
Achim. Janine Kück wollte nach dem Abitur erst einmal etwas von der Welt sehen, Erfahrungen sammlen, andere Kulturkreise kennenlernen – und danach gestärkt in Deutschland durchstarten. Den Traum, ins Ausland zu gehen, hatte sie schon vor dem erfolgreichen Abitur, aber ein Auslandsjahr während der Schulzeit sei kompliziert und bringe manchmal die Planung des Schulabschlusses durcheinander. Die Reise nach dem Abschluss führte sie ans andere Ende der Welt: nach Neuseeland. Dort arbeitete die Uphusenerin ein Jahr lang als Au-pair bei einer neuseeländischen Familie. "Das erste Treffen ist sehr wichtig, und natürlich ist die Spannung riesig, zu erfahren, mit welchen Menschen man ein ganzes Jahr zusammen wohnen wird." Die Gastfamilie lebt in der Region um Auckland, eine der großen Metropolen der Nordinsel.
Janine hatte Glück: Sie kam in eine wohlhabende Familie mit drei kleinen Töchtern, deren ganztägige Betreuung zu ihren Hauptaufgaben gehörte. Weiterhin managte die 20-Jährige den Haushalt, kochte für die gesamte Familie und versorgte die Haustiere. "Die Arbeit mit den Kindern war absolut klasse. Auch wenn man mit einer dreiköpfigen Mädchenband schon mal ins Schwitzen kommen kann", gibt die Heimkehrerin zu. Aber es sei auch durchaus möglich, dass Au-pairs Pech bei der Vergabe der Familien haben. Dann komme es zum sogenannten "Rematch" – den Betroffenen wird eine neue, besser passende Familie gesucht.
Wichtig sei vor allem die Auswahl der Organisation, die alle Formalia erledigt, die Vorbereitung für den Auslandsaufenthalt unternimmt sowie vor Ort als Ansprechpartner fungiert. "Wir waren mehr als 30 Au-pairs, die im Flieger nach Neuseeland saßen. Dort angekommen, gab es umfangreiche Kurse zum Land selbst, zum Linksverkehr sowie einen Erste-Hilfe-Kursus für Kleinkinder – das hat einem Sicherheit gegeben."
Mit dem Linksverkehr sei es so eine Sache: Die Eingewöhnungsphase sei äußerst nervenaufreibend, und die eine oder andere heikle Situation ließe sich nicht vermeiden. Als Janine Kück vor gut einem Monat zurück nach Deutschland kam, galt es, sich erneut umzugewöhnen: Rechtsverkehr. "Ja, man glaubt gar nicht, wie irritierend so etwas sein kann."
Neuseeland selbst sei ein wunderbares Land, schwärmt die 20-Jährige, Flora und Fauna einfach atemberaubend. Während ihres vierwöchigen Urlaubs reiste sie von der Nordinsel aus quer durch das weitläufige Land mit seinen mystisch wirkenden Bergen und großen Tälern bis zur Südinsel. Auffällig sei der omnipräsente Nationalvogel, der Kiwi, der auch den Neuseeländern ihren Spitznamen gibt.
Des Weiteren seien die Strukturen für Au-pairs und sogenannte Backpacker – Reisende, die mit ihrem Rucksack durch das Land ziehen und Gelegenheitsjobs wahrnehmen – optimal etabliert. "Wenn du sagst, du bist Au-pair oder gerade angekommen, wissen die Einheimischen sofort, wie sie dir weiterhelfen können und welcher Bus der richtige ist." Allerdings sei auch die Vorarbeit einer erfahrenen Organisation wichtig.
"Für mein Englisch war das Auslandsjahr auch unglaublich wichtig. Ich meine, dass ich mich massiv verbessert habe. Zu Beginn fiel es mir doch etwas schwer, mit den Muttersprachlern mitzuhalten, aber am Ende war es dann einfach eine Selbstverständlichkeit. Jetzt muss ich mir nur noch den Kiwi-Akzent abgewöhnen", erzählt Janine Kück.
Und was ist mit Heimweh? Wie kommt man klar, wenn Familie und Freunde am anderen Ende der Welt warten? "Ich hatte kein wirkliches Heimweh, das Jahr ging schnell vorbei, und dank Internet und Telefon ist das alles gar nicht mehr so dramatisch. Einige Freundinnen aus Achim und Umgebung habe ich sogar dort getroffen – man merkt: Neuseeland ist eines der beliebtesten Ziele für Auslandsjahre."
Für Janine Kück war die Entscheidung, ins Ausland zu reisen und dort zu arbeiten, die richtige. "Ich habe mich charakterlich gefestigt, große Verantwortung übernommen und mein Englisch deutlich verbessert. Ich kann jedem, der sich die Welt anschauen will, nur zu so einem Schritt raten."
Der ehemaligen Cato-Schülerin hat das Jahr auch noch eine feste neue Freundschaft beschert: Mit einem Mädchen, das mit ihr auf dem Hinflug in der Maschine saß, hat sie sich so sehr angefreundet, dass sie vielleicht sogar eine Wohngemeinschaft während der Studienzeit gründen wollen. Ein Lehramtsstudium soll es werden, die Arbeit mit den Kindern habe sie in der Studienwahl bestärkt.
Kinderbetreuung am anderen Ende der Welt
„Abi – und dann?“(II): Ehemalige Cato-Schüler ziehen nach einem Jahr Bilanz / Heute: Janine Kück als Au-pair
Zitat:
"Ich kann jedem, der sich die Welt anschauen will, nur zu so einem Schritt raten."
Janine Kück über ihr Auslandsjahr








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