Es ist für Nicht-Österreicher nicht ganz leicht, Kapfenberg erst einmal zu verorten. Südwestlich von Wien liegt es, ungefähr auf halber Strecke nach Klagenfurt, die nächstgrößere Stadt ist Graz. Auf der Weltkarte des Fußballs ist Kapfenberg sogar noch schwieriger zu finden; der örtliche SV Kapfenberg hat sich zwar im österreichischen Fußball etabliert, aber nie größere Erfolge gefeiert.
Gerade erst ist die Mannschaft aus der Bundesliga abgestiegen. Raphael Wolf, der Torhüter, wird den Gang in die Zweitklassigkeit nicht mit antreten. Denn Werder hat ihn in Kapfenberg gefunden: Als den Mann, der die durch Tim Wieses Abschied freie Planstelle im Torwartbereich besetzt und der Sebastian Mielitz künftig Konkurrenz machen soll.
Der Kampf um den Posten im Werder-Tor ist damit eingeläutet. Denn die Bremer haben sich bei allen denkbaren Planspielen für den Mittelweg entschieden. Es ist kein etablierter Mann geworden, der klar vor Mielitz stehen würde. Und es ist auch kein Nachwuchsmann oder Torwart im Herbst seiner Karriere geworden, der klar hinter Mielitz einzuordnen wäre. Wolf, der einen Vertrag bis 2015 unterschrieb und ablösefrei wechselt, ist der Mann neben Mielitz. "Er hat perfekt in unser Anforderungsprofil gepasst", sagte Sportchef Klaus Allofs. Nächsten Monat wird Wolf 24 Jahre alt, Mielitz im August dann 23.
"Beidfüßig, ein guter Fußballer"
Als "gleichwertig" schätzt Zlatko Junuzovic dann auch die beiden Torhüter ein – was der österreichische Mittelfeldspieler deshalb kann, weil er beide kennt. Bis zu seinem Wechsel im Winter hat er gegen Wolfs Kapfenberger gespielt, seitdem erlebt er Mielitz in Bremen täglich.
"Es wird ein Konkurrenzkampf werden – und es ist immer gut, wenn es den gibt", findet Junuzovic, "mal sehen, wer nach der Vorbereitung die besseren Karten haben wird."
Das, was Wolf dabei für sich geltend machen kann, ist: einiges an Erfahrung. 104 Spiele hat er in den vergangenen drei Jahren in der österreichischen Bundesliga absolviert – wobei die allerdings nicht eben zu den stärksten Ligen Europas zählt. "Ich freue mich für ihn, dass er diesen Sprung macht – auch wenn es ein großer ist", sagt Werders österreichischer Innenverteidiger Sebastian Prödl entsprechend, "ich denke, dass es wohlüberlegt ist von Werder. Er soll ,Miele’ wohl Druck machen." Dass Wolfs Zeit in Österreich zudem noch mit dem Abstieg endete – Werders Torwarttrainer Michael Kraft mag es nicht als Makel sehen.Eher schon als weitere Erfahrung, die Wolf noch gestärkt haben sollte. "In dieser sportlichen Situation hat er bei Kapfenberg ja umso mehr auf den Kasten draufbekommen", sagt Kraft, "und da hat er sehr gute Leistungen gebracht."
Moderne Art von Torwartspiel ist gefragt
Worauf es ihnen in Bremen viel mehr ankommt: Auf die moderne Art von Torwartspiel, mit der sich der abgewanderte Tim Wiese recht schwergetan hat. "Weltweit ist es im Fußball doch so, dass der Torwart als zusätzlicher Feldspieler mit eingebunden wird", sagt Kraft. Und Wolf, zu der Überzeugung sind sie in Bremen gekommen, ist so ein Typ. "Beidfüßig, ein guter Fußballer", sagt Kraft. Vor zwei Jahren ist ihnen der gebürtige Münchner, der vor seinem Wechsel nach Österreich in der Regionalligaelf des HSV spielte, erstmals angeboten worden. Als die Torwartsuche in diesem Jahr akut wurde, war Wolf "im weiteren Kreis", sagt Kraft.
Und spätestens am 5. Juli, mit dem Start der Saisonvorbereitung, ist er mittendrin im Kreis der Werderaner. "Er kommt zu uns, um sich zu beweisen – und das erwarte ich auch von Sebastian Mielitz", sagt Trainer Thomas Schaaf, "das wird eine Konkurrenzsituation auf hohem Niveau – so wie wir uns das gewünscht haben."






















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