
Im Kuhhirten sitzen fast 30 ehemalige Schülerinnen und Schüler und schwatzen. Die meisten sind 1938 geboren. Alle haben die Klasse 8a oder 8b der Schule am Bunnsackerweg besucht. Eingeschult wurden die Habenhauser Kinder 1944. Ihre erste Klasse zählte fast 50 Schüler. Nach nur kurzer Schulzeit traf eine Fliegerbombe das Gebäude und es lag in Trümmern. Nach Kriegsende ging der Unterricht für die Kinder in Wehrmachtsbaracken weiter. Lehrer waren knapp, ebenso Räume. Deshalb wurde im Schichtbetrieb unterrichtet. "Ich hatte von 16 bis 18 Uhr Unterricht", sagt Oltmann Garbade und andere wie Lieselotte Fröhlich waren von 10 bis 12 Uhr an der Reihe. Im Hochsommer war es in den Baracken brütend heiß, im Winter fand Unterricht nur statt, wenn genug Holz für den Ofen da war, erinnern sich die Senioren an der langen Tafel im Kuhhirten.
1951 begann der Unterricht in der Schule am Bunnsackerweg. Bereits am 9. Juli 1951 fuhren die Schüler auf ihre einzige Klassenfahrt ins Schullandheim nach Rinteln. Der Ausflug ins Weserbergland wurde 2007 noch mal als Klassentreffen wiederholt. Viel größer und komfortabler war das Schullandheim 56 Jahre später. Schon 1952 endete die Schulzeit für die Schüler mit dem Abschluss der Klassen 8 a und 8 b.
Maurer war der Zukunftsberuf für viele junge Männer, und wer keine Lehre beginnen wollte, wurde Arbeiter. Junge Männer und junge Frauen als Berufsanfänger waren 1952 14 bis 15 Jahre alt. 1955 rief die Bundeswehr die Männer in die Kasernen und die jungen Frauen gingen ins Haushaltsjahr bei Landwirten, gut gestellten Familien oder besuchten die Haushaltsschule. Die jetzt 18-Jährigen hatten die Entscheidung der Eltern zu respektieren, denn sie wurden erst mit 21 Jahren volljährig.
Beim Blick auf vergilbte Schwarz-Weiß- Fotos mit zackigen Rändern amüsieren sich Lieselotte Fröhlich, Rita Akkayan und Marlise Vogel über Dutt-, Pferdeschwanz- und andere Steckfrisuren. Die Jungen sind streng gescheitelt und hochrasiert an Seiten und Nacken. "Das ist Frau Osterhorn. Die ist verschwunden", zeigt Lieselotte Fröhlich aufs Bild. Fröhlich, als Erwachsene im Schulbüro Bunnsackerweg tätig, konnte fast alle Klassenkameraden ausfindig machen. Rita Akkayan kam zum ersten Mal aus der Schweiz angereist, die aus Liebe zur französischen Sprache vor vielen Jahren nach Genf ging und jetzt ihre Klassenkameraden wiedersieht.
Seit 1984 finden Klassentreffen an verschiedenen Orten auch mal in der ehemaligen Schule statt. Was alle an Habenhausen lieben, sind der dörfliche Charakter und kurze Weg in die Stadt. Oltmann Garbade arbeitete bei Borgward und lebte immer in Habenhausen. "Unsere Selbstverpflegungsgärten mit 1000 Quadratmetern haben wir alle gut genutzt. Heute werden die Grundstücke geteilt", sagt Oltmann. Oltmanns Grundstück ist geteilt. Die Kinder bewohnen einen Teil. Marlise Vogel verbrachte 30 Jahre in Weyhe und ist heute Nachbarin von Lieselotte Fröhlich. Kurt Felsch wurde Marmorschleifer, arbeitete später im Gaswerk und ist Nachbar von Oltmann Garbade. Sogar der langjährige Briefträger in Habenhausen der Felsch, Garbade, Fröhlich oder Vogel jahrelang Post lieferte, war 1951 Klassenkamerad.
Was damals anders war in Habenhausen, ist die Sprache. "Hol din Babbel du Drobeler" ("Halt den Mund, du Trottel") sagten die Kinder. Nur Lehrer Schmidt sprach manchmal Platt. "Ich hab mich in der Stadt geschämt, wenn meine Eltern Platt sprachen", sagt Lieselotte Fröhlich: "Wir hatten ja noch Plumpsklos." Dann geht’s auf Platt und Hochdeutsch weiter bis einige feststellen, dass sie sich ja schon zur Chorprobe wiedersehen und vier Damen sich abends noch beim Gluckentreffen sehen. So nennen sie ihre monatlichen Treffen des Sportvereins und ihrer ehemaligen Frauen-Faustballmannschaft, mit der sie über Bremens Grenzen hinaus erfolgreich waren. "Wir stehen mitten im Leben."














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