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St.-Petri-Atelierwerkstatt im OTe-Zentrum bringt Farbe ins Leben / Förderung durch Aktion Mensch läuft aus
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Guck mal - da sind Kinder kreativ!

27.02.20140 Kommentare
Guck mal
Anna-Katharina Scheid (links) und Conny Ihmels vor der Materialienampel in der Kreativwerkstatt. Rotgekennzeichnetes muss sparsam verwendet werden, weil es teuer ist. (Petra Stubbe)

An normalen Tagen kommen vier Beschäftigte in den Treffpunkt „Guck Mal“, um die Kinder und Jugendlichen des Aktion-Mensch-Projekts, das der St. Petri Kinder- und Jugendhilfe zugeordnet ist, zu betreuen. Kinder ab zehn Jahren kommen mit Kindern mit oder ohne Beeinträchtigung oder Behinderung zusammen, um die Nachmittage zu verbringen. Über 300 junge Gäste sind 2014 bereits gezählt worden. Anmeldungen gibt es nicht. Manche Kinder kommen aufgrund ihrer Beeinträchtigung in Begleitung von Betreuern oder Eltern, die sich dann zurückziehen oder einige Zeit zusehen.

Guck mal
Auf der Pyramide bei „Guck Mal“ ist zu sehen, was man alles gestalten kann. (Petra Stubbe)

„Individuelle Ansprache ist für jedes Kind gesichert“, sagt Anna Katharina Scheid und meint: „Kinder erleben hier Normalität zwischen beeinträchtigt und normal. In unseren offenen Treff kommt jeder freiwillig.“ Drei Freundinnen sitzen am Tisch und kneten. Ein Junge malt allein. In einem hinteren Raum diskutiert die Filmgruppe. „Die Kinder bestimmen immer selbst, was sie machen, aber einmal wöchentlich lassen wir uns erzählen, was gut und was schlecht war, und wir stimmen dann ab, wofür wir unsere 50 Euro wöchentlich ausgeben wollen. Ton und Gips oder Farben und Stifte, so etwas entscheiden alle gemeinsam“, erklärt Conny Ihmels. „Kinder können sofort loslegen mit dem, was sie machen möchten, oder erstmal abhängen. Aber wir haben ein System eingeführt, mit dem wir die Kosten im Blick haben.“

„Wir werten nicht“

Im Kreativraum stehen Kästen mit Materialien in offenen Regalen. Die Kästen tragen ampelfarbige Kennzeichnungen, die auf einer Liste erklärt sind: Grün ist günstig, Gelb heißt sparsam und Rot, bitte nur wenig verbrauchen, es ist teuer. „Wir werten nicht“, betont Anna Katharina Scheid, „hier läuft alles prozessorientiert.“ Das heißt für die Kinder, Leistungsvergleiche werden nicht angestellt, wohl aber werden Kinder gelobt, wenn etwas schon beim zweiten Mal besser klappt.

„Ich schaff’s!“, heißt ein besonderes Angebot von Guck Mal an die Kinder. „Ich schaff’s!“ beruht auf jugendpsychologischen Erkenntnissen von Ben Furman, einem anerkannten finnischen Psychologen, dessen Werke in zehn Sprachen übersetzt sind. Jedes teilnehmende Kind setzt sich sein eigenes persönliches Ziel, beispielsweise: Ich will nicht mehr schlagen. Hat es das Ziel erreicht, erhält es ein Zertifikat und hat damit die Berechtigung erworben, einem anderen Kind, das mit „Ich schaff’s!“ beginnt, mit Rat und Tat zu unterstützen.

Neben Kreativraum und Filmgruppe bestehen bei Guck Mal die Karnevalgruppe und Angebote für Nähen, Seifen herstellung, Kerzen gießen oder Brennen von Gips und Ton. „Hier mischen sich Kinder aller Herkunftsländer, besonders zu unseren Sommerprojekten“, erklärt Anna Katharina Scheid, die das Kommen und Gehen der Kindern in Projekten kennt. Bewusst betont sie daher: „Für „Ich schaff’s!“ braucht es Kontinuität.“

„Wir haben Kinder mit Beeinträchtigungen und Migrantenkinder, die hier nachmittags beim spielen Deutsch lernen. Teilweise haben sie weite Anfahrtwege. Solche Angebote wie GuckMal gibt es woanders kaum“, sagt Conny Ihmels.

Einen Bär, ein Männchen und etwas noch Unergründliches haben die Mädchen am Tisch nun geknetet. „Wir haben das hier von einer Freundin gehört und uns verabredet“, erzählen die Mädchen aus Tenever, denen es draußen zu kalt und feucht ist. Sie wollen wiederkommen. 15 Kinder spielen jetzt, eine halbe Stunde nach dem Öffnen im Guck Mal. Weite Wege haben einige in Kauf genommen, weil es keine Alternative für beeinträchtigte und nicht-beeinträchtigte Kinder in der Nähe gibt, um gemeinsam zu spielen.

Und trotz des gut genutzten Angebots scheint das Ende der St. Petri Atelierwerkstatt von Guck Mal zu nahen. Projektmittel von „Aktion Mensch“sind auf drei Jahre befristet. Im Herbst 2014 enden die Zuwendungen aus der Lotterie.

Wie die inklusive Kreativwerkstatt aus einem anderen Geldtopf angesichts der seit Jahren eingefrorenen Bremer Mittel für Jugendarbeit aufrechterhalten werden kann, wissen die engagierten Helferinnen und Helfer nicht.

„Guck Mal“ im OTe-Zentrum, 2. Stock (Fahrstuhl vorhanden), Otto-Brenner-Allee 44/46, Öffnungszeiten: Montag und Dienstag, 16 bis 18 Uhr, Mittwoch bis Freitag , 16 bis 19,30 Uhr, zusätzliche Zeiten der „Ich schaff’s!“-Gruppe am Montag und Freitag, 15 bis 16 Uhr. Dienstags von 18 bis 18.30 Uhr gibt es die Mitbestimmungsrunde, mittwochs die Foto-/Filmgruppe. Telefon 696 487 56, E-Mail: guckMal@stpetribremen.de.


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Leserkommentare
djhg am 18.08.2017 07:27
@Werderland: Ich denke eher, dass Nouri und Baumann auch ihren Aussagen aus der letzten Saison gelernt haben und es deshalb eher intern ...
abrakadabra am 18.08.2017 07:26
Der Betrag ist ja wohl lächerlich ... Warum gibts da nicht wenigstens einen Punkt in Flensburg? Für Taxifahrer als angebliche Profis darf es auch ...
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