Inserieren

EM-Serie, Teil IV: Griechenlands Fußballer wollen ihre Landsleute ablenken

Von
Das griechische Team bei der EM-Vorbereitung.
Das griechische Team bei der EM-Vorbereitung.

Dann nutzt der 27-jährige Nationalstürmer gern die Gelegenheit, seinen von der Finanzkrise schwer geplagten Landsleuten Mut zuzusprechen. Die EM-Endrunde in Polen und der Ukraine ist da ein willkommener Anlass. "Was wir mit dem Nationalteam tun können", sagt Samaras, "ist, bei der Europameisterschaft zu spielen und unsere Leute in Griechenland glücklich zu machen." So wie im vergangenen Oktober, als die EM-Sensation von 2004 die Kroaten im direkten Duell 2:0 besiegte, sie von der Tabellenspitze stieß und mit dem 2:1 in Georgien einen Monat später das Direkt-Ticket zur Endrunde buchte.

Schütze des Siegtreffers in Tiflis, fünf Minuten vor Schluss: Angelos Charisteas, der Held des glorreichen Turniers in Portugal vor acht Jahren. Der schlaksige Ex-Werderaner ließ die Erinnerungen an 2004 in Griechenland wieder auflodern, zumindest vorübergehend. In den EM-Kader 2012 hat es Charisteas nicht geschafft – an seiner Stelle gehen Samaras, Theofanis Gekas oder Dimitrios Salpingidis auf Torjagd. Und das ist im griechischen Nationalteam eine Herkulesaufgabe. Wieder einmal.

Am Ende der Ära Otto Rehhagel, der den Hellenen nach dem Triumph von Lissabon noch eine verpasste WM-Teilnahme 2006 und das jeweils schmucklose Vorrunden-Aus bei der EM 2008 und der WM 2010 bescherte, war lange klar: Ein Umbruch in der Nationalauswahl ist überfällig. Rehhagels Nachfolger, der Portugiese Fernando Santos, ging die notwendige Verjüngung des Teams auch wacker an.

So werden bei den drei Gruppenspielen in Warschau und Breslau unter anderem hoffnungsvolle Nachwuchskräfte wie Schalkes kraftstrotzender Verteidiger Kyriakos Papadopoulos (20) oder der technisch versierte Mittelfeldspieler Ioannis Fetfatzidis (21) von Olympiakos Piräus die griechischen Farben vertreten. An der nüchternen, auf einer stabilen Defensive fußenden Spielweise der Griechen, für die auch Werders Sokratis steht, hat sich seit dem Trainerwechsel vor zwei Jahren allerdings wenig geändert.

Auch unter Santos zählen rasantes Angriffsspiel oder eingestreute Überraschungsmomente nicht zum Repertoire des einstigen Titelträgers. Zwar qualifizierte sich Griechenland erstmals ohne Niederlage für ein großes Turnier, doch kein anderer Gruppensieger traf dabei seltener ins gegnerische Tor. 14 Treffer in zehn Partien wirken wenig Furcht einflößend auf die Konkurrenz - zumal die Abteilung Angriff mit Salpingidis, Gekas, Samaras und Charisteas (je ein Tor) in der Qualifikation einen recht bescheidenen Beitrag leistete.

Ende Februar, nach dem 1:1 im Testspiel gegen Belgien in Samaras‘ verregneter Heimatstadt Iraklion, machte der Chefcoach keinen Hehl aus seiner allgemeinen Unzufriedenheit. Parallel dazu kokettierte Santos, in der griechischen Super League vier Mal zum Trainer des Jahres gewählt, gegenüber Journalisten damit, womöglich wieder in die Klubarbeit zurückzuschwenken. Ehe er Anfang April seinen Vertrag als Nationalcoach dann doch bis 2014 verlängerte. Eine – bei erfolgreicher Qualifikation für die WM in Brasilien – erhöhte Bonuszahlung inklusive.

Dies wiederum ließ einige Verbandsoffiziellen grollen. Die Stimmung in Hellas ist also durchwachsen, für EM-Zuversicht sorgen primär die Gruppengegner Polen, Tschechien und Russland. "Wir spielen in einer extrem ausgeglichenen Gruppe, in der im Prinzip jeder jeden schlagen kann", formuliert Papadopoulos. "Alle vier Mannschaften machen sich Hoffnungen, weiterzukommen."

Osten und Südosten des Kontinents sind in dieser EM-Gruppe A vereint, und die Griechen stellen sich bei ihrem finalen Trainingslager in Österreich darauf ein: Die letzten EM-Tests, jeweils in Kufstein, bestreiten sie gegen Slowenien (morgen) und Armenien (31. Mai). Und Mutmacher Georgios Samaras erinnert sich bei dieser Konstellation an das 2:0 am 7. Oktober 2011 gegen Kroatien. "Das war ein großartiger Sieg, weil wir ein wirklich wichtiges Spiel gewonnen haben", sagt der wilde Stürmer von Celtic Glasgow über einen Erfolg, der nach seinem Willen auch die leidenden Landsleute beflügeln soll. "Manchmal", sagt Samaras, "schaffen es der Sport und der Fußball, dass die Menschen ihre Probleme vergessen."



Bisher 0 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben »

Sport Fußball EM2012 Liveticker-Box

Auf dieser Sonderseite berichten wir rund um das EM-Turnier in Polen und der Ukraine. Alle Spiele, die aktuellen Tabellen, jede Menge Statistiken und Infos zu allen Teams und Stadien gibt's bei uns im Liveticker.

 
Prestigeprojekt in Lüneburg
Ärger um Libeskind-Bau
Leichenfund in Lesumbrok
Todesopfer stammt aus Syke
Dauerstreit um Bremer Diskothek
Streit um das Stubu
Promillegrenze für Radfahrer soll ...
Debatte um Alkohol am Lenker
Landkreis Osterholz
Tierschützer gegen Traditions-Viehmarkt
 
Streit um Besoldung
Polizeigewerkschaft sagt Senatsempfang ...
Dauerstreit um Bremer Diskothek
Streit um das Stubu
Ungarn
Orban brüskiert Deutschland mit ...
Findorffer beobachten voller Interesse ...
Otwiaska: Alltag kehrt zurück
Neuer Betreiber gefunden
Dorint-Kette übernimmt Park Hotel