
Torsten Frings, Sie sind jetzt ein Jahr beim Toronto FC und trotzdem steht der Verein da, wo er schon vor Ihrer Zeit rangierte: am Tabellenende. Woran liegt‘s, dass der TFC einfach nicht aus dem Keller kommt?Torsten
Frings:Das ist ein ganz anderes Niveau hier. Die Spieler kommen von der Schule oder dem College, werden direkt Profis. Die haben nicht eine so gute Ausbildung wie die jungen Spieler in Deutschland oder in Europa. Von daher ist es ein Prozess, dass man sich eher langsam steigert und versucht, sich eine Mannschaft zusammenzukaufen oder durch Spieler-tausch zusammenzustellen. Ich denke, dass wir da auf dem richtigen Weg sind.
Zuletzt gab‘s zwei Siege nacheinander – sowas kommt nicht allzu oft in Toronto vor.
Das stimmt. Ich denke, wir haben uns jetzt unter dem neuen Trainer (Paul Mariner ersetzte den Anfang Juni entlassenen Aron Winter/Anm. d. Red.) ein bisschen gefangen, spielen ein anderes System, das wir allmählich verinnerlichen. Und ich denke, man sieht langsam auf dem Platz, dass wir auch erfolgreicher werden.
Wie würden Sie Ihr erstes MLS-Jahr zusammenfassen?
Es ging sehr schnell rum, obwohl es auch sehr hart war. Wenn man es nicht kennt, denkt man immer, es ist leicht in der MLS zu spielen. Aber die weiten Reisen, allein nach Los Angeles sind es sechs Flugstunden, die zehren ganz schön an den Kräften und sind nicht so einfach.
Und demnächst wird‘s noch anstrengender, wenn wieder die Champions League-Spiele in Lateinamerika anstehen.
Wir spielen derzeit alle drei Tage. Das ist unglaublich, mal hast du einen Monat lang gar kein Spiel, und dann spielst du wirklich fünf, sechs Wochen lang dreimal pro Woche.
Sie sind Kapitän, Führungsspieler, Fanliebling im Verein. Welchen Status haben Sie in der Sportstadt Toronto, in der es ja noch Eishockey, Basketball und Baseball gibt?
Keine Ahnung, kann ich nicht beurteilen, ist mir auch nicht so wichtig.
Aber wie ist es, wenn Sie durch die Stadt gehen?
Dann kann ich in Ruhe einen Kaffee trinken, ohne dass ich belästigt werde. Das ist bei jedem Sportler in Toronto so. Die Leute unterstützen dich als Fan in deiner Sportart, aber in der Stadt lassen sie dir dein privates Leben.
Wie genau verfolgen Sie Werder Bremen?
Ich habe natürlich noch Kontakte zu Werder und denke, dass Klaus Allofs und Thomas Schaaf einen guten Job dort machen und auch sehr gute, interessante Spieler geholt haben für die neue Saison.
Mit Tim Wiese, Claudio Pizarro und Tim Borowski sind drei Ihrer langjährigen Weggefährten gegangen, dafür sind andere Profis gekommen. Was erwarten Sie von der neuen Mannschaft in der kommenden Saison?
Ich drücke Werder die Daumen, dass sie erfolgreich sind. Aber um irgendwas sagen zu können, bin ich zu weit weg.
Es war im Gespräch, dass Sie nach Ihrem Karriere-Ende eine Funktion bei Werder übernehmen. Wie ist da der aktuelle Stand?
Da warten wir einfach mal ab, bis meine Karriere zu Ende ist. Und dann werden wir schon sehen, was passiert. Ich könnte nach dieser Saison noch ein Jahr in Toronto spielen. Aber ob ich das mache, weiß ich noch nicht. Das geht auch niemanden etwas an, zumindestens jetzt noch nicht.
Immer eine beliebte Frage um diese Jahreszeit: Wer wird Deutscher Meister?
Keine Ahnung, ich bin jetzt schon ein Jahr in Toronto und die Bundesliga kann man hier nicht so viel gucken. Aber Hut ab vor Dortmund, was sie in den vergangenen zwei Jahren erreicht haben. Bayern muss erstmal besser sein.
Um besser zu werden, haben die Münchner Matthias Sammer als Sportvorstand verpflichtet. Was erwarten Sie von dieser Zusammenarbeit?
Ich kann den Bayern nur gratulieren, dass sie so einen Mann jetzt haben. Er ist ein Fußball-Verrückter, der sicherlich den Erfolg zurückbringen wird.






















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