
In den Brinkumer Ortskern soll endlich wieder mehr Leben einkehren, darin sind sich wohl alle Beteiligten einig. Viele Ideen wurden in der vergangenen Woche bereits bei einer Bürgerwerkstatt der Gemeinde im Rathaus gesammelt, bei einer Akteurswerkstatt am kommenden Freitag mit Vertretern von Wirtschaftsverbänden, Vereinen, Initiativen und Institutionen sollen weitere folgen. Dabei werden sicherlich, wie in der vergangenen Woche, wieder viele Ideen dabei sein, die so oder so ähnlich schon oft formuliert worden sind. Denn die Diskussion um den Brinkumer Ortskern hat längst einige Jahre auf dem Buckel. Dennoch sehen viele Beteiligte jetzt gute Chancen, dass in absehbarer Zeit den Ideen auch Taten folgen.
"Viele flotte Ideen für schlaffe City" titelte die REGIONALE RUNDSCHAU am 11. März 2002. Gesammelt wurden die Ideen beim Zukunftsforum Brinkum, zu dem die Gemeinde und die Brinkumer Interessengemeinschaft eingeladen hatten. Rückbau des ZOB, dafür die Einrichtung einer Ladenzeile, vielleicht sogar eines Atriums, gehörten zu den Ideen der beteiligten Eigentümer, Einzelhändler und Dienstleister. Im April 2002 förderte eine Unterschriftenaktion der Bürgerinitiative "Ein Herz für Brinkum" auch zutage, was sich die Bürger – immerhin fast 2600 hatten sich beteiligt – für den Ortskern wünschen. Ein Supermarkt führte die Liste an, gefolgt von einheitlichen Öffnungszeiten der Geschäfte, mehr Parkmöglichkeiten, mehr kleinere Geschäfte und Gastronomie sowie einer Umgestaltung des ZOB. Also alles Ideen, die so oder so ähnlich auch heute noch zu hören sind.
"Mit den Hufen gescharrt"
Sind die Ideen damals einfach im Sande verlaufen? "Jein", sagt Rudi Bouillon von der Initiative Brinkum in Fahrt. Die Initiative sei damals quasi aus dem Zukunftsforum entstanden. Zuerst hätten sich Arbeitsgruppen entwickelt und daraus auch Veranstaltungen wie das bis heute erfolgreiche Brinkumer Eislaufvergnügen. Auch in Sachen Ortskerngestaltung hätte man "mit den Hufen gescharrt". Das Problem sei aber gewesen, dass die Flächen und Gebäude im Ortskern viele unterschiedliche Besitzer hatten. "Da waren die Befindlichkeiten der Menschen mit Privatbesitz", sagt Bouillon, der dafür Verständnis hat, aber gleichzeitig mit seinen Mitstreitern vor dem Problem stand: "Wir konnten nicht planen." Das sei jetzt anders, da die Gemeinde viele der Grundstücke rund um den ZOB in den vergangenen Jahren aufgekauft hat. "Dadurch gibt es jetzt für die Gemeinde aber auch einen mittelbaren Zwang, etwas mit diesen Grundstücken zu machen", so Bouillon weiter. Alle beteiligten Gruppen seien "guter Dinge", dass es jetzt auch tatsächlich etwas wird mit der Wiederbelebung des Ortskerns.
Als entscheidenden "Erfolgsfaktor" bezeichnet auch Bürgermeister Niels Thomsen die Tatsache, dass sich jetzt einige zentrale Grundstücke in Gemeindebesitz befinden. Die Aussage seines Amtsvorgängers Cord Bockhop im Oktober 2011, dass die Neugestaltung des Ortskerns bis zur nächsten Kommunalwahl inklusive Bauzeit bereits abgeschlossen ist, hält Thomsen nach wie vor für realistisch. Das wäre also bis 2016? "Ja", bestätigt er.
Thomsens Einschätzung teilt Rudi Bouillon. Wolfgang Arlt, ebenfalls aktiv bei Brinkum in Fahrt und dort in der Gruppe Zentrumsgestaltung, sieht fünf bis zehn Jahre als realistisch an. "Ich bin der Meinung, dass sich etwas bewegen wird", gibt aber auch er sich optimistisch und lobt ebenfalls die Grundstückskäufe der Gemeinde. "Das war goldrichtig", sagt er. Die Ankäufe seien die gravierende Voraussetzung gewesen, dass etwas passieren kann. Damit seien die Weichen gestellt worden. Jetzt sei aber die "Kardinalfrage", jemanden zu finden, "der das in die Tat umsetzt". Arlt hält es für den realistischen Weg, dafür nach Investoren Ausschau zu halten.
Grundsätzlich plädiert er dafür, das Projekt "behutsam anzugehen". "Zeit braucht so etwas allemal. Man kann nicht alles auf einmal aus dem Boden stampfen", sagt Arlt und erinnert an das Briseck-Wohngebiet als ähnlich großes Projekt, das auch über viele Jahre lief.
Einen ausführlichen Bericht über die Ergebnisse der Akteurswerkstatt lesen Sie in unserer Ausgabe am Montag, 18. Juni.








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