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Gedenken an die Bremer Räterepublik
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Erinnerungsorte im Wandel

Helge Hommers 02.02.2019 0 Kommentare

Bremer Räterepublik, Bernhard Hoetger, Spartacus
Bremer Räterepublik, Bernhard Hoetger, Spartacus (Helge Hommers)

Mindestens 28 Verteidiger der Räterepublik verlieren beim Kampf um Bremen ihr Leben. Beerdigt werden sie auf dem Waller Friedhof – in einem Stadtteil, der wegen seiner hohen Arbeiterdichte als „roter Stadtteil“ bekannt ist. Schnell mehren sich Stimmen, die ein Mahnmal für die Getöteten am Ort ihrer Ruhestätte fordern. Vor allem die vielen Spenden aus der Arbeiterschaft ermöglichen die Finanzierung des Revolutionsdenkmals, das auf Plänen des Bildhauers Bernhard Hoetger basiert.

Hoetger, der während der Weimarer Republik auch die Böttcherstraße und den Niedersachsenstein in Worpswede gestaltet, entwickelt aus der Pietá – der Darstellung Marias mit dem Leichnam ihres Sohnes Jesus Christus – eine expressionistische Skulptur. Ebenso hat die Sphinx Einfluss auf sein Werk, was sich im Kopftuch der Mutter ausdrückt und für Kraft stehen soll.

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Das 4,50 Meter hohe Denkmal zeigt schließlich einen knochigen Sterbenden, der sich mit schmerzverzerrtem Gesicht in den Schoß einer mutterartigen Gestalt lehnt. Diese betrauert seinen Verlust, kann ihm aber nicht mehr helfen. Im Jahr 1922 erfolgt die Einweihung des Revolutionsdenkmals.

Das Gemälde auf dem Gröpelinger Bunker im Pastorenweg zeigt die Zerstörung der Pietá, des ersten Denkmals für die Verteidiger der Bremer Räterepublik, durch einen SA-Mann.
Das Gemälde auf dem Gröpelinger Bunker im Pastorenweg zeigt die Zerstörung der Pietá, des ersten Denkmals für die Verteidiger der Bremer Räterepublik, durch einen SA-Mann. (Christian Platz (8))

Dann übernehmen die Nationalsozialisten die Macht, die das Gedenken an die Verteidiger der Räterepublik in Bremen ablehnen. Sie befehlen, das Mahnmal zu entfernen, weil es „von der national empfindenden Bevölkerung als verletzend und aufreizend empfunden werde“, wie es vonseiten des neuen Bremer Senats heißt. Die Nationalsozialisten zerstören das Denkmal bis zum Oktober 1933 vollständig. Auch die Gebeine der Toten betten die neuen Machthaber um 
– nichts soll mehr an den Kampf der linken Kräfte erinnern.

Neues Denkmal nach 40 Jahren

Erst knapp 40 Jahre später wird an derselben Stelle ein neues Mahnmal für die Verteidiger errichtet, das heute immer noch dort steht. Ein Denkmal für die gestorbenen Zivilisten existiert hingegen weiterhin nicht. Für die Freikorpskämpfer und von der Reichsregierung beauftragten Soldaten, die bei der Niederschlagung der Räterepublik fielen, werden in Bremen mehrere Gedenkorte geschaffen: Außer dem Sterbenden Jüngling sind es das Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Bremer und das Grabmal für die Gefallenen der Division Gerstenberg.

