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Borgfelder Texmacher
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Von innen schauen

20.04.20170 Kommentare
Borgfeld, Textmacher Borgfeld, Gabriele Etzrodt, Kinderbücher
Eines von Gabriele Etzrodts Fantasiegebilden ist Kalle, ein kleiner Schokoladenpudding. In einer gelben Schale mit roten Punkten soll er eigentlich einfach nur auf dem Fenstersims abkühlen. Doch schließlich winkt ein grandioses Abenteuer. (Picasa und Petra Scheller, Petra Scheller)

Borgfeld. Ein paar Sonnenstrahlen fallen auf den Schreibtisch von Gabriele Etzrodt und graben sich, ein paar Minuten später, tief in ihre Lachfältchen. Die Ökotrophologin, Berufsschullehrerin und private Kinderbuchautorin ist lange Zeit nicht zum Malen und Schreiben gekommen, erzählt sie während sie die Originalzeichnungen zu ihrem zweiten Kinderbuch auf dem Schreibtisch auslegt. Ein lustiges, sympathisches, braunes Wesen mit einem Grinsen im Gesicht fliegt darin auf einen kleinen Frosch zu, der auf einem Seerosenblatt sitzt. Darüber steht „Kalles abenteuerliche Reise“. Die Borgfelder Textmacherin Etzrodt ist über das Zeichnen und Malen zum Schreiben kommen. Nun hat sie „Blut geleckt“, wie sie sagt, und möchte ihre Kinderbücher, die sie in Eigenregie illustriert und textet, vielleicht gern veröffentlichen.

Nicht nur deswegen nimmt sie alle acht Wochen an den Treffen der Borgfelder Textmacher teil. Die zehnköpfige Gruppe findet sich – als Teil des Borgfelder Kulturforums – regelmäßig zum Austausch in privaten oder öffentlichen Räumen zusammen und ist offen für Interessierte. Ganz unterschiedliche Autorinnen und Autorin treffen sich hier. Kalligraphien, Gedichte, Reime, Prosa, Sachtexte, bereits veröffentlichte Romane, Übersetzungen und eben die Kinderbücher von Gabriele Etzrodt werden in loser Reihe dabei vorgestellt und besprochen. Auch Tipps zur professionellen Veröffentlichung werden ausgetauscht. Zwei Teilnehmer haben damit bereits Erfahrung.

Borgfeld, Textmacher Borgfeld, Gabriele Etzrodt, Kinderbücher
Die Textmacherin Gabriele Etzrodt ist über das Zeichnen und Malen zum Schreiben kommen. (Picasa und Petra Scheller, Petra Scheller)

Die Perfektionistin

Mit Mitte Fünfzig hatte Gabriele Etzrodt ihren ersten Zeichenkurs im Bremer Gerhard-Marcks-Haus belegt. „In Akt- und Portraitzeichnen. Aber ich hatte damals zu viel zu tun – die Arbeit, die Kinder. Da standen andere Dinge im Vordergrund“, erzählt die Autodidaktin und knistert ihre in Seidenpapier gewickelten Zeichnungen aus einer Kunstmappe.

Hinter ihr steht ein Kinderportrait von ihrer Schwester auf einer Staffelei. Ein verblüffendes Kunstwerk. Gabriele Etzrodt hätte es gern noch schnell versteckt. Die Abstände von Nase und Mund stimmen nicht. Das Kinn sitzt zu tief. Etzrodt hat alles noch einmal genau von der Fotovorlage abgemessen. Jetzt fängt sie noch mal von vorne an, obgleich die falschen Abstände mit bloßem Auge gar nicht zu erkennen sind. „Nein, das geht so nicht“, sagt die Zeichnerin streng zu sich selbst.

