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Mitgliederversammlung bei Werder Bremen Grün-weiß in tiefroten Zahlen

05.11.2012 24 Kommentare

Geschäftsführer Klaus allofs bei der Mitgliederversammlung

Dass es so kommen würde, es war lange klar. Schon vor einem Jahr, als die Geschäftsführung der „Werder Bremen GmbH & Co. KG aA“ den Mitgliedern des Vereins auf der jährlichen Versammlung für 2010/2011 noch einen prächtigen Anstieg des Gewinns auf 8,2 Millionen Euro verkünden konnte, musste zugleich gebremst werden. Im Jahr darauf, so die Botschaft der Geschäftsführer Klaus Allofs und Klaus Filbry im November 2011, würde es zwangsläufig abwärts gehen. Denn der teure Kader, in den fetten Champions-League-Jahren zuvor mit erklecklichen, teils langfristigen Verträgen ausgestattet, verdiente erstmals seit Jahren kein Geld mehr im internationalen Wettbewerb, im DFB-Pokal war ebenfalls schon in Runde eins Schluss gewesen. Gestern nun legte die GmbH offen, wie sehr es im Geschäftsjahr 2011/12 finanziell tatsächlich abwärts gegangen ist: kräftig.

Die Marke von 100 Millionen Euro Umsatz, erstmals 2006/07 überschritten und seither jeweils deutlich übertroffen, wurde mit 95,6 Millionen Euro nun klar verfehlt (minus 24,3 Millionen). Entsprechend ist die Zahl, die unter dem Strich bleibt, eine tiefrote: der Verlust beläuft sich auf 13,9 Millionen Euro. Das klingt an sich nicht gut – und wird nicht besser, wenn man sich vor Augen führt, dass der Weg von 8,2 Millionen Gewinn zu 13,9 Millionen Verlust binnen eines Jahres eine Spanne von 22,1 Millionen Euro umfasst. „Wir fühlen uns nicht wohl in unserer Haut und hätten gerne ein anderes Ergebnis präsentiert“, sagte Klaus Allofs, der Vorsitzende der Geschäftsführung, „aber das ist kein Grund zur Panik.“

Entsprechend gelassen zeigte sich Werders Führung trotz der schlechten Nachrichten für die rund 260 versammelten Vereinsmitglieder – darunter Mannschaftskapitän Clemens Fritz und sein Vize Aaron Hunt – in der Halle an der Hemelinger Straße. „Absolut beherrschbar“, nannte Geschäftsführer Klaus Filbry, in dessen Zuständigkeit die Finanzen fallen, die Zahlen – weil sie am Ende sogar positiver als befürchtet ausgefallen waren. Der Transfer von Per Mertesacker zum FC Arsenal im August 2011 spielte dabei ebenso eine Rolle wie später der Verkauf von Wesley zurück nach Brasilien, was diesen sportlichen Fehlgriff zumindest finanziell noch einigermaßen abmilderte.

Und: Werder hat inzwischen auf die veränderte Situation reagiert, der „Konsolidierungskurs läuft“, sagte Filbry. Dazu gehört, dass weiter an der Kostenschraube gedreht wird. Der Kader wurde im Sommer radikal umgebaut. Heißt: Da die sportlichen Ziele und damit verbundenen Einnahmen verfehlt wurden, musste er preiswerter werden. „Wir haben das Gehaltsvolumen erheblich reduziert und werden das auch weiterhin tun müssen. Kosten zu reduzieren, das ist ein klarer Auftrag des Aufsichtsrats“, erklärte Allofs.

Saison 2011/2012: Keine internationale Teilnahme.
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Fotostrecke: Werders Geschäftsjahre ab der Saison 2003/2004

In die Qualität der Mannschaft wurde dennoch investiert – „mit Augenmaß“, sagte Filbry. Dieses Augenmaß bedeutet auch, dass – Sparzwang hin oder her – die sportlichen Ziele dabei nicht auf der Strecke bleiben dürfen. Denn wenn die Entwicklung der Zahlen seit 2003/04 eines gezeigt hat, dann das: Will Werder gut dastehen, sind die Einnahmen aus dem internationalen Geschäft unerlässlich.

Schließlich haben jene sechs Jahre Champions League plus ein Jahr Europa League dazu beigetragen, dass die GmbH den Ball trotz des hohen Verlustes nun flach halten kann. „Die Stimmungslage ist trotzdem gut“, erklärte Filbry, „weil wir uns ein gewisses Polster erarbeitet haben, von dem wir zehren können.“ Die Rücklagen federn das Minus ab; will der Verein einen Spieler – so wie im Sommer Elia, Sokratis oder Gebre Selassie – verpflichten, muss auch weiterhin nicht erst die Bank um Erlaubnis gefragt werden. Die Eigenkapitalquote als Zeichen für die Stärke eines Unternehmens sank zwar auf nun 48 Prozent (Vorjahr: 53), ist laut Filbry damit aber dennoch „sehr gut“. In der Bundesliga finde man nur wenige Vereine mit einer ähnlich guten Eigenkapitalquote.

Auf der anderen Seite steht das Bewusstsein, dass Werder sich darauf nicht ewig wird verlassen können. Doch auch wenn sich der Stand im November 2012 – Einnahmen aus Europapokal und DFB-Pokal fehlen – nicht von dem im November 2011 unterscheidet, zeigte sich Allofs optimistisch, dass „für die laufende Saison ein verbessertes Ergebnis zu erwarten sein wird“. Verbessert, das konnte angesichts des hohen Verlustes viel heißen. Und so wollte sich sein Kollege Filbry aus dem Finanzressort dieses Mal auch lieber nicht festlegen, ob die Zahlen des kommenden Jahres nun etwas weniger rot oder möglicherweise sogar wieder schwarz sein werden. Für Prognosen, sagte er, „ist es noch zu früh“.


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