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Landratswahl im Landkreis Verden Drei Männer, drei Meinungen

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Freidemokrat Benjamin Berg (links) und der Grüne Martin Deter (rechts) möchten den Platz im Kreishaus einnehmen, auf dem
Freidemokrat Benjamin Berg (links) und der Grüne Martin Deter (rechts) möchten den Platz im Kreishaus einnehmen, auf dem

Herr Deter, Herr Berg, warum brauchen wir einen neuen Landrat? Herr Bohlmann gilt selbst bei der CDU als so kompetent, dass sie auf einen eigenen Kandidaten verzichtet.

Deter:Da kann man durchaus anderer Meinung sein, ob der Landrat so kompetent ist. Ich würde eines anders machen: Ein Landrat muss für Menschen direkt ansprechbar sein, auch für Bürgerinitiativen.

Das hört sich so an, als wollten sie Ihr Fähnlein in den Wind hängen.

Deter:Nein, natürlich nicht. Aber ich will den Menschen zuhören. Fähnlein in den Wind hängen können sie sich auch als Unternehmer nicht leisten. Da müssen sie schon eine klare Linie vertreten. Als Verhandlungsführer bei Kostensenkungsmaßnahmen für Unternehmen müssen sie ein harter Verhandlungspartner sein. Da muss man viel miteinander sprechen und Überzeugungsarbeit leisten.

Bohlmann:Herr Deter hat eine sehr begrenzte Sichtweise, er ist ja auch nicht im Kreistag. Bisher ist mit allen Bürgerinitiativen gesprochen worden. Es gibt nur einen Konfliktfall, das ist die BI in Etelsen-Giersberg, deren Verhalten wirklich sehr fragwürdig ist. Mit der BI Sandabbau Embsen sind wir im ständigen Kontakt, ebenso mit der BI gegen einen Schweinemaststall in Beppen. Sie, Herr Deter, sollten sich mal fragen, warum die BI Beppen eine eigene Wählergemeinschaft gegründet hat und nicht zu den Grünen gegangen ist. Ich wäre vorsichtig mit der Aussage, dass Sie nun der wären, der Stimmungen wesentlich besser aufnehmen könnte. Und das Genehmigungsverfahren zur Trinkwasserförderung im Halsetal ist ein Beispiel dafür, wie transparent dieser Prozess gestaltet wird, seitdem er von der Bezirksregierung zum Landkreis gegangen ist. Wir hatten schon mehrere öffentliche Ausschusssitzungen und Hearings dazu, die entkoppelt waren vom Genehmigungsverfahren. Da waren auch Bürgerinitiativen dabei.

Berg:Ich vermisse in Sachen Aller-Weser-Klinik einen Entscheidungswillen, das hat mich zur Kandidatur motiviert. Beim höchsten politischen Amt im Landkreis geht es um die Richtung - darum zu sagen, wofür ich stehe.

Und wofür stehen Sie?

Berg: Für den Mittelstand und die Selbstständigen. Wir müssen uns um die kümmern, die morgens aufstehen, um das Geld zu verdienen.

Was qualifiziert Sie für die Aufgabe als Landrat?

Berg:Bei meiner Arbeit vertrauen mir Familien täglich ihre Finanzen an. Ich kann auf Menschen zugehen, kann Lösungswege aus Sicht der Betroffenen aufzeigen, habe große Kompetenz in Kommunikation. Verwaltung ist für den Menschen da und nicht umgekehrt. Da muss man schauen, wie man ein Problem lösen kann, das an einen herangetragen wird.

Sie sind, wie Herr Deter, nicht Mitglied des Kreistags und kennen die Abläufe nicht.

Berg:Ich bin Kreisgeschäftsführer der FDP und arbeite eng mit der Kreistagsfraktion zusammen. Ich bin im Kreisvorstand, wo auch Kreisthemen besprochen werden. Journalisten sind auch nicht im Kreistag und kennen sich mit Kreisthemen aus.

Deter:Was mich für die Aufgabe qualifiziert: Ich habe fast 30 Jahre Berufserfahrung in der Begleitung mittelständischer und kleiner Unternehmen. Dort bin ich zunächst in kaufmännisch leitender Position tätig gewesen und habe mich 1998 selbstständig gemacht. Wenn ich nicht teamorientiert Mitarbeiter führen und auf Kundenwünsche eingehen könnte, wäre ich heute nicht so erfolgreich. Diese teamorientierte Arbeit würde ich als Landrat fortsetzen. das gilt für die Mitarbeiterführung und im Umgang mit Kunden, also den Menschen im Landkreis. Die muss ich mitnehmen.

