
"So individuell Liebespaare sind, so individuell planen sie auch ihre Hochzeiten", sagt Renate Sokoll, Standesbeamtin in Bruchhausen-Vilsen. Und so arbeiten die einen monatelang auf eine minutiös durchgeplante und möglichst perfekte Hochzeit hin, während sich die anderen spontan entschließen, den Bund der Ehe einzugehen.
Doch während die Planer ihre Trauung gemäß ihrer abzuarbeitenden Aufgabenliste in der Regel problemlos sechs Monate vor dem gewünschten Hochzeitstermin beim Standesamt anmelden, bekommen die Spontanen zurzeit ein Problem – zumindest in Bremen. Auf dem Standeamt Mitte herrscht Terminstau. Zu viele Paare würden gerne im Sommer heiraten, heißt es dort. Schriftliche Anmeldungen zur Eheschließung nimmt das Amt erst wieder in zwei Monaten entgegen. Aber man verweist auf die Standesämter im Umland. Hat ein Paar nämlich noch einen Wohnsitz in Niedersachsen, kann es sich auch beim dortigen Standesamt für die Trauung anmelden. Anschließend kann sowohl in Bremen als auch im Umland geheiratet werden.
Doch trotz des Ärgers über den Terminstau in Bremen Mitte, bleiben die großen Anmeldeanstürme auf die Standesämter des Umlandes aus. "Wir hatten in Bruchhausen-Vilsen bisher ein Paar, das wegen der Probleme in Bremen zu uns zu gekommen ist", erzählt die Standesbeamtin Renate Sokoll. Dabei ist dort nicht nur die Anmeldung an sich kein Problem, sondern auch ein baldige Trauung ist möglich. "Wenn die nötigen Unterlagen alle in Ordnung sind, können die Paare innerhalb von ein paar Tagen bei uns heiraten", sagt Sokoll. "Am besten informiert man sich vor der Anmeldung genau, welche Unterlagen benötigt werden."
Beim Stuhrer Standesamt spüre man dagegen schon eine leicht steigende Zahl der Anmeldungen zur Eheschließung. "Zwei Pärchen wollten dann auch gleich hier heiraten", erzählt Standesbeamtin Margrit Götz. "Die fanden die neue Adresse An der Weide nicht so schön, wo das Bremer Amt wegen der Sanierung der alten Standesamtsvilla hingezogen ist." Auch in Stuhr sei das Heiraten nach der Anmeldung innerhalb weniger Tage möglich. "Aber mann muss fairerweise bedenken, dass wir auch deutlich weniger Einwohner haben als Bremen", meint Götz.
Im Standesamt Weyhe sei von dem Bremer Terminstau nichts zu spüren. Und auch in Syke könne weder steigende Anmeldezahlen noch Bremer Ausweichler verzeichnen, sagt die dortige Standesbeamtin Karin Frische. Verwundert sei darüber nicht: "Wer zwischen Mai und September heiratet, plant das in der Regel lange vorher", sagt Frische. "Die Paare wollen dann große Feiern an einem Wunschtermin mit gutem Wetter. Die melden sich selten spontan an." Das sei eher im Winter der Fall.
Und da steht in diesem Jahr ein besonderes Hochzeitsdatum im Kalender: der 12.12.2012. Dieses Jahr besteht zum letzten Mal in diesem Jahrhundert die Möglichkeit, an einem solchen Schnapszahldatum zu heiraten. Doch gerade wegen der Spontaneität der Winter-Brautpaare gibt es in Syke erst drei Anmeldungen für den Termin. "Aber da kommen sicher noch Anmeldungen", meint Frische. "Kurz vor Jahresende wird relativ viel geheiratet."
Auch in Stuhr liegen bereits drei Anmeldungen für die Eheschließung am 12. Dezember vor. "Drei Termine haben wir aber auf jeden Fall noch zu vergeben", sagt Margrit Götz. In Bruchhausen-Vilsen hat sich dagegen erst ein Paar verbindlich zur Hochzeit an dem Schnapszahldatum angemeldet. In Weyhe gibt es noch gar keine Anfragen für den Termin. "Aber ich bin mir sicher, dass sich das im Laufe des Herbstes noch entwickeln wird", sagt Standesbeamtin Eva Dierkes. "Einerseits ist das für lange Zeit die letzte Chance auf einen solchen Termin. Andererseits er ein Mittwoch und liegt somit mitten in der Woche. Das werden sich die Hochzeitspaare sicherlich spontan überlegen."
Insgesamt liegt die Zahl der Hochzeiten in diesem Jahr in allen Gemeinden "im Durchschnitt", sind sich die Standesbeamtinnen einig.









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