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Ex-Bundespräsident sieht sich als Lebemann verunglimpft
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Wulff fällt Zeugin ins Wort

28.11.20130 Kommentare
Wulff trial - Christian Wulff
Christian Wulff (POOL und Holger hollemann, dpa)

. Brav reiht sich der ehemalige Bundespräsident in der Mittagspause am dritten Tag seines Korruptionsprozesses in die Selbstbedienungsschlange der Gerichtskantine ein. Penne mit Pilzen bestellt sich Christian Wulff, dann sondert er sich von seinen Verteidigern Michael Nagel und Bernd Müssig ab, setzt sich zu einer jungen blonden Frau und plaudert angeregt. „Von wegen Luxus, von wegen schuldig“, lautet ganz offensichtlich die Botschaft an seine ebenfalls anwesenden Richter und an die Medienvertreter an den Nachbartischen.

Im Gerichtssaal 127 wird Wulff zuvor deutlicher. Sichtlich ungehalten greift sich der Angeklagte bei der Zeugenaussage seiner früheren Vorzimmerdame aus den Zeiten als niedersächsischer Ministerpräsident das Mikrofon. „Hier entsteht ja sonst der Eindruck, dass ich mein Leben überwiegend auf Sylt und Capri verbracht hätte“, ruft er dem Vorsitzenden Richter Frank Rosenow entgegen.

Dabei geht es vor dem Landgericht nicht um teure Insel-Urlaube des früheren CDU-Regierungschefs, sondern um seinen Besuch auf dem Oktoberfest 2008 in München. Der mitangeklagte Filmunternehmer David Groenewold soll damals einen Teil der Übernachtungskosten im Luxus-Hotel Bayerischer Hof sowie die Bezahlung einer Babysitterin, eines Abendessens und der Bewirtungskosten in einem Wies‘n-Festzelt übernommen, Wulff im Gegenzug sich später dienstlich für ein Filmprojekt seines Freundes eingesetzt haben. Dafür muss er sich jetzt wegen Vorteilsannahme verantworten.

„Für mich war klar, dass Herr Groenewold alle Kosten für Herrn Wulff übernehmen wollte“, sagt die ehemalige Chefsekretärin des Filmunternehmers aus, die damals die Zimmer über dessen private Kreditkarte gebucht hatte. Ob und wie viel der Ministerpräsident zurückgezahlt habe, könne sie nicht sagen. Laut Version der beiden Angeklagten hat Groenewold 400 Euro zu Wulffs Hotelrechnung ohne dessen Wissen beigesteuert.

Wulffs damalige Mitarbeiterin schildert die Praxis der Staatskanzlei, private Termine oder freie Tage des Ministerpräsidenten mit Code-Wörtern wie „Mittagessen mit Professor M.“ oder „MP in Brandenburg“ zu blocken. So habe man Wulff vor lästigen Anfragen geschützt. Beim München-Wochenende sei man zunächst ähnlich verfahren, später habe man andere Termine drumherum gelegt – eine nach Angaben der Zeugin nicht unübliche Praxis. Wulff hatte damals am Freitag in München einen Kurzauftritt im CSU-Wahlkampf; am Sonnabend war ein – später angeblich geplatztes – Gespräch im Büro des Verlegers Hubert Burda angesetzt. Seine dank Groenewold reduzierte Hotelrechnung für die erste Nacht rechnete Wulff laut Zeugin als Parteitermin über die CDU ab, die zweite Nacht als dienstliche Angelegenheit des Landes über die Staatskanzlei. Inwieweit dieses Verhalten möglicherweise nicht korrekt war, steht vor dem Gericht allerdings nicht zur Debatte.


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Leserkommentare
Pikaya am 18.08.2017 10:08
Die besten und günstigsten Weihnachtsbäume werden am 24.12 Vormittag gekauft.
suziwolf am 18.08.2017 09:59
Waren Sie auch 'mal in finnischen Gewässern ;-) ?

Die Deutschen sind (auch) in Suomi ,hoch angesehen' ob ihrer
Tugenden und ob mit ...
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