
Und deshalb entwickelt der deutsche Trainer der Schweizer Fußball-Nationalmannschaft besondere Ambitionen: "Es gibt nichts Schöneres, als den großen Bruder schlagen zu können. Vielleicht können wir Deutschland ein Bein stellen."
Für Hitzfeld stellt die Begegnung im Basler St. Jakob-Park, der im Volksmund "Joggeli" genannt wird, auch einen Neubeginn dar. In der EM-Qualifikation scheiterte die Schweiz als Gruppendritter (11 Punkte) an England (18) und Montenegro (12).
"Eine neue Ära hat begonnen. Wir müssen nach vorn schauen", sagte Tranquillo Barnetta. Der Bundesligaprofi, der Bayer Leverkusen wohl verlässt, steht nach langer Verletzungspause wieder im Kader. Beim 2:2 in der EM-Ausscheidung am 4. Juni 2011 bestritt er sein vorerst letztes von 59 Länderspielen und erzielte in England beide Treffer zur 2:0-Führung der "Nati" - ein Achtungserfolg, der aber durch Niederlagen in Montenegro und Wales zur Makulatur wurde.
Hitzfeld und Co. scheiterten - nun gelten alle Anstrengungen dem Auftakt der WM-Qualifikation mit den ersten Aufgaben am 7. September in Slowenien und am 11. September gegen Albanien. Da ist das 722. Länderspiel in der Geschichte der Schweizer A-Elf ein willkommener Test. "Ich bin top-motiviert. Man muss jedes Spiel nutzen, um sich weiter zu entwickeln", sagte der 63 Jahre alte Hitzfeld.
Dass seine Auswahl in der Lage ist, den Großen zu trotzen, hat sie unlängst bewiesen. Im Test gegen Argentinien am 29. Februar stand es in Basel lange 1:1, ehe Lionel Messi in der Schlussphase seine Trefferquote in diesem Spiel auf drei erhöhte und dem Weltmeister von 1978 und 1986 noch den schmeichelhaften 3:1-Sieg bescherte.
Gegen Deutschland berief Hitzfeld neben Barnetta noch die Bundesligaspieler Diego Benaglio (VfL Wolfsburg), Francois Affolter (Werder Bremen), Eren Derdiyok (Leverkusen/künftig 1899 Hoffenheim) und das neue deutsche Erstligaduo Granit Xhaka (Borussia Mönchengladbach) und Xherdan Shaqiri (Bayern München) in das Aufgebot. Xhaka, ein Spielertyp wie Bastian Schweinsteiger, schwärmt vom kommenden Gegner: "Deutschland gehört für mich zu den besten Mannschaften der Welt. Und Deutschland ist für mich EM-Favorit."
Die Vorbereitung der Schweizer war nicht optimal. Erst am Mittwoch endete die Meisterschaftsrunde - unter anderem mit der 1:2-Niederlage von Titelträger FC Basel mit den nach Deutschland wechselnden Jungstars Xhaka und Shaqiri gegen Young Boys Bern. Xhaka sei "müde", erläuterte Hitzfeld. Shaqiri klagte über eine Oberschenkelblessur - so ist durchaus denkbar, dass Hitzfeld zunächst auf beide verzichtet und elf im Ausland tätige Profis in die Startformation nimmt.
Die Begegnung in Basel ist das 51. Aufeinandertreffen zwischen der Schweiz und Deutschland. 36 Mal siegte eine DFB-Auswahl, achtmal gewannen die Eidgenossen. Die bislang letzte deutsche Niederlage liegt fast 56 Jahre zurück: Am 21. November 1956 siegten die Schweizer in Frankfurt am Main mit 3:1. Die letzte Niederlage in der Schweiz musste Deutschland am 20. April 1941 beim 1:2 in Bern hinnehmen. (dpa)


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