
Über den Funk wurde lange debattiert, eigentlich sollte er schon zur Fußball-WM 2006 in Deutschland in Betrieb sein, doch immer wieder verzögerte sich die Einführung. Bei der Weyher Polizei ist man deshalb erleichtert, dass es nun endlich losgeht. "Immerhin sind wir noch vor der Feuerwehr dran", sagt Einsatz- und Streifendienstleiter Johann-Dieter Oldenburg. Die muss sich nämlich vorerst noch gedulden. Wenn der Testlauf erfolgreich ist, werden künftig Polizei und Feuerwehr noch enger zusammenarbeiten können. "Das läuft ja jetzt schon sehr gut, aber die Kommunikation wird durch den Digitalfunk noch mal verbessert", ist sich Oldenburg sicher.
Kürzlich hat auch die Weyher Polizei was aufs Dach bekommen - nämlich eine rund fünf Meter hohe Antenne. Sie soll helfen, den Digitalfunk in Stuhr und Weyhe flächendeckend empfangen zu können. "Es gibt in Leeste auch noch eine weitere Antenne, aber da verraten wir lieber nicht, wo die steht", sagt Oldenburg. Man wolle Randalierer nicht auf dumme Ideen bringen. "Sie sieht aber wie eine normale Handy-Antenne aus", erklärt der Erste Polizeihauptkommissar.
Die Erfahrungen seien bisher durchweg positiv: "Der Empfang ist klasse", betont Oldenburg. "Wir sollen weitermelden, wenn wir in Außenbereichen Probleme bekommen." Wackelkandidaten waren Jeebel, Varrel und Groß Mackenstedt. "Aber große Schwierigkeiten hatten wir selbst da nicht", erzählt Oldenburg. "Es sind wohl genügend Antennen aufgestellt." Von Vorteil sei die Nähe zu Bremen, Delmenhorst und Syke. "Außerdem haben wir hier Flachland und die Bebauung ist auch nicht so dicht", erklärt Oldenburg. Das wirke sich positiv auf den Empfang aus.
Abhörsicherheit verbessert
Eine weitere Befürchtung konnte im Probebetrieb bereits widerlegt werden. "Wir dachten, dass durch den Digitalfunk die Personen nicht mehr so gut identifiziert werden könnten", erzählt Oldenburg. "Das ist aber nicht so." Der Digitalfunk filtere vielmehr Nebengeräusche wie den Verkehr heraus. Die neuen Funkgeräte können zudem wie Handys eingesetzt werden. "Man muss nicht mehr alle anfunken, man kann ganz gezielt jemanden kontaktieren", erklärt der Einsatz- und Streifendienstleiter. "Bislang hören alle alles mit, und das muss nicht sein." Apropos: Auch die Abhörsicherheit soll deutlich höher sein als bislang. "Das illegale Abhören ist fast unmöglich", glaubt Oldenburg. "Außer vielleicht von absoluten Spezialisten, die das System hacken."
Am Einsatzort sollen künftig alle anwesenden Kräfte von Polizei und Feuerwehr eine Funkgruppe bilden können. "Das geht ganz schnell", ist sich Oldenburg sicher. "Wir sind gut geschult worden. Das dauert höchstens eine Minute." Die kleinen Handfunkgeräte, die aussehen wie "antike" Handys, können aber auch so genutzt werden, dass sich ein Weyher Polizist mit einem Kollegen in München kurzschließt. "In der Praxis kommt das selten vor, aber es ist möglich", erklärt Oldenburg.
Hängepartie dauert an
Glückliche Polizisten, lange Gesichter bei der Feuerwehr? "Neidisch sind wir nicht", betont Kreisfeuersprecher Matthias Thom zwar. "Wir werden von den Erfahrungen der Polizei profitieren können." Aber die Ungeduld nehme langsam zu, verrät Thom. "Wir brennen darauf, loslegen zu können." Die Kommunen seien dabei, die Funkgeräte zu beschaffen, zudem laufe bereits die Ausbildung der Feuerwehrleute in der FTZ Barrien. Am Ende sollen alle 5500 Feuerwehrleute im Landkreis den Digitalfunk beherrschen.
Doch woran hapert es? Laut Thom liegt es an der Landesregierung, dass die Feuerwehr vorerst noch im analogen Zeitalter verharren muss. "Wir benötigen Karten, damit wir ins Netz kommen. Aber man kann sich nicht auf die neuen Funkrufnamen einigen." Dies bestätigt Klaus Speckmann, Fachdienstleiter Sicherheit und Ordnung beim Landkreis. "Das Land prüft, ob die sogenannten Operativ-taktischen Adressen geändert werden sollen. Das Ergebnis ist derzeit noch offen." Zwar könne der Probebetrieb auch mit den alten Adressen starten. Allerdings müssten dann gegebenenfalls wenige Monate später mühsam alle Adressen wieder geändert werden.
"Das wollen wir natürlich nicht", sagt Feuerwehrsprecher Matthias Thom. Grundsätzlich sei man von der Technik des Digitalfunks begeistert. Die Hängepartie erinnere ihn zurzeit jedoch an die Baubranche: "Wir haben ein fertiges Haus, aber der passende Schlüssel fehlt."








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