
Auch wenn die Veranstaltung überraschend geordnet ablief, brachte es die Organisationsform mit sich, dass mehr Politiker als Bürger den Saal füllten."Wenn ich mich so umgucke, wird mir für die Wahl angst und bange", stellte Harm Ehlers, Vorsitzender des Orts- und Verkehrsvereins Schönemoor angesichts der Tatsache fest, dass die interessierten Bürger, die der Diskussion folgten, an zwei Händen abzuzählen waren, wenn man die Vertreter von Parteien (darunter etliche Ratskandidaten aus dem Wahlbereich I) sowie die Mitglieder der veranstaltenden Vereine einmal abzieht. "Und es kann sich keiner rausreden, dass die Sonne scheint oder irgend jemand Fußball spielt", so Ehlers.
Angesichts der mehr als 30 Kandidaten, die sich auf dem Podium vorstellten, war es nicht zu leisten, sich sämtliche Namen, politische Schwerpunkte und Positionen zu merken. Zudem gelang es nur wenigen, sich mit profilierten Statements zu positionieren, die auch hängen blieben. Eines der spannendsten Wortgefechte des Abends lieferten sich Christian Marbach, Kandidat der Freien Wähler, und SPD-Ratsherr Detlev Diepenbrock. Nachdem Marbach dargestellt hatte, dass die Freien Wähler einen strikten Sparkurs zum Schuldenabbau fahren wollen, eine Verbesserung des Verhältnisses mit den Nachbarkommunen anstreben, die Kinderbetreuungskosten im Vergleich zu anderen Städten für viel zu hoch halten und aktive Wirtschaftsförderung durch die Akquise neuer Betriebe erreichen wollen, konterte Diepenbrock die Vorstellungen eiskalt aus: "Schon jetzt werden zwei Drittel der Kindergartenkosten aus dem Gemeindehaushalt finanziert. Und eine Verbesserung des Angebots wird nicht zum Nulltarif zu haben sein",
sprach er Klartext. Zudem halte er es für sehr fraglich, die interkommunale Zusammenarbeit mit dem Instrument zu verbessern, den Nachbarkommunen Gewerbesteuerzahler abzuwerben. Schließlich betonte Diepenbrock, dass die Gemeinde Ganderkesee ihren Schuldenberg in den vergangenen 15 Jahren mehr als halbiert habe.
Zu den Themen, die den unmittelbaren Einzugsbereich der ausrichtenden Vereine betreffen, gehörten unter anderem der Ausbau der Straße Auf dem Hohenborn inklusive der für die Hoykenkamper Gewerbebetriebe wichtigen "Querspange" sowie der Verlängerung des Radwegs am Schulweg bis zum Heuweg oder sogar bis zur Schierbroker Straße. "Wenn wir 2,9 Millionen Euro für eine Sauna haben, sollten wir auch 100000 Euro für den Radweg haben", forderte Moderator Hinnerk Twietmeyer, Vorsitzender des Bürgervereins Heide-Schönemoor. Die FDP-Fraktionsvorsitzende Marion Daniel gab jedoch zu bedenken, dass nach der geltenden Satzung 90 Prozent der Gesamtkosten auf die Anwohner umgelegt werden würden, und das wollten die Politiker dann doch nicht ohne Weiteres unterschreiben. Der Landtagsabgeordnete Ansgar Focke referierte noch einmal den aktuellen Planungsstand zum Thema B 212 neu.
Schuldzuweisungen statt Dialog
Insgesamt erging sich jedoch auch dieses Wahlpodium zu sehr in gegenseitigen Vorwürfen, als dass ein aktiver Dialog zwischen Bürgern und Politikern stattgefunden hätte. "Ich bin mit anderen Vorstellungen hierher gekommen. Ich bewundere jeden Kandidaten, der antritt und sich für dieses Amt zur Verfügung stellt. Aber die gegenseitigen Schuldzuweisungen halte ich nicht für angebracht. Damit motiviert man keine Bürger zur Wahl", brachte es ein Anwohner aus Bookholzberg auf den Punkt. Auch Juso-Aktivistin Lara Molde weiß, dass gerade bei Jungwählern noch eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten ist: "Wir dürfen nicht warten, dass die jungen Leute zu uns kommen, sondern müssen auf sie zugehen."
So waren sich die Beteiligten am Ende weitgehend einig, dass die Veranstaltung den Anspruch "Bürger fragen - Politiker antworten" eigentlich nicht erfüllt hat. Gleichwohl hatten sich zumindest die politischen Streithähne wieder versöhnt. "Wir haben viele Punkte, in denen wir einer Meinung sind. Aber wir schaffen es einfach nicht, konstruktiv miteinander zu arbeiten", sagte etwa Christian Marbach. Da sei es kein Wunder, wenn die Leute verdrossen und desillusioniert seien. Aber Einsicht ist bekanntlich der erste Weg zur Besserung.









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