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Polizei rät dazu, immer die 110 zu wählen - Aufklärungsrate liegt bei über 40 Prozent
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Zahl der Unfallfluchten steigt

21.04.20170 Kommentare
Unfallflucht
Immer häufiger kommt es im Landkreis Osterholz zu Unfällen, von deren Unfallort ein Beteiligter flüchtet. Oft passieren diese Unfälle auf den Parkplätzen von Einkaufszentren – aus Hektik, wegen enger Parkbuchten oder auch der immer größer und unübersichtlicher werdenden Fahrzeuge. Doch knapp über 40 Prozent dieser Flüchtigen werden von der Polizei überführt. (Udo Meissner)

Ein Augenblick der Unaufmerksamkeit und schon kracht ein Auto ins andere. Ärgerlich. Allerdings noch ärgerlicher, wenn der Verursacher der Karambolage sich anschließend aus dem Staub macht und den anderen Autobesitzer auf seinem Schaden sitzen lässt. Und das ist keine Seltenheit. Im Gegenteil. „Die Zahl der Unfallfluchten nimmt im Landkreis Osteholz zu“, sagt Marcus Neumann.

„Voriges Jahr hatten wir 508 Fälle, bei denen keine Menschen verletzt wurden“, berichtet der Leiter für Einsatz- und Streifendienst beim Polizeikommissariat Osterholz. 2008 waren es noch 425 gemeldete Unfallfluchten. Nicht eingerechnet sind dabei die, bei denen jemand verletzt wurde. 38-mal kam das 2016 im Landkreis Osterholz vor. Was die Flüchtigen dazu verleitet, den Unfallort zu verlassen, darüber kann Neumann nur spekulieren. „Die Personen müssen uns gegenüber zu ihren Motiven keine Aussage machen.“ Er vermutet jedoch, dass es oft die Angst vor einer Hochstufung in der Versicherung ist. „Oder sie gucken nach, sehen nichts und glauben, es sei kein Schaden entstanden.“ Das sei aber oft ein Trugschluss. Die eigentlichen Schäden würden meist hinter der Karosserie verborgen liegen. Selbst ein vermeintlich kleiner Anstoß an der Stoßstange könnte letztlich eine Reparatur im hohen dreistelligen Bereich nach sich ziehen. Oft würde die Stoßstange nach einer Kollision in ihre alte Position zurückspringen, die Aufhängungselemente dahinter seien aber beschädigt.

Neue Parkplatzzeiten am Jute Center
Immer häufiger kommt es im Landkreis Osterholz zu Unfällen, von deren Unfallort ein Beteiligter flüchtet. Oft passieren diese Unfälle auf den Parkplätzen von Einkaufszentren - aus Hektik, wegen enger Parkbuchten oder auch der immer größer und unübersichtlicher werdenden Fahrzeuge. Doch knapp über 40 Prozent dieser Flüchtigen werden von der Polizei überführt. (Janina Rahn)

Aktion der Landesverkehrswacht

Wer nach solch einem Rempler wegfährt, macht sich strafbar. Gibt sich jemand nicht als Beteiligter eines Unfalls zu erkennen, würde ihm nach dem Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren drohen, teilt der Landkreis Osterholz mit. Eine Geldstrafe, Führerscheinentzug und Punkte in Flensburg kommen auf Unfallflüchtige ebenfalls zu. Ein Zettel mit Namen und Telefonnummer hinter dem Scheibenwischer schützt davor nicht, betont Neumann. „Wenn der geschädigte Autofahrer nicht zu seinem Fahrzeug zurückkommt, dann sollte die Polizei gerufen werden“, rät er. Die Beamten würden den Unfallhergang dokumentieren und festhalten, wie die Fahrzeuge zueinander standen. Diese Daten seien wichtig für die Versicherung. Eine Möglichkeit, aber nur die zweitbeste Wahl, sei es, als Verursacher vom Unfallort direkt zur nächsten Wache zu fahren und den Unfall selbst anzuzeigen. Dann würde jedoch die Dokumentation vor Ort durch die Polizei fehlen.

