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Psychiater und Lyriker Martin Bührig legt seinen neuen Gedichtband „Wiederkehr“ vor Von der Zärtlichkeit der Leere

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Martin Bührig.
Martin Bührig.

Vegesack·Schwachhausen. ... und sah ich auf die piazza, war sie leer doch zärtlich. Es sind solche Zeilen, mit denen Martin Bührig die Menschen rühren, berühren will. "Denn", sagt er, "man funktioniert einwandfrei, aber eigentümlicherweise bleibt man unzufrieden". Doch diese Erkenntnis, so man sie denn macht, lasse einen kalt. Die Folge: Die Menschen verflachen zusehends. Wie aber schaffen wir es, dem Dilemma einer notwendigen Konventionalität einerseits und der Verflachung des Lebens andererseits zu entkommen? "Wie durchbrechen wir das Eis des Tagesbewusstseins?"

In seinem neuen Gedichtband "Wiederkehr" versucht Bührig zum Beispiel mit dem Gedicht "Die Stadt", einen Ausweg aus diesem scheinbar Unauflösbaren zu beschreiben: einmal werde ich gehen/und plätze finden die uns lieben./eine scheibe ist dort die Welt/mit den sanften menschen am rand./ihr schweigen ist kein suchen mehr/in sich tragen sie den geruch der kinder/und die bitte zu bleiben.

"Das konkrete Einzelleben", sagt Bührig, "soll bestehen bleiben, sonst besteht die Gefahr, dass dem Menschen die Einzigartigkeit genommen wird." Nur gebe es da wiederum das Problem, dass viele Dinge in diesem Leben ihren Wert verlören, weil sie auf ihren bloßen Tauschwert, auf ihre Nützlichkeit reduziert würden.

Martin Bührig kommt 1952 in Bochum zur Welt, studiert Medizin und Philosophie in Siena, Florenz, Hamburg und Lübeck. Er lässt sich zum Psychiater ausbilden und ist seit 2003 leitender Arzt des Psychiatrischen Behandlungszentrums am Klinikum-Nord. Bührig ist verheiratet und hat drei Töchter. Er lebt in Schwachhausen – oder auch in Italien, denn seit mehr als 20Jahren bezieht er jährlich für mehrere Wochen sein Domizil in der Toscana. Am Beginn seines literarischen Werdeganges stehen kleine Erzählungen und Gedichte. Schon als Schüler veröffentlicht er in der lokalen Presse. Später findet er sich in der Kulturzeitschrift "Westfalenspiegel"und in der Literaturzeitschrift "Die Horen" wieder.

Bührigs Themen sind genaue Beobachtungen des Alltags, Generationenprobleme oder die Frage, wie der Einzelne in der Gesellschaft aufgehoben ist. Vorbild ist ihm dabei seit der Schulzeit her besonders Kleist, denn der sei modern, nicht einzuordnen. "Literatur muss ein Tabubruch sein, muss die Situation des modernen Menschen beschreiben, die Kluft zwischen dem, was ist und dem, wie es sein soll", sagt Bührig. Und dann sind da die italienischen Schriftsteller und Poeten auf dem Zettel – allein schon wegen der Toscana und dem Leben dort. Bührig ist mit den Menschen dort vertraut geworden – so wie die Menschen mit ihm. Leopardi ist ein Beispiel. "Vielleicht der Größte von allen", sagt er. Über Familie und deren Alltag möchte Bührig nur insoweit sprechen, als er von seinen Kindern gelernt hat und noch immer lernt: "In jedem Kind steckt genug Künstler, sodass es in meine Lyrik einfließt." Ähnlich sei es mit seinen beruflichen Erfahrungen als Psychiater, allerdings nicht programmatisch. "Keine Übernahme eins zu eins. Aber ich beobachte und es fließt ein." Wie zum Beispiel bei dem Gedicht "an die tochter": was ich dir melden kann/hier schweigt das land vor hitze/überm wunden auge/steht mit klinischem blick der mond/ein äffchen ist der arzt/sitzt schimpfend auf meiner schulter/sobald es dunkel wird.

"Das ist die Beschreibung unseres Lebens", sagt Bührig, "die Beschreibung dessen, wo man steht, die Vergänglichkeit". Oder anders ausgedrückt: Das Leben kann sein wie das staubige Hotel im Gedicht "der bär". Da sind die roten samttapeten voller Flecken./ein fernseher spieh in der küche licht/auf hundert töpfe und den koch/der nichts zu essen hatte./in diesem land gab’s nur ein Zimmer noch/roch wie ein alter brunnen ...

Der freie Fall also. Doch Bührig lässt uns nicht aufschlagen. Er fängt uns mit jener "zärtlichen Piazza" auf: denn als es dunkel wurde/stiegen die Söhne auf die Dächer, lachten über ihre väter/und die alten trugen das lachen fort.

Martin Bührig "Wiederkehr" – Gedichte. 72 Seiten, Donat Verlag Bremen, 10 Euro.



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ExMueller am 25.05.2013 19:03
Prost!!!!!!!!!!!
tommi24 am 25.05.2013 19:00
Jawoll Herr Admiral, es lebe die SPD! Für einen "Vortrag" 25.000 € und bald kommt der Weihnachtsmann...
 
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