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Büskens-Rauswurf: Fürth beugt sich Markt-Gesetzen

22.02.20130 Kommentare
Gefeuert
Mike Büskens musste in Fürth gehen. Foto: Andreas Gebert (dpa)

Jahrelang hatten die Franken den größten Wert auf Nachhaltigkeit gelegt und sich selber als ein Verein herausgestellt, bei dem die familiäre Atmosphäre nicht nur Grundsatz, sondern Norm sei. Nach einem Dreivierteljahr purer Erfolglosigkeit ist jetzt alles anders: Mit der Trennung von Trainer Mike Büskens haben die Fürther dasselbe getan, was alle Vereine machen, wenn es nicht läuft: sich den Gesetzen des Marktes unterworfen und den Coach davongejagt.

Dabei passte der 44-Jährige lange Zeit gut zum gemütlichen und smarten Fußball-Bundesligisten. Mehr als drei Jahre hatte Büskens überwiegend starke Arbeit geleistet und sich gerade dank seiner teils kauzigen Art Anerkennung verschafft. Er führte den Kleeblatt-Club erstmals in der Vereinsgeschichte in Liga eins und war im Umfeld trotz all der jüngsten Pleiten kaum infrage gestellt worden.

Die Anhänger sahen Büskens' großen Eifer, erkannten aber auch, dass die Elf sportlich den übergroßen Herausforderungen in der Bundesliga nicht gewachsen ist. «Mike Büskens hat hier überragende Arbeit geleistet. Aber es gab den Punkt, dass wir uns für einen neuen Weg entschieden haben», sagte Sportchef Rouven Schröder am Donnerstag. Selbst Hack musste zugeben: «Er hat alles an Leidenschaft und Engagement eingebracht, was einem Menschen möglich ist.»

Geht es nach dem in Fürth allmächtigen Vereinschef, soll der Trainerwechsel nun einen «neuen Impuls» erzeugen. Einen, der der finanziell arg eingeschränkten Spielvereinigung vielleicht doch noch den Klassenverbleib ermöglichen könnte. Offen ist aber, wer diesen neuen Antrieb verkörpern soll. Hack schasste seinen einstigen Erfolgscoach, ohne einen Ersatz präsentieren zu können. Und überraschte mit seinem Büskens-raus-Schnellschuss auch das Team: «Für die Spieler war es heftig, weil Mike mit seiner leidenschaftlichen Art sehr berührt hat», sagte Lizenzbereichsleiter Martin Meichelbeck.

Jetzt fahnden die Fürther nach einem neuen Konzepttrainer - und nicht nach einem Feuerwehrmann für die letzten Spiele, wie sie betonen. Nach einem Coach, «mit dem wir auch voller Überzeugung in die 2. Liga gehen könnten, falls wir den Klassenerhalt nicht schaffen sollten», wie Hack äußerte. Die Stellenausschreibung hört sich an wie die Suche nach einem Büskens-Double, nur bitte etwas erfolgreicher. Und so spricht auch einiges dafür, dass bei den Gründen fürs Büskens-Aus der Aktionismus eine entscheidende Rolle gespielt hat. Sportchef Rouven Schröder betonte am Donnerstag, dass die Suche nach einem Neuen angelaufen sei. «Wir haben in der Kürze der Zeit auch schon Kandidaten kontaktiert», sagte er. Schröder schloss aus, dass der bereits öfter in Fußball-Deutschland gehandelte Lothar Matthäus dazugehöre. «Das ist ja immer der gleiche Gag», witzelte er.

Im anstehenden Heimspiel an diesem Sonntag gegen Bayer Leverkusen soll Schröder vorerst im Zusammenspiel mit U 23-Coach Ludwig Preis die Mannschaft betreuen. «Keine Dauerlösung», wie Hack schon mal vorab verdeutlichte - aber eine große Gelegenheit zumindest für Interimschef Preis: «Das ist für mich persönlich eine Riesenerfahrung, die ich machen darf», sagte der 41-Jährige. «Der Verein ist in einer schwierigen Situation. Ich helfe gerne und mit voller Überzeugung», urteilte Preis. Schröder erkannte: «Die Mannschaft ist nicht voller Selbstvertrauen, das ist unser Ansatz.»

Noch im Herbst hatte Hack im dpa-Interview erklärt, notfalls auch gerne mit Büskens als Coach wieder eine Klasse tiefer zu gehen. «Wenn dann nicht Schalke ruft, wäre es wunderschön, wenn er auch bei einem Abstieg unser Trainer bliebe», betonte der 63-jährige Unternehmer damals. Angesichts von nur zwölf Punkten aus 22 Partien dachte Hack jetzt um. «Wir hätten nie erwartet, dass wir nach dem Aufstieg solch große Probleme bekommen würden. Aber wir spüren, dass wir ausreichend stark sein können, um den Relegationsplatz zu erreichen», sagte er.

Vier Punkte Abstand sind es für das Tabellenschlusslicht nur zu Rang 16, den momentan 1899 Hoffenheim belegt. Vom Papier her haben die Fürther also weiter alle Chancen. Ob die Mannschaft aber auch sportlich dazu in der Lage ist, noch zwei Plätze nach oben zu klettern, darf Stand jetzt bezweifelt werden. Egal, wer Trainer ist.

Büskens' Bilanz in Fürth in Zahlen

Saison*SpielePunkte pro SpielTorePlatz
09/10171,4723:1711
10/11341,7947:274
11/12342,0673:271
12/13220,5513:3618

* Von 2009-2012 2. Fußball-Bundesliga, Saison 2012/13 Bundesliga. In der Saison 2009/10 wurde Büskens zur Winterpause als Nachfolger von Benno Möhlmann Coach in Fürth. In der Saison 2012/13 trennte sich der Verein nach 22 Spieltagen von ihm.


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Leserkommentare
Pikaya am 18.08.2017 10:08
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suziwolf am 18.08.2017 09:59
Waren Sie auch 'mal in finnischen Gewässern ;-) ?

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