
Bremen-Nord·Walle. Wenn Klaus Halfar malt, sitzt er normalerweise entspannt vor einer Leinwand. Er hat Dosen mit Ölfarbe neben sich stehen und einen Künstlerpinsel in der Hand. Das Bild, an dem der Nordbremer derzeit arbeitet, hat allerdings Dimensionen, durch die für ihn ganz andere Arbeitsbedingungen entstehen. 6 mal 8,50 Meter misst die Hausfassade der Begegnungsstätte Haferkamp in Walle. Um sein Motiv – fünf Jungs, die mit baumelnden Beinen auf einem Torbogen sitzen – auf die Wand bringen zu können, muss der Künstler auf einem Gerüst arbeiten, eimerweise Farbe hinaufschleppen und auch seine Pinsel sind einige Nummern größer als gewohnt.
Seit Anfang Mai arbeitet der gelernte Maler und Grafiker aus Aumund-Hammersbeck an dem Wandbild an der Frontseite der Begegnungsstätte und Wohnanlage für ältere Menschen. Für viele Anwohner im Bremer Westen bedeutet das Ergebnis seiner Arbeit ein Wiedersehen mit einem vertrauten Motiv: 1994 hatte Halfar es nämlich an selber Stelle schon einmal gemalt. Als die Hausfassade einige Jahre später energetisch saniert wurde, verschwand es hinter der Dämmung, "einfach so – ohne große Diskussion", wundert sich Halfar noch heute.
Stiftung spendiert 20000 Euro
Jetzt ermöglicht die Stiftung Wohnliche Stadt die Neuerstellung des Bildes. Mehr als 20000 Euro hat sie zur Verfügung gestellt; davon werden die Vorarbeiten, die Miete für das Gerüst, das Material und das Künstlerhonorar bezahlt. Als Vorlage für das Bild diente Halfar ein Schwarz-Weiß-Dia aus den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. "Die Jungen sitzen im Eingangsbereich ihrer Schule an der Helgolander Straße", erzählt Halfar. Die Gäste der Begegnungsstätte hatten das Bild Anfang der 90-er selbst ausgesucht, "aus drei Motiven, die ich damals zur Wahl gestellt habe", sagt der Nordbremer.
Nach dem Dia malte er zunächst ein Aquarell. "Das war schon die erste Herausforderung, denn die Farben musste ich frei erfinden." Das Bild übertrug er dann auf jeweils ein mal ein Meter große Vorlagebögen, die er an der Hauswand befestigte. Wie bei einem Schnittmuster fuhr er die Linien mit einem Kopierrädchen nach, "dadurch entstanden Perforierungen", erläutert der Maler. Durch die kleinen Löcher rieb er Grafitstaub, der die Umrisse schließlich auf der Wand markierte. "Vorher ist die Hausfassade von einem Maler weiß grundiert worden", erzählt er.
Mittlerweile ist Halfar mit seiner Arbeit schon weit vorangekommen, "es ging schneller, als ich dachte." Der untere Teil des Wandgemäldes ist fast fertig, nur im oberen Bereich muss er die Vorzeichnung noch mit farbigem Leben füllen. Etwa vier Wochen, so schätzt er, werde es noch dauern, bis das Bild komplett fertig sei. Bis dahin werde er voraussichtlich mehr als 30 Liter Farbe verarbeitet haben. Einen Vorteil hat der Künstler heute gegenüber seiner Arbeit vor 18 Jahren: "Damals musste ich mir alle Farben per Hand anrühren. Heute bekomme ich sie schon fertig gemischt."
Inzwischen bekommt er nach eigenen Angaben viel positive Resonanz von den Besuchern der Begegnungsstätte und Anwohnern aus dem Stadtteil. "Ich merke, dass das Bild den Menschen hier wirklich wichtig ist. Es ist den Leuten offenbar ans Herz gewachsen", meint er. "Die Leute freuen sich, dass sie es wiederbekommen."
In Bremen-Nord arbeitete Halfar zuletzt im Studiohaus Grambke. Dort gestaltete er unter anderem eine Mosaikpyramide mit Jugendlichen. In einer Ausstellung zeigte er dort zudem eine Auswahl seiner Ölbilder und Aquarelle zu den Themen Wasser, Blumen und Frauen.









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