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Interview mit Thomas Wolter und Frank Bender Seit zehn Jahren Trainerduo bei Werder II

Worin besteht das Erfolgsgeheimnis: im eisernen Willen zur Zusammenarbeit oder in einer gewissen Seelenverwandtschaft?

Thomas Wolter:Einfach gemeinsamer Spaß an der Arbeit und an den uns gestellten Aufgaben. In den zehn Jahren war sicher nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Das wissen wir selbst, und es ist sicher nicht immer alles so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber eines ist uns nie vergangen bei der ganzen Geschichte: Wir waren immer mit Spaß und Leidenschaft dran. Das ist das Entscheidende. Dann kannst Du auch eine ganze Menge erreichen.

Zehn Jahre leiten Thomas Wolter (links) und Frank Bender mittlerweile schon die Geschicke von Werder II.
Zehn Jahre leiten Thomas Wolter (links) und Frank Bender mittlerweile schon die Geschicke von Werder II.

Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Frank Bender:Vor rund zwölf Jahren habe ich die U16 und die U18 trainiert. Thomas war damals Trainer der U19. In dieser Zeit haben wir bereits sehr gut zusammengearbeitet. Als er dann die U23 übernommen hat, hat er mich gefragt, ob ich mir diese Konstellation vorstellen könnte. Das konnten wir uns gut vorstellen.

Wolter:Witzigerweise verbinden die Leute mit meinem Namen nur die U23. Dass ich auch Nachwuchs-Cheftrainer bin, wissen die wenigsten. Allein kann ich aber nicht allem gerecht werden. Mir war damals klar, dass wir einen zweiten Hauptamtlichen neben mir brauchen. Also haben wir die Aufgaben aufgeteilt, und es hat sich ganz gut gemacht.Eine zehnjährige Zusammenarbeit als Trainerteam ist ja nicht unbedingt üblich.

Warum klappt es bei Ihnen beiden?

Bender (lacht):Weil Thomas Waage ist.

Wolter:Weil wir verschiedene Typen sind. Wir ergänzen uns sehr gut, und was auch wichtig ist: Frank hat von Anfang an gemerkt, dass ich ihn nicht nur als Co-Trainer sehe, sondern als gleichberechtigten Partner. Ich bin nicht der Heilsbringer und weiß auch nicht über alles Bescheid und mache auch nicht immer alles richtig.

Täuscht der Eindruck oder ist Thomas Wolter eher der ruhige Pol, während von Frank Bender das Impulsive ausgeht?

Bender:Es ist sicher so, dass wir uns in vielem ziemlich ähnlich sind. Aber wir leben das anders aus. Wenn man mit einer Mannschaft umgeht, ist es sicher nicht gut, wenn beide jedes Mal gleich reagieren. Sonst können sich die Jungs zu leicht darauf einstellen.

Haben sich in diesen zehn Jahren Veränderungen in Ihrer Arbeit ergeben?

Wolter:Eine ganze Menge. Das Nachwuchsleistungszentrum ist noch viel, viel größer geworden. Ich kann getrost sagen: Die Arbeit ist nicht weniger geworden. Eher im Gegenteil, aber eben auch vielfältiger und interessanter. Nun wird unsere Arbeit von außen auch viel kritischer beobachtet als früher. Man kann gar nicht richtig einschätzen, was es bedeutet, Trainer einer zweiten Mannschaft zu sein. Was für Kompromisse man eingeht, was für Sachen man machen muss, von denen man nicht immer überzeugt ist, die aber dem großen Ganzen dienen. Dass man viele Dinge gern anders machen würde, aber nicht anders machen kann, wissen viele Leute gar nicht.

An welche Highlights in den letzten zehn Jahren können Sie sich erinnern?

Bender:Zu den Höhepunkten zählten sicher die Pokalspiele, als wir gegen Köln und St. Pauli gewonnen haben und dann beim 2:3 gegen den VfB Stuttgart nur knapp die Runde der letzten 16 Mannschaften verpassten. Es gab aber sicher auch Spiele, wo wir enttäuscht und fassungslos waren. Aber das ist eben so, wenn man mit einer jungen Mannschaft arbeitet. Ich glaube, wir hatten ein Spiel, als wir 6:0 in Wattenscheid gewonnen haben, da konnten wir uns zurücklehnen.

Wolter:Zur Halbzeit stand es schon 4:0.

Bender:Und da wussten wir, dieses Spiel gibt es doch. Aber es ist schon schwierig mit so einer jungen Mannschaft, weil – wie in jedem anderen Beruf – die Erfahrung eben ein unheimlich wichtiger Faktor ist.

Ein bisschen verändert hat sich die Spielergeneration allerdings auch, und das macht es vermutlich nicht gerade leichter.

Wolter:Das ist ein wichtiger Punkt: Es nervt mich einfach, dass Spieler zu uns kommen, die beleidigt sind, bei uns spielen zu müssen. Letztlich muss es sie stolz machen, dass sie überhaupt für Werder Bremen spielen können. Es gibt Tausende, die würden sofort mit diesen Spielern, die beleidigt zu uns kommen, tauschen wollen. Das hat sich im Vergleich zu früher sicher geändert. Wenn ich da an die Generation denke mit Simon Rolfes, Christian Schulz oder Nelson Valdez. Sie waren auch unzufrieden, sind aber zu uns gekommen und haben ihre Unzufriedenheit in Leistung umgemünzt. So etwas gehört tagtäglich dazu, hat sich aber grundlegend geändert. Und das stört mich unheimlich.

Aber bekommt nicht gerade ein eingespieltes Trainerteam Wolter/Bender solche Dinge in den Griff?

Wolter (lacht):Es wurde immer gesagt, wenn die beiden es nicht hinkriegen, kriegt es keiner hin. Ich glaube, dass wir manche Sachen in gewissen Situationen schon hinbekommen haben. Aber es hält meistens nicht lange an. Vielleicht ist das auch die Krux dessen, was sich alles verändert hat im Nachwuchsleistungszentrum, dieses Verhätscheln, diese Rundumversorgung. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir die Jungs immer früher zu uns holen – wie all die anderen Vereine ja auch. Da weckt man natürlich Erwartungen. Sie werden belohnt für ihre Leistung, müssen diese aber auch wiederholen. Das ist etwas, was einem den Trainerberuf einer zweiten Mannschaft auch manchmal verleiden kann, das sage ich ganz ehrlich. Oftmals merken die Jungs erst, was es bedeutet, bei Werder Bremen zu sein, wenn sie weg sind. Erst dann begreifen sie, in welcher Oase und in welcher schönen Stadt sie sich entwickeln konnten.

Sie haben immer wieder Angebote von anderen Vereinen; selbst nach dem Abstieg vergangene Saison gab es diverse Anfragen. Für das Trainerduo Wolter/Bender gilt aber offenbar: Lebenslang grün-weiß?

Wolter:Für mich gilt das so oder so, selbst wenn ich einmal woanders hingehen sollte. Ich begleite diesen Verein nun ja seit 28 Jahren. Das ist für mich kein Job, sondern eine Leidenschaft.

Bender:Dem kann ich mich nur anschließen. Ich bin zwar keine 28 Jahre hier, aber jetzt auch schon zwölf. Wenn es nach mir geht, können es auch noch zweimal zwölf werden.



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Leserkommentare
ExMueller am 25.05.2013 19:03
Prost!!!!!!!!!!!
tommi24 am 25.05.2013 19:00
Jawoll Herr Admiral, es lebe die SPD! Für einen "Vortrag" 25.000 € und bald kommt der Weihnachtsmann...
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