Bohlmann:Wollen Sie damit sagen, dass es in der Kreisverwaltung einen nicht teamorientierten Führungsstil gibt?

Deter:Nein, das habe ich nicht gesagt, das kann ich nicht beurteilen.

Laut Landrat wird 2020 im Kreis Verden so viel Strom aus regenerativen Quellen erzeugt, dass damit fast 60 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden können. Was wollen Sie tun, damit wir möglichst schnell bei 100 Prozent sind?

Deter:Ich möchte das, was wir im Verdener Stadtrat schon beschlossen haben, auf den Landkreis ausweiten. Wir müssen die drei öffentlichen Energieversorungsunternehmen an einen Tisch bringen. Die Stadtwerke Verden und Achim und das E-Werk Ottersberg müssen ein gemeinsames Konzept für die eigene Energieerzeugung erarbeiten. Wir müssen in Zukunft stärker dezentral Energie erzeugen, was in Norddeutschland hauptsächlich auf der Windenergie fußen wird. Wir werden vorhandene Anlagen durch stärkere und höhere Aggregate ersetzen müssen. Und wir müssen zusätzliche, neue Vorranggebiete für Windräder ausweisen.

Wo?

Deter:Wir haben im Moment Standortdiskussionen beispielsweise in Holtum-Geest, und wir haben andere Flächen, über die wir diskutieren müssen.

Und wo sind die?

Deter:Kann ich nicht konkret sagen. Wir müssen ja auch mit Investoren zusammenarbeiten und klären, wo es Sinn macht. Solange wir Strom nicht endlos speichern können, brauchen wir als Brückentechnologie dezentrale Mini-Blockheizkraftwerke. Sie stellen ein Potenzial dar, das Großkraftwerke locker ersetzen kann, wenn man sie über den Landkreis verteilt und über eine gemeinsame Leitstelle steuert.

Wie kommt der Landkreis ins Spiel?

Deter:Er kann dafür sorgen, dass die Stadtwerke gemeinsam diese Leitstelle für ein sogenanntes virtuelles Kraftwerk aufbauen und die einzelnen Anlagen vernetzen. Das ist möglich, das haben wir uns in Unna angeguckt. Wenn Versorgungslücken drohen, können die dezentralen Mini-Kraftwerke innerhalb von Minuten hochgefahren werden. Wenn die Stadt Verden das alleine versuchen würde, wären wir zum Scheitern verurteilt. Wir haben zu wenig Flächen für Windanlagen und nicht genug Möglichkeiten, was die Blockheizkraftwerke angeht. Wir brauchen den gesamten Landkreis.

Berg:Hier sieht man die Unterschiede zwischen uns Kandidaten. Muss ich Strom nicht dort produzieren, wo es am billigsten ist? Also an der Nordseeküste oder offshore? Oder muss ich Flächen bei uns verbrauchen? Bei der Energiediskussion geht es merkwürdigerweise nie darum, wer das bezahlen soll. Die Stadtwerke sollten mit Strom handeln und versuchen, den Bürgern günstig Energie anzubieten. Die Energieversorgung ist die soziale Frage der nächsten Jahre. Viele Familien machen sich Sorgen, ob sie sich die Energie in Zukunft noch leisten können. Man kann den Leuten auch keine 200 Meter hohen Windkraftanlagen vor die Tür bauen, auch solche Sorgen muss man ernst nehmen. Hinzu kommt, dass Windkraftflächen wegen der großen Fundamente nicht mehr landwirtschaftlich zu nutzen sind. Durch Fehlanreize gibt es schon jetzt zu viele Biogasanlagen, was zu großen Maisflächen führt. Ich glaube nicht, dass im Landkreis Verden so viel erneuerbare Energie erzeugt werden kann, dass es für eine 100-prozentige Versorgung reicht.

Deter:Wir werden Konflikte bekommen bei der Aufstellung neuer Windkraftanlagen. Da will ich gar nichts schönreden.

Wie werden Sie dann mit den Bürgerinitiativen umgehen?

