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Ai Weiwei darf plötzlich wieder in China ausstellen: Die Behörden dulden gleich drei Einzelausstellungen
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Der „Dicke“ ist zurück in Peking

29.06.20151 Kommentar
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Die Ahnenhalle, die zunächst abgebaut und in Peking in den Gallerien wieder aufgebaut wurde. Der Künstler Ai Weiwei darf in seiner Heimatstadt wieder Werke zeigen, muss sich dabei aber offensichtlich politisch stark zurücknehmen.

Ins Au

sland darf Ai Weiwei nicht. Die chinesischen Behörden händigen ihm keinen Pass aus. Wenn der politische Aktions- und Konzeptkünstler sein Atelier im Pekinger Stadtteil Chaochangdi im Nordosten der 20 Millionen-Metropole verlässt, kann er sich sicher sein, dass Sicherheitskräfte ihm auf Schritt und Tritt folgen. Wenn er erstmals seit mehr als vier Jahren die Möglichkeit hat, in seiner Heimatstadt wieder Werke zu zeigen, muss sich der regimekritische Künstler politisch entsprechend zurücknehmen.

Doch tut er das wirklich? Die Ausstellung heißt „Ai Weiwei“ und befindet sich in dem berühmten Pekinger Szeneviertel 798, ein ehemaliges Fabrikgelände, das Ai mit anderen Künstlern in den neunziger Jahren zu einem Künstlerviertel hergerichtet hatte. Zu sehen ist eine rund 400 Jahre alte Ahnenhalle aus Chinas ländlich geprägter Südostprovinz Jiangxi. Ai hat mit seinem Team das hölzerne Bauwerk in 1 500 Einzelteile zerlegt, nach Peking verfrachten lassen und wieder aufgebaut. Ungewöhnlich: Das Kunstwerk ist auf zwei Gallerien aufgeteilt. In der Galleria Continua ist die eine Hälfte zu sehen, die andere steht im Tang Contemporary Art Center direkt daneben. Es gibt keinen Durchgang, auch keine Hinweisschilder, die auf die Fortsetzung hinweisen. Zumindest die Behörden erkennen an dem dekonstruierten Holzgebäude anscheinend nichts Subversives. Dabei findet sich in diesem Werk eine politische Anspielung: Wer Ai Weiwei kennt, weiß: Er thematisiert in seinen Werken nicht nur Menschenrechtsverletzungen, Umweltverschmutzung und Behördenwillkür. Er kritisiert zudem die Zerstörungswut in seinem Land und die gängige Praxis, alte Bauten niederzureißen und sie durch neue zu ersetzen. Darin sieht er auch ein Symbol für das soziale Gefüge, das der Kommunismus ebenfalls niedergerissen hat. „Die alte Ordnung ist über mehrere Tausend Jahre entstanden. Rational oder nicht, es handelt sich um ein integriertes System, das wir Zivilisation nennen“, sagt der Künstler. Einmal ausgerissen, dauere es Jahrzehnte, bis wieder etwas nachwachse – das gilt aus seiner Sicht sowohl für die Bäume, aus denen das Haus bestand, wie für den zwischenmenschlichen Zusammenhalt. Auf seiner bislang größten Schau vor einem Jahr im Berliner Martin-Gropius-Bau hatte er acht 2000 Jahre alte Vasen aus der Hang Dynastie mit metallisch glänzendem Autolack überzogen – eine Anspielung auf die geringe Wertschätzung in seinem Land gegenüber traditionellen Werken. Dieses Muster findet sich auch bei der Ahnenhalle. Diese Anspielung scheint den Behörden entgangen zu sein. Möglich ist aber auch, dass sie ihn bewusst gewähren lassen. Das Kunstwerk ist nicht die einzige Ausstellung, die Ai Weiwei in diesen Tagen in Peking zeigen darf. Nur einige Hundert Meter weiter hat Ai vor zwei Wochen in der Pekinger Galerie Chamber eine weitere wenn auch deutlich kleinere Einzelausstellung eröffnet. Vergangene Woche folgte eine weitere. Vier Jahre lang durften seine Werke in China nicht gezeigt werden. Wegen seiner regimekritischen Haltung haben sehr wahrscheinlich staatlich angeheuerte Schläger ihn 2008 verprügelt. 2011 muss er wegen angeblicher Steuervergehen für 81 Tage in Haft. Während Ai in seinem Pekinger Studio Werke seitdem für weltweit mehrere Dutzend Ausstellungen kreierte, war er in seiner Heimat eine persona non grata. Vielleicht haben die Behörden erkannt, wie absurd dieser Widerspruch ist.Ist Ai Weiwei damit rehabilitiert? Bislang nicht. Offiziell haben sie Ai die Ausstellung auch nicht genehmigt. Sie wird lediglich geduldet. Den eigentlich anvisierten Eröffnungstag, der für Ende Mai vorgesehen war, hatten sie ihm auch untersagt. Wenige Tage vor dem Jahrestag des Massakers auf dem Tiananmen-Platz war die Furcht wohl zu groß, dass der Künstler bei der Vernissage womöglich eine Anspielung auf die damalige Niederschlagung von Chinas Demokratiebewegung wagen würde.

Und doch: Seit zwei Wochen ist Ai Weiweis Ausstellung nun für jeden Pekinger öffentlich zugänglich. Und auch die Staatsmedien erwähnen ihn. Es handelt sich um seine erste Einzelausstellung in seinem Heimatland überhaupt. Chinas Regime lockert die Leine, an der es Ai gehalten hat – zumindest vorerst.


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Leserkommentare
Pikaya am 18.08.2017 10:08
Die besten und günstigsten Weihnachtsbäume werden am 24.12 Vormittag gekauft.
suziwolf am 18.08.2017 09:59
Waren Sie auch 'mal in finnischen Gewässern ;-) ?

Die Deutschen sind (auch) in Suomi ,hoch angesehen' ob ihrer
Tugenden und ob mit ...
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