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Interview mit Hannover 96-Präsident Kind "Werder ist unser Vorbildverein"

Hannovers Präsident Martin Kind hält große Stücke auf Werder.
Hannovers Präsident Martin Kind hält große Stücke auf Werder.

Herr Kind, in den letzten zwei Jahren konnte sich Hannover 96 jeweils für die Europa-League qualifizieren. Werder Bremen nicht. Haben die beiden Klubs ihre Rollen getauscht, oder wie sehen Sie den Abstand aktuell?

Martin Kind:Werder Bremen war und ist unser Vorbildverein. Man darf bei so einem Vergleich keine vorschnellen Beurteilungen treffen. Das einzige, was man erkennen kann, ist, dass bei Werder temporär eine Neustrukturierung stattfindet. Und soetwas ist nie ganz einfach.

Die Nummer 1 im Norden kommt momentan aber ganz klar aus Hannover...

Als Momentaufnahme ist das in Ordnung. Es geht aber bei diesen Dingen immer um Nachhaltigkeit. Und wenn wir auf die Zeitachse gucken, dann liegen Werder, der HSV und Wolfsburg klar vor uns. Für uns ist es aktuell eine tolle Sache, aber jetzt gilt es, das zu bestätigen.

Hat Hannover 96 langfristig das Potenzial, sich vor den Nordrivalen zu positionieren? Im Vergleich zu Werder haben Sie immerhin schon das größere Stadion und die bessere Infrastruktur.

Werder Bremen spielt jahrzehntelang in der ersten Liga, und wir spielen jetzt erst im zehnten Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse. Ich denke, das beschreibt schon den gesamten Unterschied. Aber ich bin mit der Entwicklung in Hannover selbst sehr zufrieden. Wir wissen, dass wir noch viel zu tun haben, um mit Werder gleich zu ziehen.

In Bremen findet derzeit ein großer Umbruch statt. Die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte liegt hinter Werder. Zuletzt gab es Aufregung um einige Fans, die erstmals den Abgang von Thomas Schaaf forderten. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage an der Weser ein?

Klaus Allofs und Thomas Schaaf haben in Bremen unglaublich erfolgreiche Arbeit geleistet. Jetzt haben sie ihr sportliches Ziel nicht ganz erreicht, stehen aber dennoch stabil in der Liga. Es ist ein ganz normaler Prozess, dass es nun zu einer Neuordnung kommt. Man sollte den beiden Herren jetzt vertrauen und sie in Ruhe arbeiten lassen, dann werden sie schnell wieder eine gute Rolle im oberen Tabellendrittel spielen.

Jeder Verein in der Liga wünscht sich Kontinuität. Klaus Allofs und Thomas Schaaf galten in Bremen lange als Paradebeispiel. Ist Kontinuität ohne Erfolg überhaupt möglich?

Das ist eine berechtigte Frage. Das Produkt Fußball ist natürlich ein Kurzläufer. Es ist ergebnis- und erfolgsorientiert. Sie haben immer nur eine Saison, um ihre Leistungen zu definieren und erfolgreich umzusetzen. Die Erwartungen der Fans sind immer unglaublich hoch, und wo es hohe Erwartungen gibt, gibt es genauso schnell Kritik. Ich denke, das muss man ertragen.

Bei einer Umfrage unserer Zeitung haben 56 Prozent der Teilnehmer abgestimmt, dass Thomas Schaaf nicht mehr der richtige Trainer für Werder ist. Inwiefern muss die Führungsetage eines Vereins auf die Meinungen der Fans reagieren?

Der Vorstand muss immer eine eigene Strategie haben. Danach muss er seine Entscheidungen ausrichten. Es wird nicht möglich sein, auf Grund von Fanreaktionen Entscheidungen zu treffen. Wer das macht,verfolgt keine klare Linie. Wenn der Vorstand meint, dass ein Schritt notwendig ist, muss er ihn auch treffen – aber auch nur dann.

Bei vielen Vereinen wird die Geduld der Fans aber auf eine harte Probe gestellt...

Es wird immer Schwankungen in der Tabelle geben. Dortmund schwebt gerade im siebten Himmel, aber wer weiß schon, wie es dem BVB in drei Jahren geht. Bremen steckt jetzt momentan mitten in einem Tief, und wir sind aus diesem Tief gekommen. Wichtig ist, dass Fans insbesondere in schwierigen Phasen ihren Verein unterstützen. Da zeigt sich erst die endgültige Identität zwischen Zuschauer und Verein.

Als Pendent zu Allofs/Schaaf haben Sie in Hannover Jörg Schmadtke und Mirko Slomka installiert. Herr Schmadtke hat kürzlich seinen Abschied angekündigt. Nun bleibt er doch. Bestand die Gefahr, den eingeschlagenen Erfolgsweg ohne ihn nicht weiter gehen zu können?

Eine Gefahr habe ich nicht gesehen, aber es wäre ganz klar ein Rückschlag gewesen. Herr Schmadtke hat mit uns einen bestehenden Arbeitsvertrag, der nur in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst werden kann. Das haben wir nicht getan. Ich habe dafür gekämpft, ihn zu überzeugen, dass wir die Probleme gemeinsam lösen und zwar so, dass er weiter für 96 tätig ist.

Es ist auch ein großes Verdienst von Jörg Schmadtke, dass Hannover 96 die Leistungsträger zuletzt halten konnte. Bei Werder hingegen wandern regelmäßig große Spieler ab. Verraten Sie uns doch mal, wie Werder Bremen Spieler wie Claudio Pizarro und Naldo halten kann.

Ich kann die Transfers in Bremen schlecht beurteilen. In Hannover hatten wir früher große Probleme, Spieler für uns zu gewinnen. Heute sind wir eine Marke geworden und können Vertragsgespräche selbstbewusst führen. Ein seriöser Verein, bei dem sich etwas entwickelt, hat Perspektive. Und Perspektive ist immer gut. Bei Werder fehlt das momentan vielleicht ein wenig. Die kommen gerade aus der Champions-League, das sorgt bei Spielern vielleicht für differenzierte Denkansätze. In so einer Phase ist das immer etwas schwierig, aber das ist zeitweilig und kein Dauerzustand.

Habe ich Sie richtig verstanden, dass die Diego´s und Özil´s momentan eher nach Hannover gehen würden als nach Bremen?

Das weiß ich nicht. Nein, also wenn ich die Zahlen, die mir bekannt sind, einordne, ist Hannover im Bereich der Gehaltsstrukturen noch nicht wettbewerbsfähig mit Werder Bremen. Wenn es nur um das Gehalt geht – ansonsten schon.



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Leserkommentare
svwhesse2 am 24.05.2013 19:35
@Paulchen 77

vielen Dank für deinen Kommentar. Genauso sehe ich das auch!!
Netzorath am 24.05.2013 19:13
@adagiobarber

Es hält sich aber weiterhin das Gerücht, Scholl habe hier etwas gekauft und komme zu Werder. Für die Jugendarbeit, als ...
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