Deter:Die muss man Ernst nehmen. Aber ich muss ja nicht mit jeder Bürgerinitiative einer Meinung sein. Und wenn ich das Allgemeinwohl, also die Energieversorgung, vor Einzelinteressen stellen muss, dann werde ich das konsequent vertreten. Energie wollen wir alle haben, also müssen wir auch irgendwas tun, um sie zu erzeugen. Ich möchte sie so erzeugen, dass wir auch in der übernächsten Generation auf diesem Planeten noch leben können. Das Szenario, das Herr Berg hier aufbaut, ist ziemlich bizarr. Sogar die Bundesregierung sagt, dass der Strompreis nur um ein oder zwei Cent steigen wird, wenn wir auf Ökostrom umstellen. Das wäre keine Katastrophe.

Bohlmann:Es geht nicht nur um die Energieerzeugung, sondern vor allem um die Steigerung der Energieeffizienz. Da haben wir mit unserer Kreisbaugesellschaft schon viel getan. Hier gibt es noch große Potenziale, die wir bis 2020 ausschöpfen wollen, indem auch der Energieverbrauch der Privathaushalte an die jeweilige Energieerzeugung angepasst wird. Die Informationstechnologie birgt da große Potenziale. Gefriertruhen kann man zum Beispiel nachts herunterkühlen, wenn Strom im Überfluss vorhanden ist. Zur Frage, ob wir ein zentrales Steuerungsgremium für die Energie brauchen: Der Kreistag hat bereits einen Arbeitskreis beschlossen, der sich mit der energiepolitischen Strategie des Landkreises auseinandersetzen wird. Die drei kommunalen Energieunternehmen sind dabei. Wir haben mit der Zusammenarbeit gute Erfahrungen gemacht, und zwar beim Thema Breitbandverkabelung. Das ist alles nicht neu. Was hier durcheinandergerät, ist die Frage nach dem Beitrag der Stadtwerke zur Energieerzeugung. Sie sind nicht die entscheidenden Investoren bei der Windenergie, hier ist privates Kapital gefragt. Beim Strom sind wir dank der Windkraft jetzt bei einem Anteil an Erneuerbaren von 31, 32 Prozent. Wenn die drei neuen Wind-Vorranggebiete in Hohenaverbergen, Langwedel-Giersberg und Bollen 2013 realisiert sind, wird der regenerative Anteil im Kreis Verden auf 37 Prozent steigen. Bis 2020 können wir mit unseren insgesamt zehn Vorrangstandorten 55 Prozent erreichen, wenn alte Anlagen durch stärkere ersetzt werden. Der Gesetzgeber sieht diese Marke bis 2030 vor, wir werden dieses Ziel wesentlich früher erreichen.

Deter:Wir müssen schneller sein, und wir können schneller sein.

Bohlmann:Wir wollen, dass nicht noch mehr Flächen in Anspruch genommen werden, auch um die Akzeptanz durch die Bevölkerung nicht zu verlieren. Was das Speicherproblem angeht: Hier liegt das Potenzial im Netzwerkmanagement. Ich brauche eine Kombination von steuerbarer Energieerzeugung wie Biogas und Wasserkraft, um nachjustieren zu können, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Dazu brauche ich große Netze, mit denen ich eine Auslastungssteuerung hinbekomme.

Berg:Ich sage nur: Vorsicht vor kalter Enteignung. Man muss aufpassen, dass die privaten Haushalte nicht überfordert werden, wenn es heißt, ihr müsst jetzt sanieren und auf den neuesten Stand der Technik umrüsten. Ich darf das nicht von Leuten erwarten, die das finanziell nicht leisten können. Im schlimmsten Fall wären sie gezwungen, sich von ihrem Grundbesitz zu trennen, wenn dieser nicht umrüstbar ist, weil die Anforderungen zu hoch sind.

Deter:Von kalter Enteignung habe ich nichts gesagt. Ihre Drohkulisse existiert nicht.

Bohlmann:Was Herr Berg sagt, ist nicht stichhaltig. Atomenergie und eine Energieversorgung, die auf Großkraftwerke aufbaut, ist viel teurer als erneuerbare Energien - wenn wir alle gesellschaftlichen Kosten und die öffentlichen Subventionen mitrechnen. Die Umstellung auf erneuerbare Energien ist keine Frage, die am Preis scheitern wird.



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Leserkommentare
admiral41 am 19.05.2013 16:58
Diese Meldungen über Wohnungsnot in den Städten kommt in regelmäßigen Abständen. So verkündete mal der Wohnungsbauminister der Regierung Kohl, dass ...
querdenkerschraegschreiber am 19.05.2013 15:21
Danke für die Information. Allerdings gibt es weder eine "Anschlußstelle Farge" (die gabs früher mal, als die Verlängerung als B 74 nach Farge noch ...
 
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