Bei ähnlichen Einsätzen können es aber auch 100 Helfer oder mehr sein. An der Rettung des Mannes hatte aber auch ein Dauercamper großen Anteil. Er hatte den Mann in der Weser treibend entdeckt und einen qualifizierten Notruf abgesetzt.
Ein gekentertes Sportboot auf dem alten Arm der Weser oder ein Auto, das durch das Geländer der Nordbrücke kracht und in der Aller landet – mehrmals im Jahr gehen bei der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle im Verdener Kreishaus Notrufe ein, wenn Menschen auf, in oder am Wasser dringend Hilfe benötigen. In solchen Fällen alarmiert der Disponent eine ganze Armada an Rettungskräften.
Gestern Vormittag war es wieder einmal soweit: Ein Camper aus Horstedt – die kleine Ortschaft liegt gegenüber von Achim-Bierden an der Weser – meldete eine hilflos im Wasser treibende Person. "Jeder Einsatz wird nach einer zuvor festgelegten Alarm- und Ausrückordnung abgearbeitet. Dabei rückt auf jeden Fall die Ortsfeuerwehr aus, die dem Geschehen am nächsten ist, und das war diesmal Bierden", sagte Kreisbrandmeister Hans Hermann Fehling. Unterstützt wurden die Bierdener durch die Ortsfeuerwehr Achim. Diese brachte ihr Boot per Anhänger zur Anlegestelle bei Bollen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass die hilflose Person in diese Richtung trieb.
Ein weiteres Boot ist bei der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Verden abgestellt. Sind die Mitarbeiter nicht im Dienst, besetzen Verdener Feuerwehrleute die Fahrzeuge. Außerdem waren Taucher der DLRG-Wasserrettung aus Ottersberg auf der Anfahrt, ebenfalls mit einem Boot im Schlepptau.
Die Polizei rückte mit mehreren Fahrzeugen zum Corporalsdeich aus – nicht zu vergessen Notarzt und Rettungswagen. Ein 25-jähriger Rettungssanitäter barg den Ertrinkenden etwa zehn Minuten nach der Alarmierung aus der Weser. Der junge Mann war in Boxershorts ins Wasser gesprungen. Weit schwimmen musste er nicht, denn das Opfer trieb nur einige wenige Meter vom Ufer entfernt. Feuerwehrleute und Polizisten trugen den Verunglückten die Böschung hinauf und brachten ihn in den Rettungswagen.
Bei einem Check stellte der Notarzt keine gravierenden Folgen für den Mann fest. Nach einer kurzen Behandlung konnte er nach Hause gebracht werden. Zu den Umständen, die zu dem Umglück geführt hatten, wollte sich die Polizei gestern nur kurz äußern: Der Mann sei beim Spazierengehen ausgerutscht, hieß es vonseiten der Beamten.
60 ehrenamtliche Feuerwehrleute seien gestern im Einsatz gewesen, berichtete Hans Hermann Fehling. Dieses Aufgebot ist im Vergleich zu anderen Einsätzen auf der Weser noch vergleichsweise klein. Oft rücken bis zu 100 größtenteils Ehrenamtliche aus. Nicht bei jedem Einsatz sind tatsächlich Menschenleben in Gefahr. Oft kommt es zu Fehlalarmen, weil beispielsweise ein herrenloses Boot auf dem Fluss treibt, so geschehen im September vergangenen Jahres bei Baden. Mit zwei Hubschraubern wurde damals aus der Luft nach Menschen in Not gesucht. Später stellte sich heraus, dass das Kanu vom Grundstück eines Wochenendhauses gestohlen worden war. Die Umstände, wie das Boot ins Wasser kam, werden wohl nie aufgeklärt werden. "Auch wenn nur ein Paddel am Ufer liegt: Es hilft nichts – wir müssen ausrücken und uns vergewissern", erklärt der Kreisbrandmeister. Ähnlich spektakulär sah für Außenstehende Anfang Mai ein Segelunfall unweit der Ueser Brücke aus. Ein Boot kenterte, zwei Jugendliche gingen dabei über Bord. Der Betreuer konnte das kleine Segelboot wieder aufrichten und an Land schleppen. Die Jugendlichen kamen mit einem Schrecken davon. Doch da bereits ein Notruf abgesetzt worden war, rückten zahlreiche Feuerwehrleute und auch ein Hubschrauber an.
Bei im Wasser treibenden Personen oder Booten haben die Helfer oft große Probleme, die Einsatzstelle zu lokalisieren. Anders im Fall gestern: "Der Camper aus Horstedt hat uns genau informiert, wo der Mann ist. Das hat er sehr gut gemacht", lobte Fehling. Er rät den Anrufern bei Notfällen dazu, den Ort des Geschehens möglichst genau zu benennen: "Beispielsweise gegenüber vom Hotel."
"Technische Hilfeleistungen gehören für die Feuerwehrleute zum Alltagsgeschäft. Bei solchen Speziallagen wie bei Einsätzen auf dem Wasser ist mehr Geschick erforderlich", erläutert der 53-Jährige. Deshalb üben die Einsatzkräfte regelmäßig den Ernstfall.









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