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Werder-Jubilar Höttges Vom "Eisenfuß" zum 1a-Libero

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Horst-Diester Höttges 1973 im Hamburger Volksparkstadion. Die deutsche Fußballnationalmannschaft gewinnt vor 45.000 Zuschauern das Länderspiel gegen Bulgarien mit 3:0.

 Er war nie ein Mann der großen Worte. Doch man konnte sich auf das verlassen, was er sagte – vor allem auf diesen Satz. „Mit mir wird Werder nie absteigen“, sagte Horst-Dieter Höttges schon Ende der 1970er-Jahre, als die Abstiegsangst fast ständig mitspielte bei Werders Bundesliga-Auftritten.

Horst-Dieter Höttges und sein Eisenfuß wurden im Werder-Museum auf einem Gemälde verewigt. Werders Meistermannschaft von 1965 vor dem letzten Spiel der Saison. Höttges kniet als zweiter von links in der ersten Reihe. Fotostrecke: Bilder aus der Karriere von Horst-Dieter Höttges

Und er hielt Wort: Erst 1980 erwischte es die Bremer zum ersten und einzigen Male – ohne „Eisenfuß“ Horst-Dieter Höttges. Denn den hatte man 1978 aussortiert – Werder plante den Neuanfang und hielt seinen Rekordnationalspieler (vor Rudi Völler, 41 Länderspiele, und Marco Bode, 40) für zu alt.

Es war das wenig rühmliche Ende einer außergewöhnlichen Karriere. Denn als Horst-Dieter Höttges seine Profi-Karriere beendete, hatte er so ungefähr alles erreicht, was man sich als Fußballer erträumen kann: 66 A-Länderspiele, Europameister (1972), Weltmeister (1974) und Vize-Weltmeister (1966) sowie Deutscher Meister (1965) mit Werder.

Es schmälert seine Lebensleistung als Fußballer nicht, dass er gerade bei seinen WM-Teilnahmen 1966 und 1974 der Pechvogel der Deutschen war: 1966 im Finale gegen England traf sein Gegenspieler Geoff Hurst gleich dreimal ins deutsche Tor, einschließlich des in die Geschichte eingegangenen „Wembley-Tores“. Und als es 1974 in der Vorrunde gegen die DDR ging, rutschte Höttges im Duell mit Gegenspieler Sparwasser aus. Der schoss das Tor des Tages zum 1:0-Sieg der DDR gegen den späteren Weltmeister, es war zugleich der letzte Auftritt von Höttges im DFB-Trikot.

Doch wenn heute zu seinem 70. Geburtstag alle Redner nur Gutes über einen von Werders sieben Ehrenspielführern sagen werden (außerdem Pico Schütz, Dieter Burdenski, Dieter Eilts, Marco Bode, Frank Baumann und Richard Ackerschott), stehen dessen 14 Jahre im Bremer Trikot im Mittelpunkt.

Die übrigens eher zufällig begannen. Denn nachdem Höttges für Mönchengladbach in der Regionalliga West eine starke Saison gespielt hatte, buhlte auch der Hamburger SV um den gebürtigen Gladbacher. Man überhäufte ihn mit Lob, auch Uwe Seeler kümmerte sich intensiv um ihn. „Komm zu uns, Du wärst einer von uns“, lockte das HSV-Idol. Doch „Uns Uwe“ hatte die Rechnung ohne Hans Wolff gemacht, Werders damaligen Geschäftsführer und starken Mann. Der schaffte es, ihn zum Wechsel nach Bremen zu überreden.

Aber das ging nicht ganz so einfach, wie es heute klingen mag. Denn in jenen Jahren waren Vertragsunterzeichnungen erst ab einem bestimmten Stichtag möglich, zu dem Werder gerade auf Turnierreise in die USA war. Also flog Höttges mit – verborgen hinter einer großen Sonnenbrille und mit Hut verkleidet, kein Reporter sollte ihn beim Abflug identifizieren.

Die folgende Saison endete bekanntlich mit Werders erster Meisterschaft, an der Höttges wesentlichen Anteil hatte. Er war der unbestrittene Star der wohl besten Werder-Abwehr aller Zeiten, er selbst erinnert sich: „Wenn wir auswärts ein Tor schossen, konnten wir schon nicht mehr verlieren. Und meistens gewannen wir.“

Der Fußballer Höttges machte im Laufe seiner 14 Werder-Spielzeiten, in denen er 420 Spiele für Grün-Weiß bestritt und 55 Tore schoss (39 davon mit unnachahmlichen Elfmetern), spielerisch eine verblüffende Wandlung durch. Der „Ein-Mann-Torpedo“ der frühen Jahre, der jedoch trotz aller Kompromisslosigkeit nie vom Platz gestellt wurde, entwickelte sich zu einem technisch starken Spieler mit großer Übersicht, der in seinen letzten Profi-Jahren einen exzellenten Libero spielte.

Und die Rolle spielte er auch noch ein Jahr nach seinem offiziellen Karriere-Ende 1978. Da steckte Werders zweite Mannschaft in großer Abstiegsnot, der damalige Amateurchef Klaus-Dieter Fischer erinnerte sich an Höttges und bat ihn um Hilfe. Der ließ sich nicht lange bitten, zog die Stiefel wieder an und trug mit einem verwandelten Elfmeter im entscheidenden Spiel zur Rettung bei.

Horst-Dieter Höttges blieb Werderaner, sein Leben lang. Viele Jahre betreute er eine Jugendmannschaft, noch heute ist er fast täglich auf der Geschäftsstelle anzutreffen – stets bereit zu helfen, wenn mal Not am Mann ist. Und das ist häufig der Fall. „Werder war der Glücksfall meines Lebens. Ich habe diesem Verein alles zu verdanken“, sagte er kürzlich. Was er nicht sagt: Auch Werder hat ihm sehr viel zu verdanken.




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Leserkommentare
joachimpape am 31.10.2014 19:32
Ein Aufschrei vom Sportverein"Wir" kennen den Mann nicht".
Das mag ja sein, aber kann man(n) nicht eine klare Aussage im heutigen Sinne ...
joachimpape am 31.10.2014 18:52
Habe über den Artikel lange Nachgedacht.
Menschen ausgrenzen, "Gut" Mensch sein, geht es? Ich denke nicht
Klare Vorgabe der Politik, ...
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