Die Politik hat seit elf Jahren keine Zahlen zur Situation der Sportstätten mehr ermittelt. Ist der Sanierungsbedarf von rund 42 Milliarden Euro trotzdem aktuell?
Andreas Klages:Ja. Selbst wenn im Zuge von Konjunkturpaketen und durch Anstrengungen von Vereinen und Kommunen bereits einiges investiert worden ist, so wurde dieser Effekt durch fortschreitendes Alter mancher Sportstätten wieder aufgefressen.
Wurden in Deutschland im Laufe der Jahre zu viele Sportstätten gebaut?
Die Boomphase Mitte der 60er- bis Mitte der 80er-Jahre hatte eine nachholende Funktion für den Breitensport. Wir haben in einer Studie herausgearbeitet, dass die Anzahl der Sportstätten in Deutschland noch heute dem tatsächlichen Bedarf entspricht - die Mitgliedszahlen in unseren 91000 Vereinen sind stabil geblieben, sogar leicht steigend. Die Menschen treiben also unverändert Sport. Hauptgrund für die Situation sind eher klamme Kommunen, die in den meisten Fällen Eigentümer der Sportstätten sind. Nun müssen die Vereine mehr Verantwortung übernehmen.
Die meisten Sportvereine dürften doch kaum in der Lage sein, eine Instandhaltung oder Übernahme von Sportstätten zu stemmen.
Man darf sie finanziell nicht überfordern. Wir sehen Länder wie Kommunen nach wie vor in der Verantwortung, sie müssten den Sportstätten in ihren Haushalten höhere Priorität einräumen. Es gibt auch Länder, die bereits viel Geld und politischen Willen investieren, um ihre Sportstätten auf Vordermann zu bringen, etwa Hessen.
Geht es vorrangig um Optik, Komfort, Energieeffizienz? Oder sehen Sie die Gefahr, dass manche Plätze und Hallen bald gar nicht mehr nutzbar sind?
Wohlfühl-Defizite werden schnell zu funktionalen Defiziten - bis hin zu drastischen Sicherheitsmängeln.
Was kann der DOSB weiter tun?
Der DOSB setzt sich als Interessenvertreter für eine angemessene Sportstätten-Finanzierung auf allen Ebenen ein - bei Bund, Ländern und Kommunen. Zudem können wir die Vereine unter anderem über rechtliche und finanzielle Aspekte beraten, wenn sie kommunale Sportstätten übernehmen wollen.
Zur Person: AndreasKlages(43) ist als stellvertretender Direktor „Breitensport/Sportentwicklung“ beim Deutschen Olympischen Sportbund in Frankfurt auch zuständig für Fragen rund um Sportstätten und -anlagen.





















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