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Hildesheimer Generalvikar Dr. Werner Schreer profaniert die katholische Kirche St. Willehad in Aumund "Das Ende ist zugleich ein Neuanfang"

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Die katholische Kirche müsse Abschied von diesem Gotteshaus nehmen, weil sich die Zeiten geändert hätten und vieles nicht mehr so sei, wie man es sich selbst wünsche, sagte der Generalvikar zu Beginn des letzten Gottesdienstes in der gut, aber nicht ganz gefüllten Kirche. In die war der Gast aus Hildesheim zuvor unter festlicher Orgelmusik zusammen mit Pfarrer Dr. Holger Baumgard, dem Ruhestands-Geistlichen Christian Balemans, den ehemaligen Seelsorgern der einst selbstständigen Aumunder Pfarrei, Joachim Moske und Roman Blasikiewicz, Diakon Franz-Josef Gilbert sowie einer großen Messdiener-Schar eingezogen.

"Nichts war umsonst gewesen"

In seiner Predigt versuchte der Generalvikar, die Trauer und den Abschiedsschmerz der Gottesdienstgemeinde aufzufangen und ihr Mut für die Zukunft zuzusprechen. Nichts von dem, was man persönlich mit dieser Kirche verbinde oder für diese Kirche getan habe, sei umsonst gewesen, sondern habe Bestand in der von Gott verheißenen Ewigkeit. Alles, was Menschen erleben und erfahren, nähmen sie mit in diese Ewigkeit, die sich aus den Bausteinen des Lebens der Menschen gründe. Er wünsche, so der Generalvikar, das alles, was die Menschen in dieser Kirche St. Willehad erlebt hätten, nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinde, nur weil man Abschied nehmen müsse von diesem Gotteshaus.

Auch Petrus und Paulus, auf deren jährlichen Festtag die Profanierung falle, hätten in ihrem Leben vor vielen Hindernissen gestanden und seien sogar in Gefängnissen gelandet. Aber beide Apostel hätten immer wieder Zeichen Gottes gesehen, die sie aus ihrer Resignation herausgerissen hätten. So seien die Schließung der Kirche St. Willehad und der Umbruch in der katholischen Kirche bei aller Traurigkeit zugleich ein Neuanfang. Den Gläubigen wünschte Generalvikar Schreer, die richtigen Schritte in die Zukunft zu finden und ohne Ängste den Weg in die Gemeinschaft der Grohner Pfarrei Heilige Familie zu gehen.

Am Ende des Gottesdienstes sprach Pfarrer Baumgard vor dem Segen des Generalvikars in der Kirche das letzte Gebet, in dem noch einmal die persönlichen Erinnerungen der Menschen mit dem Gotteshaus aufgegriffen und die Hoffnung auf eine gute Zukunft angesprochen wurden. Sodann räumte der Seelsorger Kerzen und Altartuch ab und Generalvikar Schreer entnahm als sichtbares Zeichen der Profanierung der Kirche den Reliquienschrein. In ihm aufbewahrt sind laut lateinischer Urkunde von der Weihe der Kirche am 17. Juni 1966 Reliquien der Märtyrer Gereon (gestorben 304), Ursula (gestorben 383) sowie der heiliggesprochenen Hildesheimer Bischöfe Bernward (gestorben 1022) und Godehard (gestorben 1038). Schreer hatte der Gemeinde zuvor das am 28. März 2011 von Bischof Trelle unterzeichnete Dekret über die Profanierung der Kirche verlesen.

Die musikalische Gestaltung des Abschiedsgottesdienstes hatten der Kirchenchor "Cäcilia-Harmonie" Grohn-Aumund unter der Leitung von Andrzej Potapczuk sowie die Chorus-Band übernommen. Zum letzten Mal ließ Jens Fojuth die Orgel der Kirche erklingen, zum stillen Auszug der Gottesdienstgemeinde mit getragener und ernster Musik.

Schon Stunden vor dem Hochamt war das Gotteshaus für die Gläubigen zum persönlichen Abschied von der Kirche geöffnet. Einige hatten ihre Gedanken dazu in einem ausgelegten Votivbuch eingetragen. So konnte man unter anderem lesen: "Eine Kirche gibt man nicht einfach auf", oder "Viele Menschen sind traurig" sowie "Heute am Hochfest Peter und Paul wird St. Willehad geschlossen. Unglaublich!" Allen Gottesdienstbesuchern hat die Pfarrei Heilige Familie Grohn einen 32-seitigen Bildband mit Aufnahmen sowie einer Chronik des fast 100-jährigen Gemeindelebens in Aumund geschenkt.

St. Willehad ist die erste Kirche im katholischen Dekanat Bremen-Nord, die aufgegeben worden ist. Als nächstes stehen die Profanierungen von St. Peter und Paul in Lesum sowie Heilig Kreuz in Bockhorn an. In Bremen, dessen Innenstadtgebiet zum Bistum Osnabrück gehört, ist es die fünfte Kirchenschließung nach St. Franziskus Grolland (1994), St. Katharina-Kapelle Borgfeld (1994), St. Laurentius in der Gartenstadt Vahr (1999) und der Herz-Jesu-Kirche in der Neustadt (2009). Die Kirchen in Grolland und in der Vahr wurden abgerissen, die anderen Gotteshäuser entwidmet oder in Altenzentren integriert. Morgen, Sonnabend, folgt als sechste Profanierung die Kapelle St. Barbara, eine Außenstelle der Pfarrei St. Raphael in Arbergen. Auch dieses Gotteshaus wird abgerissen.



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admiral41 am 22.09.2014 21:04
Stimmung gegen Ausländer machen, ist bei einer Gruppe Mitmenschen normal. Es gab in Deutschland einen kleinen Östreicher mit Schnautzbart, der die ...
fred01 am 22.09.2014 20:53
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