Ehepaar erlebt Abenteuer des Lebens 14 Monate Segelurlaub auf dem Atlantik

2014 erfüllten sich Antje und Ingo Paulus einen Traum: 14 Monate lang segelten sie auf der „Amazone“ um die Welt. Die dabei erlebten Abenteuer haben sie nun in einem Buch niedergeschrieben.
17.01.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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14 Monate Segelurlaub auf dem Atlantik
Von Antje Stürmann

2014 erfüllten sich Antje und Ingo Paulus einen Traum: 14 Monate lang segelten sie auf der „Amazone“ um die Welt. Die dabei erlebten Abenteuer haben sie nun in einem Buch niedergeschrieben.

Das Bett steht fest auf dem Boden: kein Schaukeln, kein Plätschern. Kein Brummen des Schiffsmotors. Keine flappenden Segel, keine Funksprüche und keine knarzenden Schoten. Als Antje und Ingo Paulus nach über einem Jahr auf See die erste Nacht an Land schlafen, vermissen sie den atemberaubenden Sternenhimmel über dem Meer und die „sprechenden“ Delfine.

14 Monate segelte das Paar auf dem Atlantischen Ozean – manchmal wochenlang allein auf hoher See. Zweimal haben sie den Atlantik überquert und dabei insgesamt 12 000 Seemeilen zurückgelegt, und das immer bei sommerlichen Temperaturen. Antje und Ingo Paulus haben sich mit ihrer Reise einen Traum erfüllt und darüber ein Buch geschrieben: „14 Monate Sommer – unter Segeln in die Karibik und zurück“.

Unter Seglern sind sie damit eine Ausnahme: „Es gehört eine ganze Menge Mut und Energie dazu, die Komfortzone zu verlassen und sich auf das Unbekannte einzulassen“, begründet Ingo Paulus. Der damals 50-Jährige hat nach 22 Jahren seinen gut dotierten Arbeitsplatz gekündigt, um auf Segeltour zu gehen. Dabei wusste der technische Betriebswirt nicht, ob sein Plan funktioniert. „Wir wussten nicht, wie es sich anfühlt, auf 5000 Meter tiefem Wasser zu segeln, 14 Monate lang auf zehn Quadratmetern zusammenzuleben, Wind und Wetter ausgesetzt, von Schlafmangel geplagt“, schreibt Antje Paulus im Vorwort zum Buch.

Keine Zweifel am geplanten Vorhaben

Schon als Kind träumte sie davon, ganz lange zu segeln und auf dem Wasser zu leben. Anfang 20 lernte sie ihren jetzigen Mann kennen, auch er ist passionierter Segler. Seitdem träumen sie gemeinsam von der großen Tour. Das Ehepaar hat zwei erwachsene Söhne, die während ihrer Reise das Haus hüteten und die Post öffneten. „Wir wollten losfahren, wenn der jüngste Sohn seine Ausbildung abgeschlossen hat“, sagt Antje Paulus.

Malte Paulus hat noch nicht die letzte Prüfung geschrieben, da spüren seine Eltern, dass es Zeit ist: „Wenn nicht jetzt, dann vielleicht gar nicht mehr“, sagt Antje Paulus. Doch wie bringt man dem Arbeitgeber bei, dass man 14 Monate frei haben möchte? Bekommt die 43 Jahre alte Jacht überhaupt eine Kaskoversicherung für die Fahrt in die Karibik? Reichen die Erfahrungen im Segeln und Navigieren, die Antje und Ingo Paulus über Jahrzehnte auf der Nord- und Ostsee, in Norwegen, Dänemark und in Schweden gesammelt haben?

