
Dafür muss man rund 100 Jahre in der Geschichte zurückgehen. Als das Fußballspiel auch in Deutschland immer populärer wurde und erste Länderspiele ausgetragen wurden - das erste übrigens 1908 gegen die Schweiz -, war der Griff zur schwarz-weißen Kluft selbstverständlich. Denn: "Schwarz und weiß waren die Farben Preußens, des damals mächtigsten und einflussreichsten Staates im deutschen Staatenbund", erklärt der Sporthistoriker und Buchautor Dietrich Schulze-Marmeling. In der Folgezeit überlebte die Farbkombination alle politischen Veränderungen, auch wenn beispielsweise bei der Olympiade 1928, so Schulze-Marmeling, die Nationalelf in weißen Hemden mit einem roten Brustring und weißen Hosen auflief - sozusagen im heutigen Dress des VfL Stuttgart.
Die Kombination Schwarz-Rot-Gold, die seit der Gründung der Bundesrepublik die deutsche Fahne schmückt, tritt erstmals bei der EM 1988 in Erscheinung. Seither, so Schulze-Marmeling, sind die Farben stets präsent. "Mal aufdringlicher - wie 1988, 1990 und 1996 -, mal dezenter." Beim aktuellen Trikot, das der Hersteller Adidas für den geneigten Fan für knapp 80 Euro auch in die Läden bringt, ist im traditionellen Weiß gehalten, mit drei dünnen schwarz-rot-goldenen Diagonalstreifen.
Dass das deutsche Trikot nur dezente Verweise auf die Nationalfarben birgt, ist übrigens keinesfalls ein deutscher Sonderweg. Auch bei anderen Ländern sind Abweichungen zu beobachten, zum Beispiel bei England, Nordirland oder Italien, das statt des "Weiß-Grün-Rot-Dreiklangs" im traditionellen Blau aufläuft.
Wenn Sie jetzt meinen, sich an jüngste Auftritte der deutschen Mannschaft in Grün zu erinnern, dann ist auch das richtig und hat seinen Grund: Grün ist derzeit die Farbe der Auswärtstrikots und kommt immer dann zum Einsatz, wenn auch die Heimmannschaft traditionell in Weiß spielt. In der Vergangenheit hat es diverse Farbkombinationen für den Auswärtsdress gegeben. Dass der Ausrüster der Nationalmannschaft jetzt wieder zum Grün gegriffen hat, wird damit begründet, dass man in der Farbe der Hoffnung gekleidet, schon einige bedeutende Siege davontragen konnte: zum Beispiel bei der EM 1972, WM 1990 und EM 1996. Ebenso, so ergänzt Dietrich Schulze-Marmeling beim "legendären 3:1-Sieg im Viertelfinale gegen England im Wembleystadion".
Inzwischen wird vor großen Fußballturnieren das jeweilige neue Trikot Monate vor Turnierstart mit einigem Brimborium vorgestellt, bei dem Nationalspieler das neue Gewand auf dem Laufsteg präsentieren. Für die Trikothersteller ist damit ein lukratives Geschäft verbunden: So hat sich die fränkische Firma Adidas, die insgesamt fünf Nationalmannschaften bei der EM ausrüstet und auf einen Rekordumsatz hofft, allein bei den deutschen Trikots eine Zielmarke von rund einer Million verkaufter Trikots gesetzt. "Wenn Deutschland erfolgreich spielt, werden es vielleicht noch ein paar mehr", sagte der Vorstandsvorsitzende Herbert Hainer vor kurzem der "Wirtschaftswoche".
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