelbauer Johann Adam Berner 1750 bis 1756 in Jever schuf und das 1959 mitsamt der Kirche einem Brand zum Opfer fiel.

Ein Instrument war es auch, warum es Lüken später nach Berne zog. Er wollte die Musik von Bach auf der 1596 fertiggestellten Orgel des Reinhart Lampeler van Mills spielen, auch die, die sonst weit und breit nirgends gespielt wurde. 1963 war es soweit. Lüken wurde Lehrer an der örtlichen Grund- und Hauptschule und machte sich an sein Lebenswerk. Da der damalige Pastor ihn unterstützte, stand dem Plan des nebenamtlichen Organisten nichts im Wege. Die St.-Aegidius-Kirche avancierte zum Konzerthaus für die Kompositionen alter Meister. Noch im gleichen Jahr rief Lüken die Konzertreihe "Berner Abendmusiken" ins Leben, die es bis heute gibt. Bei den Bernern selbst stieß sie auf bescheidene Resonanz. Mehr als fünf bis zehn Berner haben sich selten unter die Zuhörer gemischt, erinnert sich Lüken. Vor allem in den ersten Jahrzehnten kamen viele Zuhörer aus dem Umland. Auf dem Dorf gebe es nun mal andere Themen als seine "Liebhaber-Musik", musste Lüken einsehen. Die "wunderschöne Kirche" und die Orgel waren aber nun mal dort. Der Kulturbetrieb großer Städte waren für ihn keine Alternative. Lüken selbst sieht sich ohnehin eher als Einzelgänger, in dessen Leben die Musik stets einen breiten Raum einnahm und einnehmen sollte. Im Jahr 2000 erfüllte sich ein weiterer Traum. Die Kirchengemeinde schaffte ein Orgelpositiv an, jene kleine versetzbare Orgel ohne Pedale, für die insbesondere Georg Friedrich Händel so viele Werke hinterließ.

Dirk Lüken ging es aber nie nur ums Musizieren. Nachdem er in den 60er Jahren angefangen hatte, Bachs Cembalokonzerte zu spielen, begann er schon bald, Bachs Bearbeitungen von Antonio Vivaldis Violinkonzerten für ein Cembalo einer weiteren Bearbeitung für zwei Cembali und Streicher zu unterziehen. "Das ist die Musik, die für mich sehr wichtig gewesen ist, um zu lernen." Um sie aufzuführen, tat Lüken sich mit seinem Schwager Peter Elgeti zusammen, der als Organist und Kirchenmusiker in Ganderkesee über ein baugleiches Cembalo verfügt wie Lüken. Immer wieder suchten sie nach Musikern, die für wenig Geld bereit waren, mit ihnen zu spielen - "aus Freude an der Musik". Meistens musste eine Probe genügen. Für mehr war kein Geld da. Trotz der bescheidenen Mittel sei es gelungen, viel zu realisieren. "Ich habe immer nur das getan, was ich wollte."

Ziel nicht aus den Augen verloren

Das alles erzählt Dirk Lüken, als wäre seine Erzählung selbst eine Komposition, die den Zuhörer fesselt, die von Anfang an einen roten Faden hat, zwischendurch Umwegen und Seitensträngen nachgeht und doch das Ziel nie aus den Augen verliert: sein 3. Streichquartett, mit dem er sich 1974 auf Abwege begeben hatte. Denn für gewöhnlich beschränkte er sich beim Komponieren auf solche Werke, die sich ohne (großes) Honorarbudget für Musiker realisieren ließen. Aus dem gleichen Grund gibt es viele von Lükens Kompositionen in mehreren Varianten. Das 3. Streichquartett ist nicht die einzige Ausnahme.

So schrieb Lüken neben den Werken für Klavier, Cembalo und Orgel, den Liedern, Balladen und Chorwerken fünf weitere Streichquartette, vier Sinfonien und diverse andere Orchesterstücke. An die 500 Werke sind es insgesamt, die Lüken in über 60 Jahren komponiert hat, berichtet Reinhard Rakow. Lüken selbst nennt keine Zahl, gewährt dem Besucher jedoch einen Blick in Wäscheschrank und Truhe, in denen die zahllosen Notenblätter mit eigenen Kompositionen gestapelt sind. Dabei habe er erst schon "ausgemistet".

Werk noch nie gehört

Bearbeitungen von Lükens Streichquartett Nr. 3 waren und sind nicht darunter. Dieses Werk gibt es nur einmal. Ebenso wie die Zuhörer am Sonnabend in Warfleth hat auch Lüken es fast vier Jahrzehnte nach seiner Entstehung noch nie gehört. Dabei ist 40 Jahre für Streichquartette geradezu jung.

Ihre Ursprünge gehen unter anderem auf Joseph Haydn zurück, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Komposition schuf, die schon wenig später als verbindliches Muster des Streichquartetts in der Besetzung aus zwei Violinen, Bratsche und Violincello galt und zur bedeutendsten Gattung der Kammermusik avancierte. Wie später Mozart, Beethoven und Schubert, Bartók oder auch Schostakowitsch hielt sich auch Dirk Lüken an diese Tradition. Um seinen eigenen Stil zu entwickeln, habe er sich vor allem an Claude Debussy orientiert.

Hat er einen Einfall, geht es bei der Arbeit am Tonmaterial darum, das Musikstück aus wenigen Themen oder Motiven zu entwickeln. Zur Wiederholung des Leitmotivs treten Abwandlungen hinzu, bis sich alle Bestandteile des Musikstücks auf einen gemeinsamen Kern zurückführen lassen, der ihren Zusammenhang ausmacht. Beliebige, nur dekorative Floskeln haben darin keinen Platz. "Ich habe Verständnis für alles Banale. Selber bin ich anti-banal", sagt Lüken über sich selbst und räumt ein: "Das ist ziemlich strenge Musik, die ich schreibe." Aber was hört jemand wie Dirk Lüken, der die Kompositionen der klassischen Moderne "interessant" nennt und keine Musik mag, die "plätschert", wenn er Musik hört? Seine umfangreiche CD-Sammlung enthält Musik des 14. bis 20. Jahrhunderts. Dass es Lady Gaga in seine Sammlung geschafft haben könnte, hätte auch niemand erwartet. Doch was ist mit Jazz, Pop oder Weltmusik? Interessant, antwortet Lüken, sei das schon. Zeit, um sie zu hören, hat er nicht. "Meine Lebenszeit ist zu gering."



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stimmederwahrheit am 21.05.2013 11:56
Metronom müsste nur in jeden Zug 1 Automaten stellen, der auch wirklich funktioniert. Selbst die BSAG schafft sowas. Aber so schlau ist man in dem ...
stimmederwahrheit am 21.05.2013 11:49
das wundert nicht wirklich. Das kennt man auch vom Grand Prix Eurovision Wettbewerb: Ost Ostblock hält zusammen. Und die Bremen sind starke ...
 
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