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Auf wen setzt Werder künftig?

30.11.20168 Kommentare

GER, 1.FBL, Training Werder Bremen
Soviel zum Thema technische Schwächen: Ousman Manneh kann mit dem Fußball auch Kabinettstückchen machen. (nordphoto)

Florian Kohfeldt war vor eineinhalb Wochen ziemlich beeindruckt. Die von ihm trainierte U23-Mannschaft lag im Drittligaspiel bei Hansa Rostock mit 0:1 zurück, als es einen Elfmeter für Werder gab. „80. Minute, 10.000 Fans, die pfeifen – und Maxi nimmt sich den Ball und haut ihn in den Winkel“, so schildert Werders U23-Trainer die Szene, die Werder am Ende einen Punktgewinn bescherte.

Maximilian Eggestein ist einer der Spieler im Verein, dem sie bei Werder eine Bundesliga-Karriere zutrauen. Nach Thomas Schaaf war er im November 2014 der zweitjüngste Spieler, der je für Werder in der Bundesliga zum Einsatz gekommen ist. Zehn Erstligaspiele hat Eggestein, der in einer Woche 20 wird, für Werder gemacht. In dieser Saison hat er für 16 Minuten beim 0:6 gegen die Bayern gespielt.

SV Werder Bremen II - SSV Jahn Regensburg (3. Liga, Herren)
Der große Eggestein: Maximilian wird bald 20 und immer reifer. (Oliver Baumgart)

Seit der Verkleinerung des Profikaders ist die U23 seine Heimat. Eggestein, so die Begründung damals, solle ein festes Team haben, nicht ständig zwischen Training mit den Profis und Einsätzen in der Zweiten pendeln. Sein Trainer Florian Kohfeldt sagt: „Es war eine sehr gute Entscheidung, es bei ihm so zu machen. Maxi hat ein, zwei Wochen gebraucht, um die neue Rolle anzunehmen. Jetzt ist er unheimlich wichtig für uns.“

Eggestein wird Kapitän

Kohfeldt hat das am Wochenende dadurch dokumentiert, dass er Eggestein zum Kapitän der U23 machte. „Maxi übernimmt Verantwortung auf dem Platz“, sagt Kohfeldt. Und nicht nur gegen Rostock, sondern auch gegen Großaspach schoss er Werders einziges Tor, diesmal zum 1:0-Sieg. „Er ist ein Mannschaftsspieler im besten Sinne“, sagt Kohfeldt. Ob Maximilian Eggestein dauerhaft in der Bundesliga spielen könnte? Der Trainer ist davon überzeugt, ja.

Frank Baumann hat vor zehn Tagen auf der Mitgliederversammlung eine Rede gehalten, die sein Kerngebiet betraf. Es ging um die künftige Kaderplanung. Und Baumann, Werders Sportchef, traf ein paar markige Feststellungen. Die Mannschaft, die im neuen Jahr spielen werde, so Baumann, werde eine andere sein.

Man werde die Spieler stärker in die Pflicht nehmen. Und: Man werde in Zukunft ein paar Kaderplätze bei den Profis für die größten Talente im Verein frei halten. Einen genauen Zeitpunkt nannte Baumann allerdings nicht. Die größten Talente, die Werder im Moment im Herrenbereich hat, heißen neben Maximilian Eggestein noch Niklas Schmidt, Johannes Eggestein und Ousman Manneh.

Fotostrecke: Das ist Werder-Profi Ousman Manneh

Ousman Manneh war schon ein echter Bundesliga-Profi in dieser Saison. Der neue Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft, Alexander Nouri, hatte Manneh, 19 Jahre jung und vor rund zwei Jahren aus Gambia geflüchtet, mit in die Erstliga-Truppe hochgenommen. Sechs Mal stand Manneh daraufhin in der Startelf und schoss bald sein erstes Bundesligator. Zwei Torvorlagen kommen dazu. Seit dem Schalke-Spiel Anfang November, das er von der Ersatzbank verfolgte, spielt er wieder für die U23. „Er ordnet das richtig sein“, sagt sein Trainer Florian Kohfeldt.

