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Restaurantbesprechung
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Ein Abend voller Überraschungen

Marcel Auermann 02.01.2019 1 Kommentar

Das Restaurant Theatro am Goetheplatz förderte beim Besuch gemischte Gefühle zutage.
Das Restaurant Theatro am Goetheplatz förderte beim Besuch gemischte Gefühle zutage. (Kuhaupt)

Das irritierte uns dann doch etwas: Als wir durch das Theatro streunten und nach einem Platz für uns suchten, entdeckten wir ein Reserviert-Schild auf einem Tisch. Einen Tag zuvor sagte die Dame am Telefon, dass sonntags keine Reservierungen möglich seien. Was nun? Entweder keine Reservierungen – oder eben doch. Aber ein Dazwischen kann es nicht geben, sonst kommt sich der Gast doch etwas hinters Licht geführt vor.

Wir fanden in einer Ecke einen Platz. Ich saß dem Irrglauben auf, dass es dort etwas ruhiger sein könnte. Aber weit gefehlt. Die Akustik des Lokals leitet das Grundrauschen überall hin. Dementsprechend unruhig und hektisch wirkt es. Entspannung kehrte also nur schwer bei unserem Besuch ein. Unsere Unterhaltung war ab und an von Nachfragen geprägt, weil wir uns schlichtweg nicht hörten. Möglicherweise handelte es sich um eine Momentaufnahme, weil nach der Theatervorstellung noch einige Besucher auf einen Absacker ins Theatro kamen.

Als wir saßen, gingen wir davon aus, der Kellner würde uns noch eine gesonderte Speisekarte bringen. „Da!“, zeigte er auf die beiden Heftchen, die auf dem Tisch standen und mächtig klebten – übrigens wie der Tisch. Wir blätterten also ein wenig. Mit einem „Na, Karte auswendig gelernt?“ trat der Kellner heran. Bevor wir bestellten, fragten wir den Ober nach den Tagesempfehlungen. Und dann passierte etwas, das kurios anmutete. Der Kellner konnte uns nicht sagen, was es Spezielles gab. Wohlgemerkt: Es war Abend. Der junge Mann wusste also nach einigen Arbeitsstunden noch immer nicht die Angebote seines Restaurants. Er ging mit seinem Handy vor die Tür, fotografierte die Kreidetafel ab, kam zurück an den Tisch und las vom Bild auf dem Smartphone ab. Hinzu kam, dass einer der beiden Posten auch auf der normalen Karte stand. Alles in allem also kein stimmiger Start in den Abend.

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Meine Begleitung nahm als Vorspeise Chiperones Enharinados (7,40 Euro): gebackener Tintenfisch, der in Wahrheit aber frittiert war und bieder in einem Schälchen auf einem Teller mit dünner Papierserviette an den Tisch kam. Daneben lagen zwei Weißbrotscheiben. Das Ganze gab ein blasses Bild ab. Dazu wurde ein Knoblauchdip gereicht, der etwas zu mächtig und schwer wirkte. Ich bestellte eine Tom-Kha-Gai-Suppe (6,90 Euro), die der Koch hingegen toll würzte, mit einem Schuss Kokosmilch abrundete und dazu einiges an Gemüse hineingab. Auf einem Holzspieß gab’s noch eingelegtes und gebratenes Hähnchenfleisch. Top!

Eine wahre Abwechslung 

Das Barbarie-Entenbrustfilet (20,90 Euro) meiner Begleitung tat sich durch einen ordentlichen Eigengeschmack hervor, was uns gefiel. Die Kumquatsoße und der Maronen-Kartoffelstampf passten sehr gut zu diesem Hauptgericht. Der Blumenspross, der eine Kreuzung aus Grün- und Rosenkohl ist, stellte eine wahre Abwechslung dar. Ihn findet der Gast eher selten auf Speisekarten. Dabei schmeckt er kraftvoll. Er benötigt kaum Würze und kurzes Blanchieren genügt.

Leider benutzte der Koch im Theatro die Salzmühle zu intensiv. Das schmeckte ich auch auf meinem Teller, wo sich neben den Wildschweinrücken (21,90 Euro) ebenfalls einige Blumensprossen gesellten. Der Bratapfel, die Pflaumensoße und die Süßkartoffeln glichen das Salzige etwas aus. Was allerdings blieb: Das Fleisch war mit Sehnen durchzogen und etwas zu trocken. Dabei geht’s anders. Das zeigte der Koch beim dritten Stückchen, das wie ein Medaillon so zart und saftig auf der Zunge zerging.

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Für den Nachtisch mussten wir uns nicht verständigen. Dafür war die Auswahl zu klein. Für das gehypte Ben-&-Jerrys-Eis muss ich in kein Restaurant gehen. Also blieben für uns der warme Apfelstrudel (6,90 Euro) und das Schokoküchlein mit flüssigem Kern (6,50 Euro) übrig. Der Apfelstrudel ging in Ordnung, wobei der Blätterteig zu wenig aufgegangen und zu wenig knusprig war und die Füllung mehr Zimt vertragen hätte. Das Schokoküchlein kam meiner Meinung nach zu schnell aus der Küche, als dass es frisch zubereitet gewesen wäre. Das Eis war hingegen auf beiden Tellern schön sahnig.


Fazit:
Der Service kommt im Theatro etwas nassforsch rüber, auch wenn das vielleicht eine besondere Ausprägung von Schlagfertigkeit sein soll. Die Küche möchte, so zeigten es uns die Hauptspeisen, in einer gehobeneren Kategorie mitspielen. Dazu fehlte allerdings einiges und die Leistung muss in allen Gängen und bei allen Speisen erbracht werden. Doch bei unserem Besuch schwankte die Qualität.


Theatro, Goetheplatz 1-3, 28203 Bremen, Telefon: 04 21 / 32 60 80, Öffnungszeiten: täglich ab 10 Uhr, teilweise barrierefrei, Internet: www.theatro.de 


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Leserkommentare
holger_sell am 20.10.2019 15:36
Kultur ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und gerade auch in Bremen ein Magnet für den Tourismus.
Außerdem ist Kulturbewusstsein ein großer ...
holger_sell am 20.10.2019 15:30
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