
Wohl auch ein Grund, warum Clubchef Klaus Allofs wie vom Donner gerührt in den Katakomben des Preußenstadions stand und Erklärungen suchte für die 2:4 (2:2, 1:0)-Schlappe, die Stürmer Matthew Taylor mit drei Treffern (54./81./118.) fast allein besiegelte. «Wir hatten schon mit einigen Runden im Pokal geliebäugelt», sagte Allofs, «mindestens aber mit der zweiten Runde.»
Die bereits einkalkulierten Pokal-Einnahmen fehlen den klammen Norddeutschen nun. Dabei war der Akpala-Transfer längst eingetütet. «Wir waren in den Gesprächen auf einem guten Weg. Unterschrieben ist noch nichts. Aber nun haben wir finanziell eine andere Situation. Wir müssen nochmal neu diskutieren», gab Allofs zu. Dem Vernehmen nach verlangen die Belgier 1,2 Millionen Euro Ablösesumme für den 25 Jahre alten Stürmerstar, den Bremen dringend bräuchte.
Dass Werder nicht nur Verstärkung im Angriff, wo Bayern-Leihgabe Nils Petersen bis zur Einwechslung von Niclas Füllkrug den Alleinunterhalter spielte, sondern auch in der Defensive benötigt, zeigte die Partie vor 18 000 Fans deutlich. Innenverteidiger Sokratis war praktisch an allen Gegentoren beteiligt. Außer am letzten, weil sich der indisponierte Grieche da schon mit Gelb-Rot (108.) verabschiedet und sein Team zusätzlich geschwächt hatte.
Zuvor hatte Dimitri Nazarow (96.) in der Verlängerung die nimmermüden und diszipliniert auftretenden Preußen erstmals in Front geschossen und den Weg geebnet für den erstmaligen Einzug in die zweite Cup-Runde seit 1990. Trainer Pawel Dotschew impfte seinen Profis in der Halbzeit ein, worauf es ankommen wird bei der Hitze.
«Es geht nur über den Willen. Und der war bei uns zu hundert Prozent da.» Erstaunt war Dotschew, als er später Taylors Leistung beurteilen sollte. «Das ist aber eine leichte Frage», meinte der bulgarische Trainerfuchs. «Er hat gezeigt, dass er absolut eiskalt vor dem Tor ist. Klasse!»
Dass Werder zum zweiten Mal nacheinander in Runde eins K.o. ging, ärgerte Allofs maßlos. Im Vorjahr unterlag der sechsmalige Cup-Sieger in Heidenheim. Diesmal schlug man sich selbst: Denn nach zweimaliger Führung von Neuzugang Eljero Elia (45.) und Niclas Füllkrug (67.) hatte Werder alle Trümpfe in der Hand. Am Ende stemmte man sich nicht mal mehr gegen das drohende Aus.
Für Allofs ein «völlig unnötiger Rückschlag», für Aaron Hunt «eine Katastrophe» und unverständlich, dass man durch «dumme Fehler» in der Abwehr verlor. Heftig kritisierte Allofs die mangelnde Bereitschaft, trotz tropischer Temperaturen das Letzte aus sich rauszuholen. «Ich bin Profi. Da will ich doch nicht hier ausscheiden. Da muss ich die Führung verteidigen und mich mehr wehren», sagte Allofs. «Zum zweiten Mal in der ersten Runde raus - das gefällt mir nicht.»
Sollten die Bremer beim bevorstehenden Bundesliga-Start am Freitag bei Borussia Dortmund ähnlich uninspiriert auftreten, droht ihnen beim Meister ein Debakel. «Das ist eine andere Nummer», versicherte Schaaf. «Mal sehen, wie wir uns da anstellen.»





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