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Im Landkreis Verden geht es den Waldameisen gut / Nach dem Paarungsflug werden die Flügel abgestreift Pingelige Baumeister

Ameisenbeauftragter Reinhard Pointmayer hat keine Angst vor kleinen Tieren.
Ameisenbeauftragter Reinhard Pointmayer hat keine Angst vor kleinen Tieren.

VON MAREN BRANDSTÄTTER

Verden. Sie sind die Pioniere des Artenschutzes: Hügel bauende Waldameisen. "Als erste Tierart überhaupt sind sie bereits im 18. Jahrhundert unter Schutz gestellt worden", weiß Reinhard Pointmayer, Ameisenbeauftragter des Landkreises Verden. Bedroht wird der Bestand der quirligen Insekten vor allem durch Baumaßnahmen, Insektizideinsatz, Staubkalkung und mutwillige Zerstörung der Nester.

Ameisen greifen nur  an, wenn sie sich bedroht fühlen. Vögel wissen ihr Gift zu schätzen: Es tötet die Parasiten in ihre
Ameisen greifen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen. Vögel wissen ihr Gift zu schätzen: Es tötet die Parasiten in ihrem Gefieder.

Den Ameisen im Landkreis Verden geht es zurzeit gut, die Population ist seit etwa zehn Jahren stabil. Für Revierförster Andreas Junge Grund zur Freude: "Je mehr Waldameisen wir haben, desto besser." Dass er sich mit diesem Wunsch bei Gartenfreunden nicht immer beliebt macht, nimmt Junge in Kauf. "Waldameisen halten Forstschädlinge in Schach", erklärt er. Andererseits achteten sie aber auch pingelig darauf, dass immer genügend Blattläuse in ihrer Nähe gedeihen, deren süße Exkremente eine Delikatesse für die Waldameisen seien.

Pingelig sind die Tiere auch beim Bau ihrer Nester. Die Kerntemperatur eines Ameisenhügels liegt bei 30 Grad, erzählt Experte Reinhard Pointmayer. Damit es drinnen nicht zu modern beginnt, müsse gut gelüftet werden. Scheint die Sonne, buddeln die Insekten große Löcher für die Frischluftzufuhr, "bei Regen werden die ruck-zuck wieder zugemacht". Das Wasser stelle für das sorgsam konstruierte Nest der Ameisen keine Gefahr dar, "nass werden nur die äußeren drei Zentimeter". Weiter drinnen greife das ausgeklügelte Abfluss-System: "Die kleinen Hölzchen sind so angeordnet, dass der Regen nach unten abfließt".

Am stärksten vertreten im Landkreis Verden sind nach Einschätzung des Experten die kleine und die große rote Waldameise sowie die Hügel bauende Wiesenameise. Im Namen fast identisch, unterscheiden sich die beiden roten Waldameisen erheblich in ihrem sozialen Gefüge. So sei die große eher ungesellig und akzeptiere keine Artgenossen in unmittelbarer Nachbarschaft, weiß Pointmayer. "100 Meter Abstand zum nächsten Hügel sind das Minimum. Bei den kleinen roten findet man nicht selten Kolonien, die an die 40 Hügel zählen können." Außerdem gebe es im Staat der großen roten Waldameisen nur ein königliches Oberhaupt, während im Nest der kleinen Art mehrere Königinnen zu Hause sind.

In ihrer Fortpflanzung unterscheiden sich die verschiedenen Ameisenarten hingegen nicht voneinander. Königinnen und Männchen sind mit Flügeln ausgestattet und starten, wenn die Zeit zum Paarungsflug gekommen ist, erklärt Pointmayer. Die befruchteten Königinnen gründen neue Staaten oder besetzen vorhandene, ihre Flügel streifen sie nach der Paarung einfach ab.

Während sie die Bäume schädlingsfrei halten, dienen die Waldameisen selbst – insbesondere ihre Brutkammern – wiederum anderen Waldbewohnern als Nahrung. "Besonders Dachse und Wildschweine gehen gerne an die Larven", weiß Revierförster Andreas Junge. Nicht kulinarisch, sondern in Sachen Körperpflege machen sich Krähen und Stare die kleinen Insekten gern zu Nutze, indem sie mit ausgebreiteten Flügeln auf deren Behausung herumtanzen. "So bringen sie Unruhe in den Staat, und die Ameisen spritzen ihr Gift zur Verteidigung ab", erläutert Reinhard Pointmayer das skurrile Szenario. Diese Giftdusche bedeute das Aus für jene Parasiten, die es sich gerne im Gefieder der Vögel gemütlich machten.

Die toxischen Absonderungen der Insekten seien zugleich der Hauptgrund für besorgte Anrufe von Hausbesitzern, die sich von Pointmayer Rat erhoffen, wenn sie ein Ameisennest auf ihrem Grundstück entdecken. Auch vor Bissen und Kniffen sei ihnen bange. "All das können Ameisen tatsächlich", bestätigt der Experte. "Aber all das tun sie nur, wenn sie sich akut bedroht fühlen."

Wer ein Waldameisennest auf seinem Grundstück als störend empfindet, darf auf keinen Fall zu Mitteln der Selbstjustiz greifen, betont Antje Mahnke-Ritoff von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Verden. "Jeder Eingriff in die Neststruktur der Hügel bauenden Ameisen ist verboten", erklärt sie mit Nachdruck. Vergrämung oder gar Umsetzung sei Experten vorbehalten und bedürfe in jedem Fall einer Ausnahmegenehmigung.

Zu einem Zusammentreffen von Mensch und Waldameise im Haus komme es in der Regel selten, erklärt Pointmayer. Gelegentlich erhalte er Anrufe besorgter Bürger, die vereinzelte Exemplare in ihrem Wohnbereich ausgemacht haben. In solchen Fällen rate er: Abwarten. Die Waldameisen "verirrten" sich mitunter in der angebotsarmen Zeit in Haushalte, um sich nach Nahrung umzusehen. Das Problem regle sich jedoch nach kurzer Zeit von selbst, "sobald die Natur aufwacht".

Pingelige Baumeister

Im Landkreis Verden geht es den Waldameisen gut / Nach dem Paarungsflug werden die Flügel abgestreift

Zitat:

"Ameisen sind als erste

Tierart überhaupt unter

Schutz gestellt worden."

Reinhard Pointmayer, Ameisenexperte



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ChristianBremen am 20.04.2014 20:35
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Netzorath am 20.04.2014 20:23
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