
Ihre Zusammenarbeit ist Gold wert: Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffarth und der zehnjährige Fuchswallach Opgun Louvo haben nach fünf Jahren als Gespann bei den Olympischen Spielen in London ihren Karrierehöhepunkt erreicht.
Dabei ist es der 25-Jährigen stets wichtig, zu betonen, dass sie den größten Erfolg ihrer Karriere auch ihrem Pferd Opgun Louvo zu verdanken hat: "Er ist immer voll motiviert und vertraut mir absolut blind. Das ist ein unglaublich schönes Gefühl. Ohne ihn wäre ich während des Wettkampfes nicht so ruhig geblieben."
Warendorf, Oktober 2007: Seit einem Jahr absolviert Sandra Auffarth bereits ihre Ausbildung zur Pferdewirtin, als sie Opgun Louvo kennenlernt. Die belgische Besitzerin des Fuchswallachs, die das Pferd der Rasse Selle Français (siehe Infokasten) Wolfgang nennt, möchte das Tier professionell ausbilden lassen und vertraut es Sandra Auffarth an. Der erste Kontakt zwischen Reiterin und Pferd verläuft unspektakulär. "Wir haben locker trainiert. Etwas Dressur, etwas Springen", blickt Auffarth zurück. "Dass ich auf einem Pferd sitze, mit dem ich fünf Jahre später Olympia-Gold gewinne, habe ich natürlich nicht geahnt." Trotzdem freunden sich Reiterin und Wallach, die in den kommenden fünf Jahren fast keinen Tag ohneeinander verbringen, erstaunlich schnell an – aus Wolfgang wird "Wolle". "Es passte einfach. Mit ihm ging die Arbeit im Vergleich zu anderen Pferden relativ schnell und einfach ", berichtet Auffarth von den täglichen Einheiten.
Gemeinsam mit dem Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR), dessen Perspektivgruppe die Ganderkeseerin damals angehört, entschließt sie sich im Jahr 2008 zum Kauf des Wallachs. "Irgendwie haben alle gesehen, dass wir sehr gut zusammenpassen." Opgun Louvo zeigt sich in der Folge in allen Disziplinen des Vielseitigkeitsreitens ausgeglichen stark. "Im Gelände und im Springen musste ich ihn manchmal bremsen. Er ist eben ein Draufgänger. Die Dressur fiel im dafür anfangs etwas schwerer, aber auch dort hat er erstaunlich schnell Fortschritte gemacht und ist Jahr für Jahr besser geworden", erinnert sich Auffarth.
Le Lion D’Angers, Oktober 2009: Ihren ersten großen internationalen Erfolg im Vielseitigkeitsreiten feiern Sandra Auffarth und Opgun Louvo bei der Weltmeisterschaft für Junge Pferde. In Frankreich reitet das Gespann auf den Bronzerang. Die CCI**-Prüfung bezeichnet Auffarth rückblickend als "erste richtig schwere Aufgabe", die sie mit ihrem Pferd gemeistert hat. "Danach habe ich endgültig gewusst, dass er etwas ganz Besonderes ist."
Die steile Karriere des Ganderkeseer Gespanns setzt sich anschließend nahtlos fort und findet in Mannschaftsgold und Einzelsilber bei der Europameisterschaft in Luhmühlen im August 2011 ihren vorläufigen Höhepunkt. Knapp ein Jahr später, im Juni 2012, honoriert Bundestrainer Hans Melzer Auffarths beeindruckenden Aufstieg und nominiert sie für die Olympischen Spiele in London. "In dem Moment ist ein Traum in Erfüllung gegangen."
London, Juli 2012: Nachdem der schwedischen Reiterin Sara Algotsson-Ostholt mit Wega während des Springens im Greenwich Park ein Fehler unterläuft, steht fest: Deutschland hat seine erste Goldmedaille bei den Olympischen Spiele gewonnen. Die Mannschaft der Vielseitigkeitsreiter, zu der auch Sandra Auffarth und Opgun Louvo gehören, ist ihrer Favoritenrolle gerecht geworden. Zudem sichert sich die Reiterin aus Ganderkesee überraschend Bronze im Einzelwettbewerb. "Wolle wusste sofort, dass er etwas ganz Besonderes geschafft hat", sagt Auffarth über die "bewegenden Momente" nach dem großen Triumph. Auch Opgun Louvos belgische Vorbesitzerin hat Gold- und Bronzegewinn des Gespanns verfolgt, meldet sich kurz danach telefonisch bei Sandra Auffarth, um zu gratulieren.
Ganderkesee-Bergedorf, August 2012: Einen besseren Zeitpunkt für ihren Besuch hätte sich die Bekannte von Sandra Auffarth kaum aussuchen können. Die Frau biegt mit ihrem Auto genau in dem Moment auf den Hof der Familie, als die Olympiasiegerin mit ihrem Goldpferd vom Fototermin mit der Presse kommt. Das Motiv im elterlichen Vorgarten ist gerade aufgenommen, "Wolle" soll wieder in seine Box – und schon nimmt Sandra Auffarth die nächsten Glückwünsche entgegen. Dass das Foto überhaupt auf dem Rasen direkt vor dem Haus gemacht werden durfte, ist Opgun Louvos Privilegien auf dem Hof zu verdanken. "Da darf sonst kein anderes Pferd hin", erklärt die Reiterin. Auch Extraportionen Möhren und Leckerlis sind in diesen Tagen für den Fuchswallach keine Seltenheit, in "Wolles" Box hängen die Olympischen Ringe an der Wand – in Gold, versteht sich.
Bis zum Jahresende hat der rund 520 Kilogramm schwere Wallach nun frei. "Für ihn steht erstmal nichts mehr auf dem Programm. Er darf sich ausruhen", sagt Auffahrt über Opgun Louvo, der seine Box auf dem Hof in Bergedorf wohl auf Lebzeiten sicher hat: "Er ist die absolute Nummer eins im Stall und hat es sich verdient, bei uns als zu werden."
Opgun Louvo, das Pferd mit dem die Ganderkeseer Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffarth bei den Olympischen Spielen in London vor wenigen Tagen eine Gold- und eine Bronzemedaille gewann, gehört der Rasse Selle Français (Französisches Reit- oder Sattelpferd) an. Seit 1958 sind unter diesem Namen die verschiedenen Versionen von Reitpferden aus den französischen Regionen Angevin, Charolais und Vendée zusammengefasst. Die Warmblüter gelten in Frankreich dabei als wichtigste Sportpferderasse und werden hauptsächlich zum Springen eingesetzt. Die meisten Selle Français, wie auch Opgun Louvo, sind Füchse, also Pferde mit rötlichem, gelblichem oder bräunlichem Fell. Selle Français gelten als enorm kraftvoll, zudem schnell und widerstandsfähig. Sandra Auffarth sagt über den zehnjährigen Opgun Louvo, den sie liebevoll "Wolle" nennt: "Angst ist für ihn ein Fremdwort." Zu den bekanntesten Vertretern der Rasse zählen die Pferde Cor de la Bryère, Quidam de Revel, Rochet M, Silbersee und seit Olympia 2012 sicher auch Opgun Louvo.





















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