
Twistringen-Abbenhausen. Bernhard Kunst, Fraktionschef der Christdemokraten im Twistringer Stadtrat, ist keiner, der die Flinte so leicht ins Korn wirft. Auch nicht, wenn in der Kommunalpolitik mal etwas schwerere Geschütze aufgefahren werden wie momentan in der teils heftig geführten Twistringer Haushaltsdebatte. An diesem Wochenende ist Politik für ihn Nebensache, stattdessen wird erstmal ordentlich gefeiert. Dazu gibt es schließlich auch allen Grund: Der mitgliederstärkste Verein Abbenhausens, der Schützenverein, wird hundert Jahre alt. 1912 gegründet, zähle er inzwischen zu den stärksten Vereinen im Twistringer Stadtgebiet, schreibt Bürgermeister Karl Meyer in seinem Grußwort für die Festschrift."Darüber hinaus ist der Verein eine tragende Säule der dörflichen Gemeinschaft und ein verbindendes Element der verschiedenen Ortsteile Abbenhauses", spielt Meyer auf Kohltour, Dorffest, Laternenumzug und Adventsfeier an. Ja, auch der Verwaltungschef hat sich zum Jubiläums-Schützenfest angesagt – trotz der Differenzen mit Kunst in den vergangenen Wochen. Vielleicht eine gute Gelegenheit, sich bei einem Bierchen wieder etwas anzunähern. Pardon, die große Politik soll ja bis Montag ausgeblendet werden.
156 Seiten
"Zwei Bücher muss der Mensch gelesen haben – die Bibel und unsere Festschrift", sagen Kassenwart Bernhard Kunst und Schriftführer Andreas Brinkmann. Seit vergangenem September haben sie über der Festschrift gebrütet, stolze 156 Seiten zusammengetragen. "Wir waren im Stadtarchiv, haben alte Fotos und Zeitungsartikel gesichtet und in den Statuten nachgelesen", erzählt Brinkmann. Auflage: 1600 Stück. Die Festschrift werde in Abbenhausen verteilt und sei in den Twistringer Geschäften erhältlich.
Brinkmann und Kunst haben das Heftchen mit vielen Anekdoten gespickt. Gerne nehmen sie ihren Major, August Brunkhorst, auf die Schippe. Der verfüge zwar über eine Mailadresse, bestehe aber nach wie vor darauf, dass ihm seine Unterlagen per Fax zugesandt würden. "Aber bereits gelocht", fügen die beiden lachend hinzu.
In Abbenhausen wird das Schützenfest traditionell vierzehn Tage nach Pfingsten gefeiert. Klar, dass der Spielmannszug des Schützenvereins Abbenhausen und Umgebung dann heute und morgen auch das Abbenhäuser Heimatlied erklingen lässt. Dabei handelt es sich um eine Ableitung des Salzburger Heimatliedes, nach der Melodie vom "Rainermarsch". "Und muss ich in die Fremde, mein Herz ist stets daheim. Komm ich nach Abbenhausen, da kann ich glücklich sein", heißt es in der zweiten Strophe der "Nationalhymne" Abbenhausens. Die können bestimmt auch schon die Gäste aus dem österreichischen Siezenheim mitsingen. Den Kontakt zur Trachtenmusikkapelle Siezenheim hat Andreas Brinkmann hergestellt, dessen halbe Verwandtschaft in der Alpenrepublik wohnt.
Weil im Twistringer Nordosten so gerne gefeiert wird und das Schützenfest auch bei der Jugend Kultcharakter genießt, dürfte im Dorfgemeinschaftshaus am Brümser Kamp wieder der Bär steppen. Schon deshalb, weil Ortsbürgermeister Bernhard Kunst beim Königsschießen am 28. April ins Schwarze getroffen hat. Das erste Mal Schützenkönig und dann auch gleich noch Jubiläumskönig. "Das wird für mich ein Schützenfest mit emotionaler Beteiligung", freut sich Kunst über den Königstitel. Für ihn sei es einfach "eine Ehre", Jubiläums-Schützenkönig zu sein.
396 Mitglieder, darunter eine große Jugendabteilung, zählt der Schützenverein Abbenhausen und Umgebung momentan. Vorsitzender Jörg Henkel hofft, dass die 400er-Marke bald geknackt wird. Wenn man bedenkt, dass der Verein gerade wieder ein halbes Dutzend Neueintritte verzeichnen konnte, dürfte dies bestimmt keine Schwierigkeit sein. "Ich hoffe, dass wir den demografischen Wandel gut überleben und die Dynamik im Vereinsleben erhalten bleibt", wünscht sich Kassenwart Bernhard Kunst zum 100. Geburtstag. Heute und morgen steigt jeweils ab 20 Uhr der Festball mit der Band Up-Five im Dorfgemeinschaftshaus am Brümser Kamp.
Wenn Schützenkönig Bernhard Kunst mit seiner Frau Angelika die Tanzfläche unsicher macht, kann er an etwas anderes als Zahlen, Zahlen und nochmals Zahlen denken. Denn: Bis Montag ruht die Politik. Statt doppelter Buchführung in Konten gibt es einen doppelten Korn.








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