Hoffnung auf neue Schulkultur 14 Mädchen und Jungen zu Streitschlichtern ausgebildet

Lesum. 14 Mädchen und Jungen der achten Klassen bekamen am Freitag eine Urkunde, die die Teilnahme an einer Streitschlichter-Fortbildung dokumentiert. Drei Tage lang hatten ihnen Pädagogen die notwendigen Kenntnisse für den Job als Streitschlichter beigebracht.
30.01.2010, 06:52
Lesedauer: 2 Min
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Von Christina Denker

Lesum. Meistens sind es private Streitigkeiten unter Schülern, die in den Schulalltag schwappen. Das ist in Lesum nicht anders. Dort haben sich vor kurzem zwei Jungen geprügelt; einer von ihnen musste im Krankenhaus behandelt werden. Eine Antwort nach dem Grund blieben die beiden Kampfhähne schuldig. Dass Auseinandersetzungen auch anders geregelt werden können - darüber hatten die Jungen nicht nachgedacht, heißt es. Was den stellvertretenden Schulleiter Frank Grönegreß noch einmal darin bestärkt hat, wie 'wichtig und notwendig' Streitschlichter an Schulen sind.

14 Mädchen und Jungen der achten Klassen bekamen am Freitag an der Lesumer Gesamtschule nicht nur ihre Halbjahreszeugnisse. Jeder dieser Schüler ist jetzt auch Besitzer einer Urkunde, die die Teilnahme an einer Streitschlichter-Fortbildung dokumentiert.

Knapp drei Tage waren die 13- und 14-Jährigen gemeinsam mit den Mediatoren Ulrich Hütter und Markus Haake sowie Frauke Salisbury vom schulischen Jugendcafé und den beiden Lehrerinnen Tatjana Kiecol und Nurcan Karatepe vor kurzem zu Gast im Lidice-Haus.

Dort wollten sie sich die notwendigen Kenntnisse für den Job als Streitschlichter an ihrer Schule aneignen. Was die Pädagogen am Freitag als 'Schaffung eines Vermittlungsfeldes' bezeichnen, formulierte Maria so: 'Wir wollen Menschen helfen, damit sie Spaß in der Schule haben.' Gemeint sind ihre Mitschüler der achten Klassen, zur Zeit 175 an der Zahl.

Eigentlich aber soll das Streitschlichter-Projekt in der gesamten Einrichtung Schule machen. Vor zehn Jahren hat es bereits ein ähnliches Projekt gegeben, ist aber mit dem Abgang der entsprechenden Schüler eingeschlafen. Dieses Mal soll es nicht wieder bei einer 'Eintagsfliege' bleiben.

Mit der Fortbildung der 14 Schüler im Lidice-Haus, der sich noch vor Ostern der zweite Teil anschließen soll, ist der Grundstein dafür gelegt. 'Dort hat man uns beigebracht, wie wir mit anderen sprechen können, damit sie sich wieder vertragen', berichtete Anita.

Dazu brauchte es neben Interaktionsübungen unter anderem auch Rollenspiele, um sich Gesprächstechniken, Konfliktverständnis sowie Grundlagen interkultureller Mediation anzueignen. Den Teilnehmern wurde vermittelt, dass es in ihrer Arbeit letztendlich darum gehe, streitenden Parteien zu helfen, selbst zu einer Lösung ihrer Probleme zu kommen.

Aufgabe der bislang 14 Streitschlichter am Schulzentrum Lesum ist deshalb nicht, körperlich in einen Kampf einzugreifen oder Streithähne zu trennen. Vielmehr sollen sie Ansprechpartner der Schüler sein, die ihre Auseinandersetzungen friedlich beilegen möchten.

Gemeinsam sollen die Ursachen des Konfliktes erarbeitet werden, um anschließend vertraulichen zu besprechen, welche Lösungen es gibt. Angestrebt wird immer eine - schriftlich fixierte - sogenannte Win-win-Situation. Nach Erfahrungen des Mediators Ulrich Hütter hielten 90 Prozent aller Schüler getroffene Vereinbarungen ein.

Momentan läuft die Suche nach einem geeigneten Raum, den die Mädchen und Jungen für ihre Arbeit nutzen können. Die acht Mädchen und sechs Jungen, die sich im Übrigen alle freiwillig für dieses Projekt gemeldet hatten, sind bereits im hohen Maße sensibilisiert.

Mona: 'Man ist ruhiger geworden und spricht die Leute auch direkt auf ihre Streitereien an.' Und Svenja findet, dass man selbst auch von dem Erlernten profitieren kann. Schulleiter Helmuth Schnitger, der gestern die Zertifikate an die Schüler überreichte, lobte den Einsatz der 14 Streitschlichter. Genauso wie er hoffen alle anderen Beteiligten, dass am Schulzentrum Lesum eine neue (Streit-)Kultur einzieht.

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