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Das Riva ist zu empfehlen - aber der letzte Kick fehlt

Marcel Auermann 28.02.2019 0 Kommentare

Das Riva liegt in der Überseestadt direkt am Wasser.
Das Riva liegt in der Überseestadt direkt am Wasser. (Christina Kuhaupt)

Die Jammerei über die Überseestadt ist in der Stadt so verbreitet, dass schnell der Eindruck entstehen könnte, dass es sich am Abend tatsächlich um einen Geisterstadtteil handelt. Tote Hose, nichts los, lautet das weit verbreitete Urteil. Dementsprechend überrascht waren wir, als wir gegen 20 Uhr das Riva betraten. Das Restaurant war proppenvoll. Es herrschte Betriebsamkeit, untermalt von einem ordentlichen Stimmengewirr und einem Musikteppich. Die unbesetzten Tische konnten wir an einer Hand abzählen. Darunter befand sich auch unserer, den wir schon Tage vorher reserviert hatten. Zum Glück.

Das Riva ist modern eingerichtet mit schweren Holzmöbeln, einer gut ausgestatteten Bar, die der Innenarchitekt spektakulär mit Licht in Szene setzte, einer Küche hinter Glas, die fast die komplette Breite des Lokals einnimmt und in die die Gäste jederzeit hineinschauen können. Die Farbgebung mit Orange- und Brauntönen und einem gedimmten Licht schafft eine kommode Atmosphäre, die einen herunterkommen lässt.

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Mehrere Kellner bedienten uns an diesem Abend. Allesamt besaßen sie eine Freundlichkeit, eine Höflichkeit und eine Aufmerksamkeit, die uns erstaunten, weil sie der Gast in dieser Kontinuität und in dieser Massivität kaum mehr findet. Wirklich hervorragend. Vermutlich fühlt sich deshalb auch von jung bis alt jeder wohl im Riva. Das Publikum an diesem Abend reichte vom verliebten jungen Pärchen um die 25 Jahre bis zur Familie, bei der Oma und Opa mit am Tisch saßen.

Kaum wahrnehmbarer Kokosgeschmack

Als wir Platz genommen und die Eindrücke in uns aufgesogen hatten, präsentierte uns die Kellnerin als Gruß aus der Küche ein Chiliöl mit lauwarmen, kleinen Baguettebrötchen. Für meine Begleitung folgte eine Portion Garnelen in einem herzhaften Knoblauchsud (13,90 Euro), in dem auch Gemüse schwamm. Dazu gab es geröstete Ciabattascheiben mit Kräuterbutter und ein Schälchen mit Aiolimayonnaise, die so frisch und schmackhaft war, dass ich immer wieder ein Stück meines Baguettebrötchens eintunkte.

Ich entschied mich für die Kokos-Erdnusssuppe (8,90 Euro), die mir zu sehr auf die Schärfe im Abgang setzte und für den ersten Moment des Genusses zu wenig bereithielt. Der Kokosgeschmack war kaum wahrnehmbar. Die Erdnussnote kam nur durch die Stückchen in der Suppe. Ich hätte mir da ein umfassenderes und etwas cremigeres Erlebnis gewünscht.

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Als Hauptspeise wählte meine Begleitung die sous-vide-gegarten Ochsenbäckchen (22,90 Euro), die herrlich zart auf dem Teller lagen. Die intensive Barolojus unterstützte das Fleisch gekonnt. Das Süßkartoffelpüree passte mit seiner entgegengesetzten Geschmacksrichtung sehr gut dazu. Der gebratene grüne Spargel sorgte für eine dritte Komponente. Mein gebratener Lammrücken (24,90 Euro) weilte zu lange in der Pfanne. Sein rosa Kern, der zu einem butterzarten Fleisch geführt hätte, war nicht mehr zu erkennen.

Die Minz-Zitronenkruste schuf einen schönen Knusper und der herrlich reduzierte Bratenfond lieferte die Würze. Enttäuschend fand ich die Polenta mit schwarzen Oliven, die leider fast gar keinen Geschmack besaß. Angenehm fügten sich hingegen die sautierten Paprika ein, die dem gesamten Gericht Halt gaben. Zu unseren Hauptspeisen passte der Lovely Lilly Pinot Noir (0,2 Liter für 7,50 Euro) wunderbar. Einerseits streichelte er mit seiner Samtheit die Gaumen. Andererseits besaß er eine Säure, die erfrischend wirkte und den üppigen Gerichten eine gewisse Spritzigkeit verlieh.

Einfach lecker

Das Dreierlei von der Schokolade (7,90 Euro) beendete den Abend meiner Begleitung. Der Koch stellte ein Küchlein mit dem mittlerweile schon obligatorischen flüssigen Kern auf den Teller, ein cremiges Schokoeis und ein luftiges schwarz-weißes Mousse. Für mich gab es eine Orangen-Creme-Brûlée (9 Euro), die allerdings wenig nach Orange schmeckte, aber einen knackigen Zucker­deckel besaß. Umso fruchtiger und genialer das Ananasragout mit Granatapfelstückchen und einer schönen Zimtnote. Einfach lecker. Die Kugel des cremigen Vanilleeis ruhte auf einem tollen Pistazien-Kaffee-Rosenblüten-Krokant.


Fazit: Das Riva ist wirklich zu empfehlen – und das nicht nur wegen des beispielhaften Service. Sondern auch wegen der Lage, des Ausblicks aufs Wasser und der Gerichte, die der Gast so interpretiert selten auf der Karte findet. Nichtsdestotrotz fehlt an der ein oder anderen Stelle der letzte Kick.


Riva, Konsul-Smidt-Straße 88, 28217 Bremen, Telefon: 04 21 38 03 91 62, Öffnungszeiten: Montag bis Sonnabend warme Küche von 12 bis 14.30 Uhr und von 18 bis 22 Uhr, Sonntagsbrunch von 11 bis 14 Uhr und warme Küche von 18 bis 21 Uhr, Montag bis Sonntag kleine Snackkarte von 14.30 bis 18 Uhr, barrierefrei, www.riva-restaurant.de

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Leserkommentare
darkstarbremen am 21.10.2019 19:36
Endlich ein richtiger Ansatz in der Ausbildung. Das ist sehr zu fördern. Und was wird mit den anderen Studiengängen in der Pflege in Bremen?
darkstarbremen am 21.10.2019 19:31
Inwiefern wurden denn die Gehälter der Pflege in Kliniken gedrückt? Der TVÖD Pflege in den Kliniken wurde nicht gesenkt. Das ist auch richtig so. Nur ...
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