Pietá-Denkmal
Mindestens 28 Verteidiger der Räterepublik verlieren beim Kampf um Bremen ihr Leben. Beerdigt werden die Leichen auf dem Friedhof in Walle.
Schnell mehren sich Stimmen, die ein Mahnmal für die Getöteten am Ort ihrer Ruhestätte fordern. Vor allem durch Spenden aus der Arbeiterschaft gelingt schließlich die Finanzierung des Revolutionsdenkmals, das auf Plänen des Bildhauers Bernhard Hoetger basiert.
Bildhauer Hoetger, der später unter anderem die Böttcherstraße gestaltet, entscheidet sich für eine expressionistische Skulptur. Sein Werk hat die Pietá zum Vorbild – die Darstellung Marias mit dem Leichnam ihres Sohnes Jesus Christus.
Hoetgers 4,50 Meter hohes Denkmal zeigt einen knochigen Sterbenden, der sich mit schmerzverzerrten Gesicht in den Schoß einer mutterartigen Gestalt lehnt. Diese betrauert seinen Verlust, kann ihm aber nicht mehr helfen. Im Jahr 1922 erfolgt die Einweihung des Revolutionsdenkmals.
Es sind schließlich die Nationalsozialisten, die das Denkmal bis zum Oktober 1933 vollständig zerstören. Auch die Gebeine der Toten lassen die neuen Machthaber verlegen, nichts soll mehr an den Kampf der linken Kräfte erinnern.
Die Pietá ist trotz ihrer Zerstörung nicht vollkommen aus dem Stadtbild verschwunden. Der Künstler Jürgen Waller, der auch das Lidice-Mahnmal verantwortet, bemalte Ende der 1970er-Jahre mit Studenten der Hochschule Bremen einen dreistöckigen Bunker im Pastorenweg in Gröpelingen.
Auf ihrem Gemälde erzählen sie die Geschichte der AG Weser und des Stadtteils Gröpelingen. Dazu gehört auch die Erinnerung an die Räterepublik, wie Waller sagt: „Das war ein großes historisches Ereignis“. Er und seine Studenten bauten daher auch die Pietá in das Gemälde ein. Die Abbildung zeigt, wie das Pieta-Denkmal von einem SA-Mann abgerissen wird.
Denkmal für die Gefallenen der Bremer Räterepublik
Selbst nach der Zerstörung der Pietà, suchten die Angehörigen der toten Arbeiter, den Ort zum Gedenken weiter auf. Jährlich am 4. Februar – dem Tag der Niederschlagung – fanden sich dort „Blumensträuße, die in aller Stille auf den Schandgedenkstein niedergelegt worden waren, als stummer Gruß der noch lebenden Antifaschisten“, wie es Zeitzeugen nach dem Ende der NS-Zeit berichteten.
Nach 1945 setzte sich der Ausschuss der Hinterbliebenen der Februarkämpfer für die Rückführung der Toten auf den Waller Friedhof ein – mit schnellem Erfolg. Ein neues Ehrenmal sollte daher bald folgen.
Es dauerte jedoch bis zum Februar 1972 ehe ein neues, abstraktes und – ebenso wie sein Vorgänger – etwa 4,50 Meter hohes Denkmal eingeweiht wurde.
Der Bildhauer Georg Arfmann hat das neue Ehrenmal geschaffen und mit drei übereinander lagernden Blöcken konzipierte.
So erinnert der unterste Block mit 29 aufgereihten, individuell gestalteten Säulen an die 29 Verteidiger, die beim Kampf um Bremen ihr Leben gelassen haben sollen. Zusammen bilden sie einen Block, der ihren solidarischen Einsatz verdeutlicht.
Auf ihnen liegt horizontal ein Fundament, das die demokratische Grundlage bildet, die den Fortschritt ermöglicht.
Diesen symbolisiert der oberste Block, der mit den in alle Richtungen weisenden und aus verschiedenen Formen bestehenden Steinen die Vielfältigkeit der aus dem Fortschritt entstehenden Gesellschaft symbolisiert. 
Fotostrecke: Diese Denkmäler erinnern an die Niederschlagung der Bremer Räterepublik

Die Pietá hingegen ist trotz ihrer Zerstörung nicht aus dem Bremer Stadtbild verschwunden. Der Künstler Jürgen Waller, der auch das Lidice-Mahnmal verantwortet, bemalte Ende der 1970er-Jahre mit Studenten der Hochschule Bremen einen dreistöckigen Bunker im Pastorenweg in Gröpelingen. Auf ihrem Gemälde erzählen sie die Geschichte der AG Weser und des Stadtteils Gröpelingen. Dazu gehört auch die Erinnerung an die Räterepublik, wie Waller sagt: „Das war ein großes historisches Ereignis.“ Er und seine Studenten bauten daher die Pietá in das Gemälde ein. Ein anderer Ausschnitt zeigt den Rat der Volksbeauftragten.

Die Denkmäler haben im Laufe der Jahre eine unterschiedliche Rezeptionsgeschichte erfahren. Sie zeigen, dass Erinnerung wandelbar ist und ihre Deutung immer von den Gegebenheiten der jeweiligen Zeit abhängt.

Die Dekmäler der Bremer Räterepublik:

Gefallenenmal der Division Gerstenberg

(Christian Platz)

Hier finden Sie Informationen zum Gefallenenmal auf dem Waller Friedhof.

Ehrenmal für die gefallenen Bremer des Ersten Weltkriegs und der Angreifer der Niederschlagung

(Christian Platz)

Hier erfahren Sie mehr zum Ehrenmal auf der Altmannshöhe.

Der Sterbende Jüngling - ehemaliges Denkmal für die gefallenen des Freikorps Caspari

(Christian Platz)

Hier können Sie mehr über das Denkmal-Ensemble in den Wallanlagen lesen.

Denkmal für die gefallenen Verteidiger der Räterepublik

(Christian Platz)

Hier finden Sie Informationen zum Denkmal fü die Gefallenen der Räterepublik.


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