Die jüngere Vergangenheit bei Werder hat gezeigt, dass es Talenten aus dem Profikader nicht immer leicht fiel, sich in der Drittliga-Mannschaft auf Anhieb zurechtzufinden. Gefühlt war dies für einige ein Abstieg. Ousman Manneh scheint da anders zu sein, jedenfalls sagt das der Trainer. „Ous ist vom Typ her ein sehr dankbarer Mensch. Er hat sich nach seiner Rückkehr in die U23 zum Beispiel gefreut, Rafael Kazior wiederzusehen.“ Kazior, 33 Jahre alt und der etatmäßige Kapitän der U23, ist eine Art großer Bruder für Manneh.

Einer der defensivstärksten Stürmer

Dass Manneh in die Bundesliga zurückkehren wird, steht für Kohfeldt außer Frage: „Ous ist einer der defensivstärksten Stürmer, die ich kenne. Er ist sich für keinen Weg zu schade.“ Tatsächlich waren Mannehs Physis, sein nimmermüder Einsatz, seine Gabe, zwei Abwehrspieler dauerhaft zu beschäftigen, der entscheidende Grund, weshalb Nouri ihn zunächst mit zu den Profis nahm.

Schwächen in der Ballbehandlung und im Kombinationsspiel waren zwar unübersehbar. „Aber sich nur daran öffentlich abzuarbeiten, wie es nach den letzten Spielen den Eindruck machte, ist unfair“, sagt Kohfeldt. Mit der nötigen Erfahrung und Spielpraxis in der Zweiten ist Manneh für Kohfeldt ein Stürmer mit Zukunft.

Es ist seit ein paar Jahren erklärtes Ziel von Werder, die Bundesliga-Profis von morgen selbst auszubilden. Bei Werder haben unter Robin Dutt und Viktor Skripnik in Summe deutlich mehr Nachwuchsleute ihre ersten Schritte in der Bundesliga machen dürfen als noch zu der Zeit, als Werder Dauergast in der Champions- und Europa-League war.

Die hauseigenen Bundesliga-Debütanten

Die Liste der hauseigenen Bundesliga-Debütanten seit 2013 ist lang: Richard Strebinger, Melvyn Lorenzen, Martin Kobylanski, Levent Aycicek, Marnon Busch, Oliver Hüsing, Janek Sternberg, Maximilian Eggestein, Lukas Fröde, Luca Zander, Marcel Hilßner, Leon Guwara, Niklas Schmidt und Ousman Manneh. Wirklich geschafft haben es bisher nur Davie Selke und Florian Grillitsch.

Bei 16 Bundesliga-Einsteigern in dreieinhalb Jahren braucht Werder diesen Anreiz vermutlich nicht wirklich, aber ab der nächsten Saison lohnt sich der Einsatz von U23-Spielern mehr denn je. Denn er ist bares Geld wert. Zwei Prozent aus der Inlandsvermarktung des neuen TV-Vertrages, das sind 24 Millionen Euro, werden demnächst pro Saison nach den Einsatzzeiten von U23-Spielern an die Vereine ausgeschüttet.

Aktuell wäre der SC Freiburg der Klub, der aus diesem Topf das meiste Geld bekäme. Werder hat dagegen noch Luft nach oben. Im Nordderby gegen den HSV setzte Trainer Alexander Nouri lediglich zwei deutsche U23-Spieler ein: Robert Bauer und Serge Gnabry.

GER, 1.FBL, Training Werder Bremen
Der kleine Eggestein: Johannes gilt als eines der größten deutschen Stürmertalente. (nordphoto)

Als das Nordderby im Volksparkstadion stattfand, stand Johannes Eggestein parallel dazu bei der U23 auf dem Platz. Im Sommer galt der jüngere der beiden Eggestein-Brüder nach verheißungsvoller Vorbereitung noch als größtes Versprechen für Werders Zukunft im Sturm. Gespielt hat er in der Bundesliga bis heute nicht. Der 18-Jährige hat seinen Stammplatz in der Zweiten. In acht Spielen sind ihm zwei Tore gelungen, zwischenzeitlich war er verletzt.

