
Die Clips von seinem berühmten Tor erinnern vor allem an eines: dass Fernando Torres zuletzt kaum noch Tore geschossen hat. Zwei Jahre lang lieferte Spaniens Paradestürmer Nachrichten nach dem Gesetz, dass das, was schlecht ist, immer noch schlechter werden kann: Torres trifft zwölf Spiele in Folge nicht für seinen Klub FC Chelsea; Torres nur noch Ersatz in der Nationalelf; Torres schießt neben das leere Tor. Angesichts dieser Misere wurde sein lebhafter Auftritt bei Spaniens 4:1-Sieg am Mittwoch im EM-Test gegen Südkorea in der Heimat gleich in den Rang einer Wiederauferstehung gehoben.
Neue Chance durch Villas Verletzung
Die Frage ist, ob er nur an der Angst des Stürmers vor dem Tor litt, die jeden Angreifer irgendwann einmal vorübergehend heimsucht. Oder hat er, ähnlich wie Europas Fußballer des Jahres 2001, Michael Owen, durch Verletzungen und Verdruss seine Sonderklasse für immer verloren?
Überraschend erhält Fernando Torres nun bei dieser EM die Gelegenheit, eine Antwort zu geben. Nachdem David Villa, der Torres als Spaniens Mann für die Tore abgelöst hatte, die EM verletzt absagte, ist die Stelle des Mittelstürmers neu ausgeschrieben. Mit Fernando Llorente aus Bilbao und Álvaro Negredo vom FC Sevilla kämpft Torres um die einzige noch vakante Position in der Elf des Welt- und Europameisters. "Ich war soweit, dass ich mir vorstellte, ich würde nicht für die EM nominiert", sagt Torres. "Und wenn du wie ich einmal praktisch draußen warst, ist es schöner als beim ersten Mal, doch dabei zu sein."
Trotz monatelanger Häme der britischen Presse während seiner Tordürre (und mit 28 Jahren nach 92 Länderspielen) hat er sich die Offenheit und Natürlichkeit bewahrt, mit der er bei der EM 2004 auftauchte. Damals stand er in der Mittagspause plötzlich im Pressezelt. Er wollte sich ein paar Bilder auf dem Computer eines Fotografen anschauen. So was tut ein Profi doch nicht, ein Profi hält Abstand zur Presse. Als Torres im Januar 2011 für 58 Millionen Euro vom FC Liverpool zu Chelsea wechselte, sagte er, "zu Manchester United und Real Madrid konnte ich nicht, Barcelona wollte mich nicht, da blieb nur Chelsea". So ehrlich redet ein Profi doch nicht. In solchen Momenten wirkte Torres unschuldig, man könnte auch sagen: verwundbar. Wie sollte er, der seine Gefühle nicht durch Floskeln polsterte, der sich nicht mit Distanz vor der Öffentlichkeit schützte, damit fertig werden, wenn er einmal in die Spirale eines Stürmers geriet, der das Tor nicht trifft?
Viele haben seinen Wechsel von Liverpool zu Chelsea als den Punkt ausgemacht, als etwas zerbrach. Tatsächlich verschwand der Weltklassestürmer Torres schon ein Jahr früher, im Frühling 2010. Der Meniskus war gerissen, er musste nachoperiert werden, weil die erste Operation keine Besserung gebracht hatte. Bei der WM in Südafrika konnte Torres vor Schmerzen oft nicht einmal richtig gehen; dementsprechend spielte er. Michael Owen, das englische Wunderkind, verlor mit circa 22 nach einer Reihe von Verletzungen einen Tick seiner Antrittsschnelligkeit und ward nie mehr derselbe. Ging es Torres, unbemerkt, genauso? Es ist ein nicht messbarer Verlust, Nuancen auf den ersten ein, zwei Sprintschritten.
Bei Chelsea nur Ersatz
So beginnen Teufelskreise. In Chelsea waren die Spieler es gewohnt, dass der Stürmer mit dem Rücken zum Tor angespielt wurde, Torres aber lebt vom Pass in den freien Raum hinter die gegnerische Abwehr. Er fühlte sich nicht wohl, er vergab Torchancen, der Trainer setzte ihn zwischenzeitlich auf die Ersatzbank, danach vergab er unglaubliche Torchancen. "Ich machte diese Saison die schlimmsten Momente meiner Karriere durch", sagte er vor zwei Wochen, offen, verwundbar wie immer, als er sich über Chelseas Sieg gegen Bayern München im Champions-League-Finale freuen sollte und den Gedanken nicht verdrängen konnte, dass er nur Einwechselspieler gewesen war. "So oft fühlte ich mich diese Saison verloren. So oft wusste ich nicht, wo ich sein sollte, was ich tun sollte."
Es gibt andere Bilder von ihm wie diesen: Die Haare frisch blondiert, strahlt er wie ein ewiger Junge nach seinem Tor. Die Aufnahmen sind nicht auf alten Clips, sie waren am Mittwoch zu sehen. Es war tatsächlich ein neues Tor, das von Fernando Torres zu sehen war, das 1:0 gegen Südkorea.


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