Gabriele Etzrodt ist Perfektionistin. Nur wenn sie malt und schreibt sei sie ganz bei sich, sagt sie. „Dann vergesse ich alles um mich herum.“ Die Autorin liebt es, in andere Welten einzutauchen. Auf ihren Streifzügen sind dabei bislang drei druckreife Kinderbücher entstanden. Aber so weit sei sie noch nicht, sagt die Autorin. Sie habe Angst, dass Verlage vielleicht nur ihre Texte oder nur ihre Zeichnungen annehmen würden. Ihre Arbeiten gäbe es ausschließlich als Gesamtpaket. Viel Herzblut liegt in den 30-, 32-, und 19-seitigen Kinderbüchern. „Ich liebe es, mich in Fantasiegebilden zu bewegen und nicht in der Außenwelt zu sein, die mir etwas abverlangt.“

Eines dieser Fantasiegebilde ist Kalle, ein kleiner Schokoladenpudding. In einer gelben Schale mit roten Punkten soll er eigentlich einfach nur auf dem Fenstersims abkühlen. Doch das wird unverhofft zu einem riesigen Abenteuer. Auf seiner Reise begegnet der Pudding einer gierigen Katze, einem schläfrigen Hund, einer klebrigen Schnecke, einer interessierten Amsel und einem freundlichen Frosch, der ihm heldenhaft das Leben rettet. Zu der Geschichte inspiriert wurde die Autorin von ihrer zweiten Enkeltochter Mara. „Es war ihr Wunsch, dass sie zur Einschulung ein Buch bekommt, genauso wie ihre ältere Schwester Emma vor drei Jahren. Mara konnte zur Einschulung schon lesen und so fällt der Text etwas länger aus“, sagt die Textmacherin und blättert zufrieden durch die Seiten. Ein gutes Jahr hat sie an dem Buch gearbeitet. Als Vorbereitung diente ein zweimonatiger Kursus in der Malschule der Illustratorin und Spezialistin für visuelle Didaktik, Sonia Schadwinkel. Gemeinsam mit der prämierten Karikaturistin Miriam Wurster hatte die wissenschaftliche Zeichnerin Schadwinkel einen Intensivkursus angeboten. „Sonia hat mir den Tipp gegeben, die Objekte von innen her zu betrachten. Und Miriam hat mir Mut gemacht, großzügig und frei bei meinen Zeichnungen zu sein. Nicht alles auszumalen, nicht immer am Detail zu kleben.“

Einblick ins Buch: Milch, Butter, Kekse, Waschmittel – steht auf einer kleinen Schreibtafel an einer Küchenwand. Daneben ruht Kalle auf seiner Fensterbank. Die Scheiben sind weit geöffnet. Um die Rahmen wehen Gardinen im Wind. Von Ferne neigt sich ein Baum ins Sichtfeld. Eine kleine Spinne krabbelt neben dem Puddingschälchen entlang. Gabriele Etzrodt zeichnet mit Liebe zum Detail und frischer Leichtigkeit. Ihre Texte eignen sich besonders für Leseanfänger. Inspiriert sind die Zeichnungen aus Büchern, Zeitschriften und ihrem Garten, in den sie von ihrem Schreibtisch aus blickt. „Lavendel,  Johannisbeerbusch und Schnecke sind abgezeichnet vom Original aus dem Garten. Für die Amseln habe ich mir zusätzlich noch eine Skelettskizze aus dem Netz besorgt, um von innen darauf zu schauen.“

Das kommende Treffen der Borgfelder Textmacher findet am Freitag, 9. Juni, ab 15 Uhr statt. Anmeldungen nimmt Jürgen Linke unter der Telefonnummer 0 42 1 / 27 49 41 entgegen. Der genaue Ort wird dann bekannt gegeben.


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Leserkommentare
djhg am 18.08.2017 07:27
@Werderland: Ich denke eher, dass Nouri und Baumann auch ihren Aussagen aus der letzten Saison gelernt haben und es deshalb eher intern ...
abrakadabra am 18.08.2017 07:26
Der Betrag ist ja wohl lächerlich ... Warum gibts da nicht wenigstens einen Punkt in Flensburg? Für Taxifahrer als angebliche Profis darf es auch ...