Florian Kohfeldt sagt: „Er steht da, wo wir ihn erwartet haben.“ Eggestein spielt seine erste Saison im Herrenbereich, dürfte sogar noch für die U19 auflaufen. „Man merkt, dass er sich an den Profifußball gewöhnen muss“, sagt Kohfeldt, „aber das ist ja überhaupt nichts Schlimmes.“ Insgesamt sei seine Entwicklung sehr gut.

Kohfeldt lobt Eggesteins „unglaublich guten Bewegungen im Strafraum. Er sieht Lücken, weiß, wo er stehen muss.“ Taktisch und spielerisch gebe es auch eher wenig zu bemängeln. Zu lernen habe Eggestein noch, wie er Bälle behauptet, was er machen muss, wenn ihn der Gegenspieler in seinem Rücken bearbeitet, „und dieser Gegenspieler nicht der U19-Verteidiger von Jena ist“. Sondern ein ausgebuffter Drittliga-Profi. Dass Johannes Eggestein früher oder später sein Bundesliga-Debüt gibt, ist unumstritten. Die Frage ist nur: Wann?

Harte Entscheidungen

Auf die Sportliche Leitung, also Frank Baumann als Sportchef und Alexander Nouri als Cheftrainer, kommen harte Entscheidungen zu. Damit in absehbarer Zukunft tatsächlich Platz für einen wie Johannes Eggestein bei den Profis ist, müssen andere bei den Profis ihren Platz räumen. Das wird die Herausforderung schon für die Zeit zwischen den Jahren: Auf wen setzt Werder künftig? Welcher Spieler ist entbehrlich?

Meint Werder es ernst damit, künftig Plätze für seine besten Spieler freizuhalten, dann muss der Klub sechs, sieben vermeintlich gestandene Spieler abgeben. Keine leichte Aufgabe auf dem Winter-Transfermarkt. Am 3. Januar beginnt Werder mit der Vorbereitung, fliegt am nächsten Tag ins Trainingslager nach Andalusien. Idealerweise sollten dann die ersten Personalentscheidungen gefallen sein, sonst wird es eng auf dem Trainingsplatz.

Fotostrecke: Das ist Werder-Profi Niklas Schmidt

Ob Niklas Schmidt dann dabei sein wird? Der 18-jährige Mittelfeldspieler, der nahezu alle U-Nationalmannschaften des DFB durchlaufen hat, nutzte sein 14-minütiges Bundesliga-Debüt gegen Wolfsburg dafür, um Theo Gebre Selassie den Ball nach einer Ecke zum siegbringenden Kopfballtor zu servieren. „Niklas ist einer, der Spiele entscheiden kann“, sagt Kohfeldt. Stark im Tempodribbling, gut in den Zwischenräumen – der Linksfuß, der aktuell bei Werder noch eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann macht, bringt alles mit, was im modernen Fußball gefragt ist, zumindest für die Offensive.

Am Defensivverhalten muss er noch arbeiten, auch die Konstanz im Spiel fehlt mitunter, dann ist phasenweise nicht viel von ihm zu sehen. „Aber da hat er einen Sprung gemacht“, sagt Kohfeldt, dessen Gesamtfazit zu Schmidt mit Blick auf dessen Alter so ausfällt: „Der Idee, die wir mit ihm haben, sind wir schon voraus.“ Jetzt muss er nur oben, bei den Profis, auch irgendwann einen Platz bekommen.


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Bremen ohne Werder - das ist unvorstellbar! Und das Profiteam, das in der Bundesliga um Punkte und Tore kämpft, ist das Herzstück des Vereins. Auf dieser Seite gibt es News, Fotos und Videos rund um die Werder-Profis.

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