„Wir hatten überhaupt keinen Zweifel, dass wir das schaffen“, sagt Antje Paulus. „Die Neugier auf das Leben auf dem Wasser, auf fremde Menschen und Kulturen, die Sehnsucht nach der scheinbar unendlichen Weite der See war um so vieles größer als unsere Vorbehalte.“

Kollision mit einem schlafenden Pottwal

Nach neun Monaten akribischer, intensiver Vorbereitungszeit stechen sie im Juni 2014 in See. Der Atlantik-Rundkurs führt Antje und Ingo Paulus von Bremerhaven über die Kanaren und Kapverden in die Karibik und über die Bermudas sowie die Azoren zurück nach Bremerhaven. In einem Blog berichtet Antje Paulus täglich über die gewonnene Freiheit und das Abenteuer: einzig dem Wetter unterworfen auf dem Meer, ohne Chefs und Termine. „Leben im Einklang mit der Natur, unter freiem Himmel mit Sonne, Wind und Wellen.“

Antje Paulus und ihr Mann meistern Gefahren und Strapazen, wie den Wachwechsel alle vier Stunden, die Kollision mit einem schlafenden Pottwal und die riskante Fahrt ohne Navigation in eine karibische Bucht voller Riffe. Die schwierigste Etappe brachten sie allerdings gleich zu Beginn in der Nordsee hinter sich: „Die Tide, Strömungen und die vielen Bohrinseln machen die Nordsee navigatorisch sehr anspruchsvoll“, erklärt Ingo Paulus.

Vor allem aber erinnern sich die beiden Bremer an atemberaubende Momente: wie der Anker zum ersten Mal in das türkisfarbene Wasser der Karibik fällt, wie Delfine mit ihnen Kontakt aufnehmen und sie am Strand der Britischen Jungferninseln Hummer essen. Heimweh kommt selten auf. Für alle Fälle haben sie ein „emotionales Rettungspaket“ an Bord: den Heimwehkarton. Darin segeln selbst gemachte Marmeladen von befreundeten Kollegen und Honiggläser mit, eine Ansichtskarte aus Bremen und eine Dose Beck's-Bier.

Nächste Reise bereits in Planung

Heimliche Hauptdarstellerin des Blogs, der bereits 150 000 Klicks zählt, ist „Amazone“ – eine Jacht „Hanseat 70“, gebaut im Jahr 1971 auf der Asmus-Werft in Glückstadt. „Sie gehört seit 2004 zur Familie“, sagt Antje Paulus. Sie und ihr Mann beschreiben das Boot liebevoll als „grundsolide“, 10,50 Meter lang und sechs Tonnen schwer. 200 Exemplare ihres Typs gibt es. Die Amazone ist nach den Worten Paulus' das erste Boot seiner Serie, das vom Stapel lief. Im Buch erzählt es in charmanten Zwischenrufen aus seiner Sicht. Nachdem die Amazone 17 Tage und Nächte nonstop gesegelt ist, staunt sie über ihre Leistung: „...das war eine Menge Wasser vor meinem Bug.“ Zurzeit träumt sie im Winterquartier ihres Heimathafens in Bremerhaven von kitzelnden Wellen und Fliegenden Fischen.

Antje und Ingo Paulus haben ihre Entscheidung nicht bereut. Vermisst haben die Abenteurer nur ihre beiden Söhne. „Das war die Reise unseres Lebens“, sagt Antje Paulus, „wir sind ein tolles Team.“ Sobald das Paar genug Geld gespart hat, will es zur nächsten Reise aufbrechen. Bis dahin träumt es vom Sternenhimmel über der Karibik und von den Delfinen.

Das Buch „14 Monate Sommer“ ist ein sehr persönlicher, unterhaltsamer Bericht über das große Abenteuer, das wir viel zu lange vor uns herschieben. Auf jeder Seite ist die Begeisterung zu spüren, mit der Antje und Ingo Paulus ihren Traum verwirklicht haben. Um das Buch zu lesen, muss man nicht unbedingt Segelsportler sein. Viele Tipps und Anregungen der Beiden sind in keinem Reiseführer zu finden. Passionierte Segelsportler und Neugierige erfahren im Anhang viele technische Details - und vielleicht auch den letzten Anstoß, um aufzubrechen. Das Buch gibt es bei Amazon unter der ISBN 978-3-7431-1334-3 für 23,90 Euro (E-Book: bis 30. Januar 3,99 Euro).
Am Donnerstag, 16. Februar, zeigen Antje und Ingo Paulus ab 19 Uhr in der Gaststätte „Ahoi“ des Oberweser-Segel-Vereins, Wehrstraße 175, Fotos und Filme ihrer Reise. Der Eintritt ist frei.

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