Auch was die Gründe der Flüchtigen betrifft, die an einem Unfall mit verletzten Personen beteiligt waren, kann Neumann nur spekulieren. „Die Betroffenen haben wahrscheinlich Angst vor einer Strafverfolgung oder die Person, die angefahren wurde, sagt, ihr sei nichts passiert und am Ende stellt sich dann doch das Gegenteil heraus.“ Neumann erklärt, dass bei solchen Unfällen die Beteiligten oft unter Schock stünden. Handele es sich bei der angefahrenen Person gar um ein Kind oder einen Jugendlichen, könnten diese noch weniger als Erwachsene zweifelsfrei einschätzen, ob sie wirklich unverletzt geblieben sind. Auch Schäden, die möglicherweise an Autos oder Fahrrädern entstanden sind, werden schnell unterschätzt.

Gerade bei solchen Unfällen mit möglichen Verletzten rät Neumann nachdrücklich dazu, die Polizei einzuschalten. Keiner der Beteiligten – auch nicht das Kind beziehungsweise der Radfahrer oder Fußgänger – sollte die Unfallstelle verlassen. „Sagen Sie ganz klar, dass Sie den Unfallsachverhalt klären wollen, und rufen Sie die Polizei“, sagt Neumann. „Nur so ist eine neutrale Dokumentation des Unfalls möglich; und nur so können Sie sicher gehen, dass sie nachträglich nicht mit irgendwelchen Forderungen konfrontiert werden, die vielleicht gar nicht stimmen.“

Warum die Zahl der Fluchten steige? Eine Erklärung dafür hat Marcus Neumann nicht. Allerdings sei das gesamte Verkehrsaufkommen im Landkreis und damit die Wahrscheinlichkeit, in einen Unfall verwickelt zu werden, gestiegen: „2008 waren auf 10 000 Einwohner jeweils 6536 Fahrzeuge zugelassen; heute sind es 7207 Fahrzeuge je 10 000 Einwohner.“ Und nicht nur die seien auf den Straßen im Landkreis unterwegs.

Den Unfallort einfach zu verlassen, aus welchen Gründen auch immer, sei auf jeden Fall keine gute Idee, warnt Neumann. Und erst recht keine Garantie dafür, nicht überführt zu werden. "Fast immer gibt es Zeugen, die sich an Details des Unfalls erinnern würden“, berichtet Neumann. Selbst ein Teil des Kennzeichens könne die Beamten bereits auf die richtige Spur führen. „Eventuell finden wir etwas Fremdlack oder ein Teil des beteiligten Autos“, sagt er. Diese Funde würden zur weiteren Untersuchung eingeschickt. Die Analyse könne ihnen meist den Hersteller, die Automarke und das Herstellungsjahr liefern.

Mit den Informationen würden sie die Zulassungslisten nach den Haltern durchsuchen. Ein Detail käme zum anderen. „Unsere Arbeit ist wie ein großes Puzzle“, sagt Neumann. Und eins, das die Beamten oft lösen: Von den Unfallfluchten ohne Verletzte wurden im vergangenen Jahr 40,94 Prozent geklärt. Flüchtige, die in Unfälle mit Verletzten verwickelt waren, wurden sogar zu 52,63 Prozent ausfindig gemacht. Neumann legt daher allen Unfallbeteiligten ans Herz, immer die 110 zu wählen.

Das unterstützt auch die Landesverkehrswacht Niedersachsen. Sie hat im März die Kampagne „Rummss – bleiben Sie fair, wählen Sie 110“ gestartet. Denn der Landkreis Osterholz ist keine Ausnahme. In ganz Niedersachsen steigt die Zahl der Fälle, in denen sich Menschen unerlaubt von einem Unfall entfernen. Mit Tipps und Plakaten weist die Verkehrswacht nun auf das richtige Verhalten bei Verkehrsunfällen hin. Weitere Informationen gibt es  unter www.landesverkehrswacht.de.


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Leserkommentare
djhg am 18.08.2017 07:27
@Werderland: Ich denke eher, dass Nouri und Baumann auch ihren Aussagen aus der letzten Saison gelernt haben und es deshalb eher intern ...
abrakadabra am 18.08.2017 07:26
Der Betrag ist ja wohl lächerlich ... Warum gibts da nicht wenigstens einen Punkt in Flensburg? Für Taxifahrer als angebliche Profis darf es auch ...