
Tomi Colic und sein Trainer Ali Coscun sitzen aufden Zuschauerplätzen im Pier 2, beobachten diezehn Prestige-Fights, dieüber drei Runden à drei Minuten gehen. Für das Hauptevent unter den insgesamt elf knallharten Kämpfen sind fünf Runden angesetzt. Veranstalter Alper Ergülen, Inhaber der Bremer Event Management GmbH, arrangierte diehochkarätigen Paarungen mit Beteiligung von Nikita Pankraz, Sammy Masa oder Vedat Kaya. Ergülen betont den multikulturellen Aspekt der Veranstaltung: „Es sieht zwar im Ring brutal aus, aber im Nachhinein umarmen sich alle. Kickboxen verbindet“.
DieKlänge des ACDC-Songs „Hell Bells“ durchfluten das „Pier 2“ in Gröpelingen. Im Rauch erscheint dieSilhouette des Kickboxers Tomi Colic. Für den WKA-Europameister aus Bremen geht es im Kampf gegen Priest West um den acht Kilo schweren Weltmeistergürtel der World Kickboxing Association (WKA). Gekämpft wird nach K-1-Regeln. Erlaubt sind Schläge, Tritte und Kniestöße. DieNationalhymnen werden abgespielt. Erst diedes Amerikaners Priest West, dem amtierenden IKBF-Champion (International Kick Boxing Federation), dann diedes gebürtigen Kroaten Colic. Der Ringrichter kommandiert beide Kämpfer in ihre Ecken: „Ring frei“.
Der massige Bremer, 83 Kilogramm schwer, attackiert den Mannheimer von der ersten Runde an. Schnelle, hartePunches prasseln aufihn ein. Tomi Colic, seit 17 Jahren Kickboxer, drängt West in dieSeile. Dieser wird weiter mit Schlägen und Tritten malträtiert. Der 38-Jährige versucht sich mit einem Kniestoß zu befreien, trifft Colic schmerzhaft am Bauch. West stößt Colic in dieMitte des Rings. Der 38-jährige Amerikaner setzt zum Sprung an, läuft aber in dierechte Gerade des Kroaten. West sinkt zu Boden, wird angezählt. Auch diezweite Runde dominiert der Bremer. Von der heimischen Kulisse beflügelt setzt es Schläge und Tritte wie am Fließband für seinen Gegner.
Ab Mitte der zweiten Runde kann Priest dagegenhalten. Es entwickelt sich ein offener Schlagabtausch. „Ich habe alle Runden nach Punkten geführt, ihn drei Mal aufden Boden gehabt. Ich war der bessere Mann“, bewertet Colic den Fight hinterher. Der IKBF-Weltmeister aus den USA kassiert weitere Treffer, fällt erneut zu Boden. Der Gong zur dritten Runde ertönt. West setzt zum Lowkick an, Tomi Colic fällt zu Boden. Der Kroate kann nicht mehr aufstehen. Der Kampf wird unterbrochen.
Der Ringarzt eilt herbei, untersucht das Knie. Dieetwa 700 Fans rufen „Tomi, Tomi“ – wollen, dass der Bremer weiterkämpft. Vergebens: Der Fight wird abgebrochen. Der Ringarzt befürchtet eine gebrochene Kniescheibe und einen Kreuzbandriss. „ DieBänder scheinen in Ordnung zu sein. Aber ich muss noch eine Kernspintomographie abwarten“, berichtet Colic zwei Tage nach dem Kampf. „Ich habe zwei Mal einen Tritt gegen mein Knie abbekommen. Das ist verboten. Der Ringrichter hat ihn auch ermahnt. Nach dem letzten Tritt gegen das Knie, wurde es taub. Ich konnte nicht mehr stehen“, hadert Colic mit seinem Schicksal.
Er wird direkt nach der Siegerehrung ins Krankenhaus gebracht. „Normalerweise müsste der Gegner disqualifiziert werden. DiePunktrichter haben aber nicht genau sehen können, ob das ein Tritt gegen den Oberschenkel oder mein Knie war. Weil das nicht eindeutig war, wurde mein Gegner zum Sieger erklärt. Ich akzeptiere das“, erklärt der Kroate. Der neue WKA-Champion Priest West entgegnet: „ DieVerletzung hat er sich selbst zuzuschreiben. Er hat versucht den Kick zu blocken, indem er sein Bein hochzieht. Er hat eben nicht hoch genug gezogen“.
Colic blickt unterdessen bereits nach vorn: „ DieNiederlage schmerzt mehr, als dieVerletzung. Ich will wieder fit werden und versuchen einen Rückkampf zu bekommen. DieVerletzung vergeht, aber dieNiederlage bleibt.“ Wenn der Arzt sein Ok gibt, will er bereits diese Woche wieder ins Training einsteigen: „Ohne Sport kann ich nicht leben“, verrät Colic. Veranstalter Ergülen plant unterdessen bereits dieNeuauflage des Fights: „Wir haben beschlossen von Priest West einen Rückkampf innerhalb eines Jahres zu fordern.“





















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