
Karl-Heinz Bode gehört zu eben jenen Ersttätern des Vereins. "Ich war früher eigentlich Judoka", schildert der 62-Jährige, der einst während seines Militärdienstes bei der Bundeswehr auf Aikido aufmerksam wurde. "Mein damaliger Verein wollte allerdings keine eigene Abteilung haben, weshalb wir uns zur Neugründung entschlossen haben." Am 18. Juni 1987 taten sich schließlich sieben Sportler zusammen, bei der eigentlichen Gründungsveranstaltung waren schon 18 Aikido-Begeisterte zusammengetrommelt worden. "Und bis zum Ende des Jahre waren wir dann sogar über 20 Sportler."
Die Begeisterung wuchs stetig, zur Jahrtausendwende wurde sogar eine eigene Kindergruppe geschaffen, der Nachwuchs trainierte fortan nicht mehr gemeinsam mit den Erwachsenen. "Das hat dazu geführt, dass wir im Jahre 2008 unseren bisherigen Höchststand von 77 Mitgliedern hatten", erinnert sich Bode. "Leider sind die Zahlen im Anschluss wieder zurückgegangen, was vor allem mit dem Ganztagsangebot der Schulen zu tun hat. Die Kinder haben einfach nicht mehr die nötige Zeit."
Geben und Nehmen verinnerlichen
Inzwischen kratzt die Mitgliederzahl an der 40er-Marke – was die Aikidoka nicht davon abhält, weiterhin mit großem Einsatz zu Werke zu gehen. In den Trainingseinheiten studieren sie akribisch neue Techniken ein, im verlangsamten Ablauf werden kleinste Fehler ausgebessert, um eine Aktion korrekt zu Ende zu bringen.
Die hilfreichen Anweisungen müssen dabei gar nicht einmal unbedingt vom Trainer kommen. "Die höher graduierten Kämpfer helfen den anderen, Erfahrungen werden stets weitergegeben", erzählt beispielsweise Oliver Rösler, der im Besitz des 3. Kyu ist. Der 19-Jährige war lange Zeit als Jugendwart des Vereins tätig und hat sich zudem beim Kindertraining um die jüngsten Aikidoka gekümmert. Inzwischen leitet er von Zeit zu Zeit auch die Übungseinheiten der Erwachsenen. "Das Miteinander in dieser Sportart ist einfach besonders schön. Es gibt keinen Wettkampf, niemand will unbedingt besser sein als der andere. Stattdessen wird das Geben und Nehmen verinnerlicht", erklärt er und verweist damit darauf, dass neben der körperlichen auch die geistige Schulung im Vordergrund steht.
Mit dieser Erklärung hat er die Vorzüge des Aikido ziemlich genau auf den Punkt gebracht. Ja, es ist eine Kampfsportart. Und ja, es gibt auch reichlich Körperkontakt. Doch im Gegensatz zu vielen anderen asiatischen Disziplinen ist Aikido betont defensiv ausgerichtet. Mit den typisch kreisrunden und spiralförmigen Techniken soll die Angriffsenergie des Gegners nutzbar gemacht und verstärkt auf ihn zurückgeführt werden. "Natürlich gibt es auch bei uns Schläge, doch sie werden nicht blockiert. Stattdessen weicht man ihnen aus und bringt sich in eine Situation, in der man überlegt, wie es weitergeht", meint Rösler. Sprich: Deeskalation statt Konfrontation. Ein Aspekt, der mitunter nicht zuletzt dem Angreifer in gesundheitlicher Hinsicht zugute kommt.
Um sich irgendwann einmal effektiv verteidigen zu können, ist für einen Aikidoka vor allem eines wichtig: Geduld. "Besonders am Anfang ist es schwer zu verstehen, wie die Sportart richtig funktioniert", erzählt Oliver Rösler. "Besonders Kinder haben damit ihre Probleme. Sie sehen nicht sofort, wie eine Bewegung in der Realsituation Wirkung erzielen soll, wenn der Gegenüber nicht wie wir im Training mitgeht." Darüber hinaus drücken die Übungsleiter bei den Anfängern durchaus schon einmal ein Auge zu, wenn es um die Sauberkeit einer Technik geht. "Da muss man auch eine falsche Bewegung einfach mal mitgehen, weil sich sonst bei den Kindern und Jugendlichen schnell eine Frustration einstellt. Aber grundsätzlich geht es bei uns eben nicht darum, gleich von Beginn an verteidigungsfähig zu sein, sondern darum, die Techniken korrekt zu lernen. Darauf muss man sich konzentrieren, sonst ist man ganz schnell überfordert. Erst später kommen dann weitere Aspekte wie die räumliche Wahrnehmung ins Spiel."
Wenn es also eine Sportart gibt, die am ehesten dem häufig zitierten Sprichwort "Der Weg ist das Ziel" entspricht, so dürfte damit Aikido gemeint sein. Und damit der Weg der Kämpfer des Aikido Club Syke noch lange nicht beendet ist, machen sie sich zu ihrem 25. Geburtstag selbst ein besonderes Geschenk. An diesem Wochenende bitten Vereins-Chef Karl-Heinz Bode (1. Dan) und der saarländische Landestrainer Gilles de Chénerilles (7. Dan) zu einem vereinsoffenen Lehrgang. Heute geht es von 10 bis 12.30 Uhr und 15 bis 18 Uhr auf die Matte, am morgigen Sonntag sind die Aikidoka von 10 bis 12.30 Uhr in der Realschulhalle an der La-Chartre-Straße im Einsatz.
Wer als Zuschauer dabei sein will, ist herzlich willkommen, weitere Informationen gibt es im Internet unter: www.aikidoclub-syke.de.





















Noch nicht registriert? Jetzt kostenlos registrieren »