Warnstreiks im öffentlichen Dienst

12 Bremer Kitas bleiben geschlossen

Rund 2500 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes haben in Bremen für mehr Gehalt demonstriert. Betroffen von dem Streik sind städtische Kindergärten, Krankenhäuser und die Müllabfuhr in Bremen.
11.04.2018, 16:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Serena Bilanceri

Es ist Donnerstag, 8 Uhr morgens, aber die Kindertagesstätte an der Leipziger Straße hat zu. Vor dem Hauptgebäude haben sich Mitarbeiter versammelt. Sie tragen rote Warnwesten mit dem Logo der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). Sie warten: Für den Fall, dass Eltern kommen, die über den Warnstreik nicht Bescheid wissen. "Aber eigentlich haben wir schon vor einer Woche Plakate aufgehängt und die Kinder sowie deren Eltern informiert", sagt die stellvertretende Leiterin des Kinder- und Familienzentrums Leipziger Straße Kathi Andrae. Es sei noch niemand vorbeigekommen, fügt sie hinzu. In der gesamten Einrichtung würden über 200 Kinder betreut, etwa 25 Mitarbeiter seien dort beschäftigt. Die Gruppe wird nur bis kurz vor 10 Uhr vor der Kita bleiben. Dann geht es los in Richtung Weserstadion und von dort aus zum Marktplatz, für die gemeinsame Kundgebung.

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In Bremen sind am Donnerstag Beschäftigte im öffentlichen Dienst auf die Barrikaden gegangen. Sie sind dem Aufruf der Verdi gefolgt, die in den vergangenen zwei Tagen in verschiedenen Bundesländern Warnstreiks angekündigt hatte. Kitas, Kliniken, Entsorgungsbetriebe und weitere öffentliche Stellen wurden auch in Bremen bestreikt. "Bei uns waren heute 12 Einrichtungen geschlossen, elf hatten einen normalen Betrieb und 53 einen Notdienst", fasst es Wolfgang Bahlmann, Geschäftsführer des städtischen Betriebs Kita Bremen, zusammen. Es habe einzelne Beschwerden gegeben, aber der Streik sei dieses Mal eher ruhig verlaufen. Man habe versucht, die Eltern relativ früh zu informieren. Am Freitag sei ein Elternbrief versendet worden, die Kitaleiter hätten gleichzeitig die Familien benachrichtigt, fügt Bahlmann hinzu.

Eltern haben Verständnis

"Bei uns hat sich keiner beschwert – natürlich waren die Eltern nicht glücklich, aber sie haben auch Verständnis gezeigt", sagt Andrae. Verständnisvoll zeigt sich ebenfalls eine junge Mutter, die ihre Tochter zum Spielplatz gebracht hat. Auch ihr Kindergarten sei heute geschlossen. "Ich hoffe, dass sie damit etwas erreichen. Denn die Betreuer leisten einen sehr, sehr gute Arbeit", sagt sie. Die junge Frau habe in Albanien ganz andere Verhältnisse erlebt. Dort habe es solche Spielplätze kaum gegeben. "Hier ist die Kinderbetreuung wirklich gut", fügt sie hinzu.

Verdi fordert für Beschäftigte im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen sechs Prozent und mindestens 200 Euro pro Monat Gehaltserhöhung. Zudem sollten Auszubildende und Praktikanten 100 Euro mehr im Monat erhalten, so die Gewerkschaft. Im Forderungskatalog steht auch eine verpflichtende Übernahme der Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss. „Wir wollen genug Druck erzeugen, sodass ein Angebot vom Arbeitgeber am Wochenende kommt“, sagt die stellvertretende Kitaleiterin Andrae.

Für mehr Lohn und Anerkennung kämpften auch zwei Auszubildende des städtischen Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno), die anonym bleiben möchten. "Auszubildende beschweren sich oft über zu wenig Geld oder Urlaubstage und ich finde, dann muss man auch für seine Forderungen einstehen. Deswegen bin ich hier", sagt eine der jungen Frauen, die auf den Beginn der Demonstration warten. Auch eine Geno-Betriebsrätin beklagt, dass die Pflege im Moment für neue Fachkräfte nicht attraktiv genug sei. "Die Lohnanpassung ist noch nicht angemessen. Durch den Streik hoffe ich nicht nur auf mehr Lohn, sondern auch auf mehr Kollegen", sagt sie.

Mindestens 2500 Teilnehmer

Laut der Polizei Bremen haben sich etwa 2500 Menschen gegen Mittag auf dem Marktplatz versammelt. Verdi geht von über 3000 aus. Die Atmosphäre ist entspannt, zwischen den Reden ertönt Musik aus den Lautsprechern. In der Luft werden Fahnen und Luftballons geschwenkt – rot für Verdi, grün für die Gewerkschaft der Polizei. Die Demonstranten tragen weiße T-Shirts und Transparente mit der Aufschrift "Wir sind es wert". Neugierige Passanten und Café-Besucher beobachten das Geschehen am Rande der Veranstaltung. Die Kundgebung sei friedlich verlaufen, vermeldet die Polizei am Ende. "Bei uns sind keine Störungen gemeldet worden", sagt der Sprecher Nils Matthiesen.

Beim Klinikum Bremen-Mitte soll die Beteiligung "recht akzeptabel" gewesen sei, erklärt Betriebsrat Thomas Hollnagel. Man habe allerdings noch keine konkreten Zahlen. In den Bremer Kliniken war ein Notdienst eingerichtet worden, damit die Patienten trotzdem behandelt werden. Ärzte würden außerdem nicht am Streik teilnehmen, da sie andere Tarifverträge hätten, erläutert die Geno-Betriebsrätin. Beim Betrieb Entsorgung Nord (Eno) seien zwei Mülltouren ausgefallen und daher 340 Restmüllbehälter bei Gewerben und Großwohnanlagen in Gröpelingen und Oberneuland stehengeblieben, meldet Nehlsen-Sprecher Micheal Drost. Auch Studenten der Universität Bremen dürften beim Mittagessen die Folgen des Streiks gespürt haben: Einige Mensen und Cafeterien boten am Donnerstag ein reduziertes Angebot.

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